<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" version="2.0" xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/"><channel><title><![CDATA[Tanjas Pacing Blog]]></title><description><![CDATA[Blog über das Leben mit ME/CFS und Erfahrungen mit Pacing und Coping]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/</link><image><url>https://pacing-mecfs.de/favicon.png</url><title>Tanjas Pacing Blog</title><link>https://pacing-mecfs.de/</link></image><generator>Ghost 5.82</generator><lastBuildDate>Fri, 05 Jun 2026 17:47:34 GMT</lastBuildDate><atom:link href="https://pacing-mecfs.de/rss/" rel="self" type="application/rss+xml"/><ttl>60</ttl><item><title><![CDATA[Ich dachte, ich wüsste, was Bettlägerigkeit bedeutet]]></title><description><![CDATA[Ein paar Tage bettlägerig haben meinen Blick verändert. Warum die Vorstellung von Bettlägerigkeit nicht an die Realität heranreicht.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/bettlaegerigkeit-vorstellung-und-realitaet/</link><guid isPermaLink="false">6a202fb1dede6f0001940188</guid><dc:creator><![CDATA[Tanja @ Tanjas Pacing Blog]]></dc:creator><pubDate>Thu, 04 Jun 2026 07:02:42 GMT</pubDate><media:content url="https://pacing-mecfs.de/content/images/2026/06/20260603_162057.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://pacing-mecfs.de/content/images/2026/06/20260603_162057.jpg" alt="Ich dachte, ich w&#xFC;sste, was Bettl&#xE4;gerigkeit bedeutet"><p>Bettl&#xE4;gerig? Ich wei&#xDF; genau, was das hei&#xDF;t. Das dachte ich zumindest &#x2013; bis vor zwei Wochen. Denn nat&#xFC;rlich kenne ich mit ME/CFS schwere Crashphasen. Stunden oder auch ein, zwei Tage mit Schmerzen im Dunkeln zu liegen ebenfalls. Doch es war eben immer nur kurz.<br>Vor zwei Wochen hat mich eine Infektion mit Fieber f&#xFC;nf Tage ans Bett gefesselt. Zum ersten Mal war ich zu schwach, um alleine zur Toilette zu gehen. Zum ersten Mal konnte ich das Bett nicht nach ein oder sp&#xE4;testens zwei Tagen wieder gegen meinen Liegesessel eintauschen.</p><p>Und trotzdem wei&#xDF; ich noch immer nicht, was bettl&#xE4;gerig wirklich bedeutet. Denn es waren eben nur ein paar Tage. Nicht Wochen. Nicht Monate. Nicht Jahre.</p>
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<iframe width="100%" height="112" frameborder="0" scrolling="no" style="width: 100%; height: 112px; overflow: hidden;" src="https://cast.pacing-mecfs.de/@tanjas_pacing_blog/episodes/ich-dachte-ich-wusste-was-bettlagerigkeit-bedeutet/embed"></iframe>
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<p>Jeder kann sich theoretisch irgendwie vorstellen, immer und f&#xFC;r alles auf Hilfe angewiesen zu sein. Aber ganz ehrlich: Theorie ist grau. Es wirklich zu erleben, ist etwas v&#xF6;llig anderes. Denn die Vorstellung reicht nicht ann&#xE4;hernd an die Realit&#xE4;t heran.</p><p>Denn dass jemand das Essen ans Bett bringt, hei&#xDF;t auch, dass das Geschirr wieder abger&#xE4;umt werden muss. Dass man bei einer n&#xE4;chtlichen Hungerattacke den Partner nicht aus dem Schlaf holt und stattdessen mit knurrendem Magen den Morgen herbeisehnt.</p><p>In der Vorstellung ist es auch deutlich einfacher Hilfe beim Gang zur Toilette zu brauchen. In der Realit&#xE4;t wegen Schwindel und Schw&#xE4;che gest&#xFC;tzt werden zu m&#xFC;ssen, ist dann schon nicht mehr so easy. Oder jemandem Bescheid sagen zu m&#xFC;ssen. Und vor allem, Hilfe beim Runter- und wieder Hochziehen der Kleidung zu ben&#xF6;tigen. Toilette war immer etwas Privates, Intimes &#x2013; und pl&#xF6;tzlich ist sie es nicht mehr.</p><p>Und dann die Schmerzen. Nach nur einem Tag Liegen, finde ich vor R&#xFC;ckenschmerzen keine Position mehr, die nicht wehtut. Meine Kniegelenke brennen, die H&#xFC;ften schmerzen bei jeder Bewegung. Nach f&#xFC;nf Tagen Liegen f&#xFC;hlt es sich nach H&#xF6;lle an. </p><p>Nichts lenkt davon ab. H&#xF6;rbuch, Fernsehen, Lesen &#x2013; alles zu anstrengend, zu hell, zu laut. Und andere Menschen? Unertr&#xE4;glich. Was bleibt, ist die Stille. Und in der Stille: die Gedanken.</p><p>Sich vorzustellen, so Stunde um Stunde, Tag f&#xFC;r Tag im Dunkeln zu liegen, ist leicht. Dort zu liegen, ist etwas v&#xF6;llig anderes. Allein mit den Gedanken zu sein. Nicht zu wissen, ob das jemals wieder aufh&#xF6;rt. Zu merken, welche Gedanken auftauchen, wenn nichts mehr bleibt, das von ihnen ablenkt.</p><p>Und dann ist das Fieber vorbei.</p><p>Ich kann das Bett im dunklen Zimmer wieder gegen den Liegesessel im Wohnzimmer eintauschen. Und w&#xE4;hrend ich so in meinem Sessel liege, ist eine riesige Portion Dankbarkeit in mir. Dankbarkeit daf&#xFC;r, dass diese Erfahrung nur vor&#xFC;bergehend war. Aber auch Respekt f&#xFC;r all diejenigen da drau&#xDF;en, die das mit schwerem ME/CFS seit Jahren ohne Aussicht auf Besserung ertragen &#x2013; und f&#xFC;r die es keinen Moment gibt, in dem das Fieber oder der Crash einfach vorbei ist.</p><p>F&#xFC;nf Tage im Bett haben mir nicht gezeigt, was Bettl&#xE4;gerigkeit wirklich bedeutet. Aber sie haben mir gezeigt, wie gro&#xDF; der Unterschied zwischen einer Vorstellung und der Realit&#xE4;t sein kann.</p><p></p><p></p><blockquote>Du m&#xF6;chtest den Beitrag kommentieren?<br>Die Kommentarfunktion ist im Mitgliederbereich freigeschaltet.<br><br>&#xDC;ber <strong>&#x201E;Subscribe&#x201C;</strong> kannst Du Dich registrieren und bekommst eine Nachricht bei neuen Posts.<br>Mit <strong>&#x201E;Sign in&#x201C;</strong> meldest Du Dich an, um zu kommentieren oder zu liken. <br><br>Ich freue mich &#xFC;ber Deine Gedanken zum Beitrag.</blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/missverstandnis-hoffnung/" rel="noreferrer">Das Missverst&#xE4;ndnis mit der Hoffnung</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/stille-nach-dem-crash/" rel="noreferrer">Die Stille nach dem Crash</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/dankbarkeit-scham/" rel="noreferrer">Wenn Dankbarkeit leise macht</a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Warum werde ich bestraft?]]></title><description><![CDATA[Warum selbst Freude und Nähe bei ME/CFS zu PEM führen können: Ein persönlicher Text über Familie, Erschöpfung und emotionales Überleben.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/pem-nach-schoenen-momenten/</link><guid isPermaLink="false">6a019bf4dede6f000193ff0f</guid><category><![CDATA[Innensichten]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja @ Tanjas Pacing Blog]]></dc:creator><pubDate>Wed, 20 May 2026 13:11:10 GMT</pubDate><media:content url="https://images.unsplash.com/photo-1676181739859-08330dea8999?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDN8fEdlcmljaHR8ZW58MHx8fHwxNzc4NDkwMzg5fDA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://images.unsplash.com/photo-1676181739859-08330dea8999?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDN8fEdlcmljaHR8ZW58MHx8fHwxNzc4NDkwMzg5fDA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" alt="Warum werde ich bestraft?"><p>Tr&#xE4;nen laufen &#xFC;ber meine Wangen. Vor Schmerzen, M&#xFC;digkeit &#x2013; und vor Wut. Wut auf eine Krankheit, die grausamer nicht sein k&#xF6;nnte. Die selbst sch&#xF6;ne Momente im Nachhinein zerst&#xF6;rt.</p>
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<p>Dabei sollte es doch eigentlich ganz anders sein. Der Gedanke an die Umarmung meiner Enkel sollte Freude und ein L&#xE4;cheln auf mein Gesicht zaubern und nicht die Frage entstehen lassen, warum ich f&#xFC;r etwas so Sch&#xF6;nes heute bestraft werde.</p><p>Nat&#xFC;rlich wei&#xDF; ich, dass PEM keine Strafe ist,<br>aber genau so f&#xFC;hlt es sich an vielen Tagen an.</p><p>Weil ein Kindergeburtstag f&#xFC;r mich keine Option mehr ist, haben wir unsere kleine Enkelin erst drei Tage sp&#xE4;ter, besucht. Solche Besuche sind selten geworden. Meist reicht meine Kraft nur noch daf&#xFC;r, meine Enkel alle sechs bis acht Wochen f&#xFC;r etwa eine Stunde zu sehen &#x2014; vorbereitet durch viel Ruhe vorher und fast immer verbunden mit den Folgen danach.</p><p>Auch diesmal hatte ich vorher gut gepaced. Keines der Kinder war erk&#xE4;ltet und wir hatten bewusst das Zeitfenster zwischen elf und zw&#xF6;lf Uhr vormittags gew&#xE4;hlt - die Tageszeit, in der meine Energiereserven meist noch am gr&#xF6;&#xDF;ten sind und mein K&#xF6;rper nicht zus&#xE4;tzlich durch Essen, Kauen oder Verdauung belastet wird.</p><p>Als ich Alice unser Geschenk gab, kam sie sofort zu mir auf den Scho&#xDF;, erz&#xE4;hlte von ihrem Geburtstag und fragte mich irgendwann, ob ich mit ihr &#x201A;nur ein kleines bisschen&#x2018; spazieren gehe.</p><p>Das r&#xFC;hrte mich sehr.</p><p>Also gingen wir los in den Garten. Ganz langsam, Hand in Hand. Ohne Aufregung, ohne Toben, ohne all das, was Au&#xDF;enstehende vermutlich als anstrengend bezeichnen w&#xFC;rden. Es war einfach nur ein stilles Nebeneinandergehen voller N&#xE4;he. So still, wie eine f&#xFC;nfj&#xE4;hrige eben sein kann. Zwischendurch umarmte sie mich immer wieder und auch mein Enkel Charlie nahm mich sp&#xE4;ter lange und innig in den Arm.</p><p>F&#xFC;r viele Menschen klingt das vermutlich nach einem ruhigen und sch&#xF6;nen Familiennachmittag. Das war es irgendwie auch - trotzdem es bei Weitem kein ganzer Nachmittag war, sondern eine Stunde.</p><p>F&#xFC;r meinen K&#xF6;rper war selbst das zu viel.</p><p>Nicht weil etwas laut, hektisch oder chaotisch gewesen w&#xE4;re, sondern weil bei ME/CFS eben nicht nur k&#xF6;rperliche Aktivit&#xE4;ten oder negative Emotionen Energie kosten.</p><p>Auch Freude kostet Kraft. N&#xE4;he kostet Kraft. Gef&#xFC;hle kosten Kraft. Selbst sch&#xF6;ne Momente k&#xF6;nnen PEM ausl&#xF6;sen, nicht weil sie psychisch &#x201E;zu viel&#x201C; w&#xE4;ren, sondern weil ein krankes neuroimmunologisches System nicht zwischen positivem und negativem Stress unterscheidet.</p><p>Aktivierung bleibt Aktivierung.</p><p>Den Rest des Tages verbrachte ich liegend. Gegen Abend wurde mein K&#xF6;rper pl&#xF6;tzlich so schwach, dass ich an der Treppe meinen Mann rufen musste, damit er mir hilft. Sp&#xE4;ter kamen die Stiche in der Brust hinzu, w&#xE4;hrend die Nacht schlie&#xDF;lich aus Schlaflosigkeit, Schmerzen sowie st&#xE4;ndig wechselnden Hitze- und K&#xE4;ltegef&#xFC;hlen bestand.</p><p>Das Grausame an PEM sind f&#xFC;r mich nicht nur Schmerzen und Ersch&#xF6;pfung an sich, sondern dass die Krankheit beginnt, selbst sch&#xF6;ne Erinnerungen damit zu verkn&#xFC;pfen. Dass etwas, das eigentlich W&#xE4;rme hinterlassen sollte, pl&#xF6;tzlich k&#xF6;rperlich mit Angst, Schw&#xE4;che und einem tagelangen Zusammenbruch verbunden ist.</p><p>Und trotzdem:</p><p>Wenn ich an ihre kleine Hand in meiner denke, wei&#xDF; ich, warum ich diesen Preis immer wieder zahle.</p><p>Nicht leichtfertig.<br>Nicht ohne Angst vor den Folgen.<br>Sondern weil auch schwerkranke Menschen N&#xE4;he, Liebe und Familie brauchen.</p><p>Vielleicht ist genau das das Grausamste daran: dass sich etwas so Sch&#xF6;nes am Ende trotzdem wie eine Bestrafung anf&#xFC;hlt. Dass Menschen mit ME/CFS sich nicht zwischen &#x201E;gesund vern&#xFC;nftig&#x201C; und &#x201E;leichtsinnig unvern&#xFC;nftig&#x201C; entscheiden.</p><p>Sondern zwischen Symptomen und emotionalem Verk&#xFC;mmern.</p><p></p><blockquote>Du m&#xF6;chtest den Beitrag kommentieren?<br>Die Kommentarfunktion ist im Mitgliederbereich freigeschaltet.<br><br>&#xDC;ber <strong>&#x201E;Subscribe&#x201C;</strong> kannst Du Dich registrieren und bekommst eine Nachricht bei neuen Posts.<br>Mit <strong>&#x201E;Sign in&#x201C;</strong> meldest Du Dich an, um zu kommentieren oder zu liken. <br><br>Ich freue mich &#xFC;ber Deine Gedanken zum Beitrag.</blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/keine-reise-bilanz/" rel="noreferrer">Keine Reise. - Zwischen Termin und Crash</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/striktes-pacing-fuhlt-sich-manchmal-ganz-schon-egoistisch-an/" rel="noreferrer">Striktes Pacing f&#xFC;hlt sich manchmal ganz sch&#xF6;n egoistisch an!</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/hell-laut-nah/" rel="noreferrer">Zu hell, zu laut, zu nah &#x2013; mein Erleben von Reiz&#xFC;berflutung bei ME/CFS</a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Wenn Würde am Ende vom Geldbeutel abhängt: ME/CFS, Versorgungslücken und der letzte Weg]]></title><description><![CDATA[Schweres ME/CFS: Wenn Würde, Sicherheit und Begleitung auf dem letzten Weg von Geld und Versorgung abhängen.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/mecfs-wuerde-geldbeutel/</link><guid isPermaLink="false">6957a69ddede6f000193ee39</guid><category><![CDATA[Position]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja @ Tanjas Pacing Blog]]></dc:creator><pubDate>Fri, 15 May 2026 05:22:52 GMT</pubDate><media:content url="https://images.unsplash.com/photo-1633158829585-23ba8f7c8caf?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDE4fHxnZWxkfGVufDB8fHx8MTc3NjA2NjI3Nnww&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://images.unsplash.com/photo-1633158829585-23ba8f7c8caf?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDE4fHxnZWxkfGVufDB8fHx8MTc3NjA2NjI3Nnww&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" alt="Wenn W&#xFC;rde am Ende vom Geldbeutel abh&#xE4;ngt: ME/CFS, Versorgungsl&#xFC;cken und der letzte Weg"><p>Es gibt einen Satz, der mich immer wieder trifft: <br>&#x201E;Ich w&#xFC;rde mein Tier nie leiden lassen&#x201C;. <br>F&#xFC;r Tiere gilt es als selbstverst&#xE4;ndlich, dass ein qualvolles Leiden nicht bis zum letzten Atemzug ertragen werden muss. Bei schwerkranken Menschen sieht die Realit&#xE4;t anders aus. Nicht, weil ihr Leben weniger wert w&#xE4;re, sondern weil die Strukturen fehlen, die Selbstbestimmung &#xFC;berhaupt erm&#xF6;glichen.</p>
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<p><strong>Wenn das Geld am Ende weg ist</strong></p><p>Wer viele Jahre mit schwerem ME/CFS lebt, hat seine finanziellen Reserven oft l&#xE4;ngst verbraucht. Arzttermine, Medikamente, Hilfsmittel, Pflege, Fahrten. Vieles davon wird nicht &#xFC;bernommen. Zur&#xFC;ck bleibt ein K&#xF6;rper, der kaum noch kann, Angeh&#xF6;rige, die physisch und psychisch am Ende sind &#x2013;&#xA0;und ein Konto, das leer ist. Wer das Leiden irgendwann nicht mehr ertragen kann, erlebt schnell, wie ungleich Sicherheit, Begleitung und Selbstbestimmung verteilt sind. Denn assistierte Suizidhilfe kostet oft mehrere tausend Euro und verl&#xE4;ssliche palliative Begleitung ist f&#xFC;r nicht-onkologische Erkrankungen weiterhin keine Selbstverst&#xE4;ndlichkeit.</p><p><strong>Wie ein w&#xFC;rdevoller Abschied eigentlich aussehen k&#xF6;nnte</strong></p><p>Der entscheidende Punkt aber wird selten ausgesprochen: Menschen, die sich einen begleiteten und medizinisch abgesicherten Abschied leisten k&#xF6;nnen, erleben oft einen v&#xF6;llig anderen Abschied als Menschen, f&#xFC;r die selbst ein w&#xFC;rdevoller letzter Weg von Geld und Unterst&#xFC;tzung abh&#xE4;ngt.</p><p>Bei einem begleiteten Suizid liegt man oft in einem ruhigen Raum. Die Menschen, die einen lieben, sind da. Es gibt ein sicheres Medikament und ein Arzt begleitet den Prozess. Man schl&#xE4;ft ein, ohne Panik, ohne Atemnot, ohne Gewalt. Trotz aller Tragik bleibt ein Rest von Frieden, weil niemand allein bleibt und niemand &#xFC;berfordert zur&#xFC;ckgelassen wird.</p><p><strong>Die Realit&#xE4;t f&#xFC;r viele mit ME/CFS: Sterben in der Holzklasse</strong></p><p>Diese Form des Abschieds ist nur leider auch eine Frage von Ressourcen. Wer die nicht hat, landet in der Holzklasse. Das bedeutet: kein gesch&#xFC;tzter Raum, keine verl&#xE4;ssliche medizinische Begleitung, keine sichere Medikamentengabe. Keine Garantie, dass es ruhig verl&#xE4;uft. Keine Sicherheit, dass Angst, Atemnot oder k&#xF6;rperliche Eskalation abgefangen werden k&#xF6;nnen.<br>
Stattdessen bleiben nur unsichere, oft qu&#xE4;lende Wege, deren Verlauf niemand kontrollieren kann. Nicht, weil Menschen sich daf&#xFC;r entscheiden, sondern weil ihnen nichts anderes bleibt.</p><p><strong>Mehr Verzweiflung als W&#xFC;rde </strong></p><p>Und es ist nichts, was man einem Angeh&#xF6;rigen zumuten m&#xF6;chte. Nicht, weil N&#xE4;he fehlt, sondern weil die Situation selbst zu belastend, zu unkontrollierbar, zu be&#xE4;ngstigend ist. Zu sehen, wie ein Mensch, den man liebt, in Angst oder k&#xF6;rperlicher Not ist, ohne eingreifen zu k&#xF6;nnen &#x2013; das ist f&#xFC;r viele unertr&#xE4;glich. <br>
Deshalb gehen manche diesen Weg allein. Nicht aus Freiheit, sondern um andere zu sch&#xFC;tzen. <br><br>Was als Selbstbestimmung gedacht ist, wird so zu etwas, das von Zufall, Risiko und &#xE4;u&#xDF;erer Not bestimmt ist &#x2013; und Angeh&#xF6;rige dennoch mit Bildern zur&#xFC;cklassen kann, die bleiben. <br><br>Und ein solcher Abschied hat mehr mit Verzweiflung zu tun als mit W&#xFC;rde.</p><p><strong>Rechtliche Risiken f&#xFC;r Angeh&#xF6;rige</strong></p><p>Zudem wird noch eine andere strukturelle L&#xFC;cke sichtbar: Wer versucht, einen Angeh&#xF6;rigen in dieser Phase nicht allein zu lassen, riskiert sogar strafrechtliche Konsequenzen: Wenn nicht sauber dokumentiert ist, dass der Wunsch freiwillig und anhaltend ge&#xE4;u&#xDF;ert wurde, kann bereits die reine Anwesenheit zu Ermittlungen f&#xFC;hren. </p><p><strong>Wenn Selbstbestimmung von Ressourcen abh&#xE4;ngt</strong></p><p>Es gibt auch in Deutschland Sterbehilfeorganisationen und einzelne &#xC4;rzte, die Suizidbegleitung anbieten. Und viele denken bei einem begleiteten Abschied im Ausland zuerst an die Schweiz oder an L&#xE4;nder wie die Niederlande, in denen klarere gesetzliche Regelungen existieren.</p><p>Doch solche M&#xF6;glichkeiten stehen nicht allen gleicherma&#xDF;en offen. Sie kosten oft mehrere tausend Euro und setzen Geld, organisatorische Unterst&#xFC;tzung und medizinische Begleitung voraus &#x2013; genau das, was viele Menschen nach Jahren schwerer Krankheit kaum noch haben.</p><p>Gerade bei schwerem ME/CFS wird diese Ungleichheit besonders sichtbar. Deutschland erkennt Selbstbestimmung zwar rechtlich an. Doch bis heute fehlen klare und verl&#xE4;ssliche Strukturen. Statt Sicherheit entstehen Grauzonen, Unsicherheit und gro&#xDF;e Unterschiede darin, wer Zugang zu sicherer Begleitung hat &#x2013; und wer am Ende trotzdem allein bleibt.<br><br><strong>Die Verlassenheit beginnt nicht erst am Lebensende</strong></p><p>Und so beginnt das Gef&#xFC;hl, dass ME/CFS mit all dem Leid chronisch unterversorgt und ignoriert wird, nicht erst durch die letzten existenziellen Entscheidungen, sondern zieht sich durch den gesamten Krankheitsverlauf. <br><br>Kaum verl&#xE4;ssliche Hausarztbetreuung. H&#xE4;ufige Psychologisierung. Gutachten, die selbst Schwerstbetroffenen Arbeitsf&#xE4;higkeit bescheinigen. Kaum zugelassene Medikamente. Keine spezialisierte Pflege. </p><p>Menschen liegen im Dunkeln, isoliert und ohne jede Perspektive, w&#xE4;hrend politisch von zuk&#xFC;nftigen Therapien gesprochen wird. Aber viele der heute Schwerstkranken werden wom&#xF6;glich nie mehr erleben, dass diese Hilfe rechtzeitig ankommt.</p><p><strong>W&#xFC;rde darf keine Frage des Geldbeutels sein</strong></p><p>Niemand sollte &#xFC;ber assistierten Suizid nachdenken m&#xFC;ssen, weil Versorgung fehlt.</p><p>Doch genau das passiert, wenn Menschen mit ME/CFS &#xFC;ber Jahre isoliert, unterversorgt und ohne Perspektive leben &#x2013; und selbst W&#xFC;rde und Sicherheit am Ende von Geld, Unterst&#xFC;tzung und Zufall abh&#xE4;ngen.</p><hr><p><br><strong>Wenn Du selbst gerade keinen Ausweg siehst:</strong></p><p>Bitte bleib nicht allein mit diesen Gedanken.<br>In Deutschland erreichst Du die Telefonseelsorge rund um die Uhr kostenlos und anonym unter<br><strong>0800 111 0 111</strong> oder <strong>0800 111 0 222</strong><br>Online-Beratung: <a href="https://online.telefonseelsorge.de/?ref=pacing-mecfs.de" rel="noopener">https://online.telefonseelsorge.de</a></p><hr><p></p><blockquote>Du m&#xF6;chtest den Beitrag kommentieren?<br>Die Kommentarfunktion ist im Mitgliederbereich freigeschaltet.<br><br>&#xDC;ber <strong>&#x201E;Subscribe&#x201C;</strong> kannst Du Dich registrieren und bekommst eine Nachricht bei neuen Posts.<br>Mit <strong>&#x201E;Sign in&#x201C;</strong> meldest Du Dich an, um zu kommentieren oder zu liken. <br><br>Ich freue mich &#xFC;ber Deine Gedanken zum Beitrag.</blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/wenn-leben-leiden-bedeutet/" rel="noreferrer">Wenn Leben Leiden bedeutet -  Gedanken &#xFC;ber ME/CFS, W&#xFC;rde und Selbstbestimmung</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/die-angehorigen-leiden-mit/" rel="noreferrer">Die Angeh&#xF6;rigen leiden mit</a> </p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/gemeinsame-traurigkeit/" rel="noreferrer">Gemeinsam trauern aber auch hoffen</a> </p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/63-milliarden-schaden/" rel="noreferrer">63 Milliarden Schaden, null Lobby: Warum ME/CFS weiter ignoriert wird</a> </p><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Was ich Ärzten gerne einmal sagen würde]]></title><description><![CDATA[ME/CFS ist schon schwer genug. Dieser Beitrag richtet sich an Ärztinnen und Ärzte – über Ignoranz, fehlende Versorgung und das Leben mit dieser Krankheit.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/was-ich-aerzten-sagen-wuerde/</link><guid isPermaLink="false">69b7c6dddede6f000193f87e</guid><category><![CDATA[Position]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja @ Tanjas Pacing Blog]]></dc:creator><pubDate>Tue, 12 May 2026 05:48:27 GMT</pubDate><media:content url="https://pacing-mecfs.de/content/images/2026/05/ChatGPT-Image-16.-M-rz-2026--10_22_16_klein.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://pacing-mecfs.de/content/images/2026/05/ChatGPT-Image-16.-M-rz-2026--10_22_16_klein.png" alt="Was ich &#xC4;rzten gerne einmal sagen w&#xFC;rde"><p>Ich habe lange geschwiegen.</p><p>Aber es gibt ein paar Dinge, die ich &#xC4;rzten gerne einmal sagen w&#xFC;rde &#x2013;<br>und f&#xFC;r die mir im Arzttermin oft die Kraft fehlt.</p><p>Heute &#x2013; am ME/CFS Awareness Day &#x2013; ist der richtige Zeitpunkt daf&#xFC;r:</p>
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<h3 id="%E2%80%9Eich-dachte-sie-sind-angetreten-um-menschen-zu-helfen%E2%80%9C"><strong>&#x201E;Ich dachte, Sie sind angetreten, um Menschen zu helfen.&#x201C;</strong></h3><p>Stellen Sie sich vor, Sie suchen einen Arzt, der sich mit ME/CFS auskennt.</p><p>Sie sind schwer krank.</p><p>Nicht ein bisschen ersch&#xF6;pft.</p><p>Nicht einfach nur m&#xFC;de.</p><p>Sondern krank auf eine Weise, bei der schon kleine Belastungen Ihren Zustand deutlich verschlechtern k&#xF6;nnen.</p><p>Und Sie h&#xF6;ren nur:</p><p>&#x201E;F&#xFC;r so eine komplexe Erkrankung haben wir keine Kapazit&#xE4;ten&#x201C; - Als w&#xE4;re das ein Grund sich nicht weiterzubilden.</p><p>Oder: &#x201E;Wir arbeiten nur privat&#xE4;rztlich. Unsere Warteliste ist lang. In zwei Jahren k&#xF6;nnte ich Ihnen einen Termin anbieten&#x201C;</p><p>Vielleicht sogar: &#x201E;Wir haben Aufnahmestopp f&#xFC;r Neupatienten. Versuchen Sie es in einem halben Jahr wieder&#x201C;</p><h3 id="%E2%80%9Esie-k%C3%B6nnten-verhindern-dass-ihre-praxis-meine-situation-verschlimmert%E2%80%9C"><strong>&#x201E;Sie k&#xF6;nnten verhindern, dass Ihre Praxis meine Situation verschlimmert.&#x201C;</strong></h3><p>Und dann haben Sie endlich einen Arzttermin.</p><p>Nach einer langen Wartezeit, in der sich Ihre Symptome deutlich verschlechtert haben.</p><p>Nach wochenlanger Vorbereitung mit noch intensiverem Pacing.</p><p>Sie kommen in die Praxis. Das Wartezimmer ist hell, laut und voll. Sie merken schnell, dass Ihr K&#xF6;rper &#xFC;berfordert ist. Sie zittern, Ihr Herz schl&#xE4;gt schneller, Sie haben das Gef&#xFC;hl kaum noch Luft zu bekommen. Ihre Muskulatur gehorcht kaum noch und jedes Ger&#xE4;usch ist genauso zu viel, wie das helle Licht.</p><p>Also bitten Sie darum, vielleicht in einem ruhigeren Raum warten zu d&#xFC;rfen.</p><p>Und jemand sagt zu Ihnen:</p><p>&#x201E;Das geht nicht. Hier gibt es keine Extrabehandlung.&quot;</p><p>Stellen Sie sich vor, Sie h&#xF6;ren so etwas - obwohl genau diese Reize Ihre Krankheit verschlechtern k&#xF6;nnen.</p><p>F&#xFC;r andere ist das vielleicht nur ein unangenehmes Wartezimmer. F&#xFC;r Menschen mit ME/CFS ist es oft der Beginn eines Crashs.&#xA0;</p><h3 id="%E2%80%9Emein-ansprechpartner-sollte-ein-arzt-sein-%E2%80%93-nicht-ki%E2%80%9C"><strong>&#x201E;Mein Ansprechpartner sollte ein Arzt sein &#x2013; nicht KI.&#x201C;</strong></h3><p>Stellen Sie sich vor, Sie sind endlich dran und Ihr Arzt sagt zu Ihnen:</p><p>&#x201E;ME/CFS? Was ist das? Davon habe ich noch nie geh&#xF6;rt.&quot;</p><p>Sie erkl&#xE4;ren Ihre Symptome. Sie versuchen zu beschreiben, was mit Ihrem K&#xF6;rper passiert.</p><p>Und jemand sagt zu Ihnen:</p><p>&#x201E;Das ist psychosomatisch. Ihre Blutwerte sind top.&quot;</p><p>Sie sp&#xFC;ren genau, dass in Ihrem K&#xF6;rper etwas nicht stimmt. Aber statt weiter zu suchen, wird auf eine bereits bekannte Depression verwiesen. Damit ist die Sache erledigt.</p><p>Stellen Sie sich vor, Sie suchen weiter Hilfe. Und jemand sagt zu Ihnen:</p><p>&#x201E;Wir haben keine Kapazit&#xE4;ten. Gehen Sie zum Facharzt.&quot;</p><p>Also gehen Sie zum Facharzt. Und h&#xF6;ren dort:</p><p>&#x201E;So etwas behandeln wir nicht.&quot;</p><p>Oder:</p><p>&#x201E;Sie sollten sich ein bisschen mehr bewegen. Kein Wunder, dass Sie dekonditioniert sind.&quot;</p><p>Oder schlicht:</p><p>&#x201E;ME/CFS gibt es nicht.&quot;&#xA0;</p><h3 id="%E2%80%9Eeine-diagnose-beendet-das-problem-nicht%E2%80%9C"><strong>&#x201E;Eine Diagnose beendet das Problem nicht.&#x201C;</strong></h3><p>Wenn man solche S&#xE4;tze oft genug h&#xF6;rt, passiert etwas Merkw&#xFC;rdiges. Man beginnt irgendwann, an sich selbst zu zweifeln. Bis endlich jemand sagt:</p><p>Vielleicht ist es ME/CFS.</p><p>In meinem Fall war es keine &#xC4;rztin und kein Arzt. Es war meine Heilpraktikerin. Und das Gef&#xFC;hl in diesem Moment war vor allem eines: Erleichterung. Ich dachte: jetzt wo klar ist, was ich habe, wird alles gut.</p><p>Denn ME/CFS ist schon schwer genug.</p><p>Sch&#xF6;n w&#xE4;re es gewesen! Die ersch&#xF6;pfende Realit&#xE4;t sieht so aus:</p><p>Dass ich immer wieder erkl&#xE4;ren muss, dass diese Krankheit &#xFC;berhaupt existiert.</p><p>Dass ich zur Expertin meiner eigenen Krankheit werden muss, weil sich sonst niemand wirklich damit besch&#xE4;ftigt.</p><p>Dass Arzttermine f&#xFC;r mich oft zu Belastungen werden, lange bevor das Gespr&#xE4;ch &#xFC;berhaupt beginnt.</p><p>Dass ich medizinische Fragen zu meiner eigenen Krankheit mit einer k&#xFC;nstlichen Intelligenz bespreche. Nicht aus Interesse an Technik. Sondern weil es f&#xFC;r diese Krankheit real kaum erreichbare &#xE4;rztliche Ansprechpartner gibt.</p><p>Weil die wenigen &#xC4;rzte, die sich wirklich mit ME/CFS auskennen, hunderte Kilometer entfernt sind.</p><h3 id="%E2%80%9Emecfs-ist-keine-m%C3%BCdigkeit%E2%80%9C"><strong>&#x201E;ME/CFS ist keine M&#xFC;digkeit.&#x201C;</strong></h3><p>Ich dachte immer, &#xC4;rztinnen und &#xC4;rzte sind einmal angetreten, um Menschen zu helfen. Genau deshalb ist diese Erfahrung so schwer zu verstehen. Denn das, was ich &#x2013; genau wie viele andere Menschen mit ME/CFS - erlebe, f&#xFC;hlt sich nicht nach medizinischer Hilfe an.</p><p>Sondern nach Ignoranz.</p><p>Ich w&#xFC;nsche mir, dass Sie verstehen:</p><p>ME/CFS ist keine M&#xFC;digkeit. Es ist auch erwiesenerma&#xDF;en nicht psychosomatisch. Es ist eine schwere, chronische neuroimmunologische Multisystemerkrankung, die jeden Bereich des Lebens betrifft.</p><p>Normale Blutwerte schlie&#xDF;en diese Krankheit nicht aus. Das ist nicht meine Meinung - das ist medizinischer Konsens.</p><p>Dass ich beim Termin funktioniere, hei&#xDF;t nicht, dass ich gesund bin. Es hei&#xDF;t: Entweder hat mein K&#xF6;rper Adrenalin mobilisiert und ich verbrauche gerade meine letzte Reserve. Oder ich habe wochenlang noch strikter gepaced als sonst, nur um diesen einen Termin m&#xF6;glich zu machen. Vielleicht sogar beides. Was Sie sehen, ist nicht mein Alltag. Es ist meine Vorbereitung darauf.</p><p>Patienten sollten nicht zu Experten ihrer eigenen Krankheit werden m&#xFC;ssen - nur weil die Medizin sich weigert, es zu sein.</p><h3 id="%E2%80%9Eihre-ignoranz-hat-konsequenzen%E2%80%9C"><strong>&#x201E;Ihre Ignoranz hat Konsequenzen.&#x201C;</strong></h3><p>Und Sie k&#xF6;nnten mehr ver&#xE4;ndern, als Sie vielleicht denken. Niemand erwartet, dass jede &#xC4;rztin und jeder Arzt sofort Experte f&#xFC;r ME/CFS ist. Aber Ignoranz hat Konsequenzen. <br>Nicht f&#xFC;r Sie. <br>F&#xFC;r uns.</p><p>Jedes Mal, wenn wir in ein lautes Wartezimmer gebeten werden. Und trotz Kopfh&#xF6;rern und Sonnenbrille die Reize zu viel sind.</p><p>Jedes Mal, wenn wir erkl&#xE4;ren m&#xFC;ssen, was ME/CFS ist.</p><p>Jedes Mal, wenn wir nach Hause fahren<br>und tage- oder wochenlang den Preis f&#xFC;r einen Arzttermin zahlen &#x2013;<br>oder uns &#xFC;berhaupt nicht mehr davon erholen.</p><p>&#xA0;</p><h3 id="sie-k%C3%B6nnten-das-%C3%A4ndern-mit-einer-fortbildung-mit-einem-ruhigen-warteraum-mit-einer-einzigen-frage-beim-einlass"><strong>Sie k&#xF6;nnten das &#xE4;ndern. <br>Mit einer Fortbildung. Mit einem ruhigen Warteraum. Mit einer einzigen Frage beim Einlass.</strong></h3><h3 id="wenn-sie-wollen"><strong>Wenn Sie wollen.</strong></h3><h3 id="wir-k%C3%B6nnen-es-nicht"><strong>Wir k&#xF6;nnen es nicht.</strong></h3><p></p><hr><p><em>Damit kein Missverst&#xE4;ndnis entsteht:<br>Eine &#xC4;rztin und ein Arzt, die mich begleiten, haben all das l&#xE4;ngst verstanden.<br>Sie haben sich informiert, h&#xF6;ren zu und nehmen mich ernst.</em></p><p><em>Ihnen gilt dieser Beitrag ausdr&#xFC;cklich nicht.</em></p><hr><p></p><blockquote>Du m&#xF6;chtest den Beitrag kommentieren?<br>Die Kommentarfunktion ist im Mitgliederbereich freigeschaltet.<br><br>&#xDC;ber <strong>&#x201E;Subscribe&#x201C;</strong> kannst Du Dich registrieren und bekommst eine Nachricht bei neuen Posts.<br>Mit <strong>&#x201E;Sign in&#x201C;</strong> meldest Du Dich an, um zu kommentieren oder zu liken. <br><br>Ich freue mich &#xFC;ber Deine Gedanken zum Beitrag.</blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/dekade/" rel="noreferrer">Nationale Dekade gegen postinfekti&#xF6;se Erkrankungen &#x2013; Gro&#xDF;e Worte, aber gro&#xDF;e Fragen bleiben offen</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/stellungnahme-der-dgn/" rel="noreferrer">Wenn eine Fachgesellschaft 2025 noch immer die Realit&#xE4;t von ME/CFS ignoriert</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/off-label-mecfs-long-covid-medikamente-fragen" rel="noreferrer">Off-Label bei ME/CFS: Vier Medikamente &#x2013; und was sie &#xFC;ber diese Erkrankung sagen</a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Mein Pacing hat drei Modi: Alltag, Flare, Crash]]></title><description><![CDATA[Wie ich Flare, Crash und meine drei Pacing-Modi bei ME/CFS unterscheide und warum das für Symptome, Energie­management und die Crash-Prävention entscheidend ist.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/pacing-mecfs-drei-modi/</link><guid isPermaLink="false">691ef45fdede6f000193e93a</guid><category><![CDATA[Pacing]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja @ Tanjas Pacing Blog]]></dc:creator><pubDate>Fri, 08 May 2026 08:51:31 GMT</pubDate><media:content url="https://pacing-mecfs.de/content/images/2026/04/Drei-Federn-in-verschiedenen-Zust-nden.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://pacing-mecfs.de/content/images/2026/04/Drei-Federn-in-verschiedenen-Zust-nden.png" alt="Mein Pacing hat drei Modi: Alltag, Flare, Crash"><p>Pacing wird von au&#xDF;en oft als Kleinigkeit angesehen. Als sei es so einfach wie beim Laufen: Einer gibt das exakte Tempo vor und man muss sich dem einfach nur noch anpassen. <br>Nicht nachdenken, einfach machen. <br>Doch Pacing bei ME/CFS ist eine komplett andere Liga. Vor allem viel komplexer als &#x201A;weniger machen, &#xF6;fter pausieren und ein bisschen auf sich h&#xF6;ren&#x2018;. Mit ME/CFS ist Pacing eine t&#xE4;gliche &#xDC;berlebensstrategie. </p>
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<iframe width="100%" height="112" frameborder="0" scrolling="no" style="width: 100%; height: 112px; overflow: hidden;" src="https://cast.pacing-mecfs.de/@tanjas_pacing_blog/episodes/mein-pacing-hat-drei-modi-alltag-flare-crash/embed"></iframe>
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<p>Im Laufe der Zeit habe ich gemerkt, dass mein Pacing eigentlich drei verschiedene Modi kennt: Alltag, Flare und Crash. Jeder von ihnen f&#xFC;hlt sich anders an und verlangt andere Entscheidungen. </p><p><strong>Der stabile Modus: mein Alltag in sicheren Grenzen</strong></p><p>An stabilen Tagen bewege ich mich im Alltags-Pacing Modus. Das hei&#xDF;t: Ich kenne meine Baseline inzwischen gut genug, um nicht &#xFC;ber jede Bewegung nachdenken zu m&#xFC;ssen. Ich wei&#xDF; ungef&#xE4;hr, wie lange ich schreiben kann, wie viel Reiz ich vertrage und wann mein K&#xF6;rper anf&#xE4;ngt zu dr&#xE4;ngeln. Ich kenne meine Warnsignale und daher f&#xFC;hlt sich dieser Modus an wie ein einigerma&#xDF;en vertrautes Navigieren. Ich wei&#xDF;, dass ich aufpassen muss, aber ich habe noch Handlungsspielraum.</p><p><strong>Der Flare-Modus: gereizt, aber noch handlungsf&#xE4;hig</strong></p><p>Und dann gibt es den Flare-Modus. Den habe ich anfangs immer mit einem Crash verwechselt. Jetzt wei&#xDF; ich: Ein Flare kommt von au&#xDF;en. Wetterwechsel, Luftdruckschwankungen, Hormone, eine miese Nacht, ein Hauch von Infekt. Pl&#xF6;tzlich wird alles empfindlicher. Mein Kopf dr&#xFC;ckt ein bisschen, der Nacken spannt, leichte &#xDC;belkeit zieht durch den K&#xF6;rper und trotzdem: Ich funktioniere noch. <br><br>Ich kann ohne gr&#xF6;&#xDF;ere Probleme denken, aufstehen, langsam durch die Wohnung laufen oder etwas Kleines erledigen. Ich merke, dass mein System gereizt ist und anders reagiert als im Alltag. Mein deutlichster Hinweis, dass es noch kein Crash ist: Die Symptome werden durch die leichte Aktivit&#xE4;t nicht st&#xE4;rker. <br><br><strong>Flare-Pacing ist Erfahrungswissen</strong></p><p>Im Flare hilft es mir, ein paar G&#xE4;nge herunter zu schalten, deutlich weniger aktiv zu sein, weniger zu denken. Es ist f&#xFC;r mich eine Vorstufe zum Crash. Eine deutliche Aufforderung meines K&#xF6;rpers jetzt behutsam mit mir umzugehen. Andere hingegen brauchen in einem Flare mehr R&#xFC;ckzug, mehr Schutz, mehr Stille. Und weil wir alle so unterschiedlich reagieren, ist mir wichtig klar zu sagen: Flare-Pacing ist kein offizielles medizinisches Konzept, sondern etwas, das ich durch Erfahrung gelernt habe. Jeder Mensch mit ME/CFS reagiert anders. Sicher bin ich mir nur in einem Punkt: Ein Crash braucht einen v&#xF6;llig anderen Umgang als ein Flare, und mein K&#xF6;rper zeigt mir sehr deutlich, welcher von beiden gerade vor mir steht.</p><p><strong>Der Crash-Modus: wenn gar nichts mehr geht</strong></p><p>Mein Crash-Modus ist ein anderes Universum. Da geht nichts mehr. Jede Kleinigkeit verschlechtert die Symptome sofort und deutlich. Denken tut weh. Reize schneiden in den K&#xF6;rper. Es gibt keine Debatte dar&#xFC;ber, ob ich mich bewegen soll oder nicht, weil sich die Frage erst gar nicht stellt. Ein Crash ist ein Systemabsturz. Mein Crash-Pacing hei&#xDF;t dann auch nur noch: Shutdown. Alle Reize runter, hinlegen, sch&#xFC;tzen und aushalten. Mehr ist nicht m&#xF6;glich. <br><br>Was ich &#xFC;ber die Jahre lernen musste: Auch wenn es sich anf&#xFC;hlt, als w&#xFC;rde ein Wettersturz oder ein Hormontag mich crashen lassen, passiert im K&#xF6;rper etwas anderes. Das Wetter selbst wirft mich nicht in den Crash, aber es macht mich so empfindlich, dass pl&#xF6;tzlich winzige Dinge reichen, um mich &#xFC;ber die Schwelle zu schieben. An diesen Tagen f&#xFC;llt sich mein &#x201E;inneres Glas&#x201C; schon, bevor ich &#xFC;berhaupt etwas tue. Und dann reicht ein kleiner Reiz, der sonst problemlos w&#xE4;re, um alles zum &#xDC;berlaufen zu bringen.</p><p><strong>Was diese Feinwahrnehmung f&#xFC;r meinen Alltag bedeutet</strong></p><p>Diese drei Modi zu unterscheiden ist f&#xFC;r mich essenziell. Wenn ich im Crash so tue, als w&#xE4;re es ein Flare, &#xFC;berlaste ich mein System. Und wenn ich Alltags-Pacing mit Crash-Pacing verwechsle, beschneide ich mich unn&#xF6;tig. <br><br>ME/CFS zwingt mich jeden Tag, neu zu sp&#xFC;ren, wo mein K&#xF6;rper steht. <br>Stabil. Gereizt. Oder kollabiert. <br>Diese Feinwahrnehmung ist kein Luxus. Sie entscheidet dar&#xFC;ber, wie gut ich durch den Alltag komme. Sie ist ein Teil von Selbstschutz. </p><p>Und manchmal ist sie auch ein Teil von Selbstrespekt.</p><hr><p></p><p>&#xA0;<strong>Warum ich die drei Modi bewusst benenne</strong></p><p>Wenn ich in diesem Beitrag von den drei Pacing-Modi spreche, dann tue ich das bewusst mit dem Hinweis, dass es <em>meine</em> Modi sind. Sie beschreiben <em>mein</em> Erleben. Sie erkl&#xE4;ren, warum <em>ich</em> an verschiedenen Tagen v&#xF6;llig unterschiedlich mit meinem K&#xF6;rper umgehen muss. Sie sagen nichts dar&#xFC;ber aus, wie es bei anderen ist oder wie es laut Studien sein m&#xFC;sste. Diese Unterscheidung ist mir wichtig. Nicht aus Vorsicht, sondern aus Verantwortung. Nur so kann ich klar sagen, was ich wei&#xDF;, was ich glaube und was ich nur vermute.</p><p></p><blockquote>Du m&#xF6;chtest den Beitrag kommentieren?<br>Die Kommentarfunktion ist im Mitgliederbereich freigeschaltet.<br><br>&#xDC;ber <strong>&#x201E;Subscribe&#x201C;</strong> kannst Du Dich registrieren und bekommst eine Nachricht bei neuen Posts.<br>Mit <strong>&#x201E;Sign in&#x201C;</strong> meldest Du Dich an, um zu kommentieren oder zu liken. <br><br>Ich freue mich &#xFC;ber Deine Gedanken zum Beitrag.</blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/fake-energie-mecfs/" rel="noreferrer">Fake-Energie und ich: Wie die Adrenalinfalle versucht meinen K&#xF6;rper zu &#xFC;berlisten</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/pacing-me-cfs-fuenf-ebenen/" rel="noreferrer">Die f&#xFC;nf Ebenen des Pacings</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/alle-emotionen-kosten-mecfs/" rel="noreferrer">Alle Emotionen kosten</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/pacing-statt-get-mecfs/" rel="noreferrer">Pacing statt GET &#x2013; warum sanftes Energiemanagement bei ME/CFS sinnvoller ist</a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Nichts gemacht und doch zu viel – Mikrobelastungen bei ME/CFS]]></title><description><![CDATA[Erschöpft, obwohl nichts war? Wie sich viele kleine Mikrobelastungen im Alltag mit ME/CFS summieren – leise und oft unbemerkt.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/mikrobelastungen-mecfs-erschoepfung-ohne-aktivitaet/</link><guid isPermaLink="false">69e8d2a3dede6f000193fd65</guid><category><![CDATA[Alltag mit ME/CFS]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja @ Tanjas Pacing Blog]]></dc:creator><pubDate>Sun, 03 May 2026 08:08:40 GMT</pubDate><media:content url="https://images.unsplash.com/photo-1503551723145-6c040742065b-v2?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDczfHxzdHJlc3N8ZW58MHx8fHwxNzc2ODY2MDY0fDA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://images.unsplash.com/photo-1503551723145-6c040742065b-v2?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDczfHxzdHJlc3N8ZW58MHx8fHwxNzc2ODY2MDY0fDA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" alt="Nichts gemacht und doch zu viel &#x2013; Mikrobelastungen bei ME/CFS"><p>Am Ende des Tages liege ich da und bin vollkommen ersch&#xF6;pft. Ich wei&#xDF; gar nicht mehr, wie ich die Treppe zum Schlafzimmer schaffen soll. Und sofort ist auch der Gedanke wieder da: </p>
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<p>&#x201E;Ich habe doch gar nichts gemacht?!&#x201C;</p><p>Kein Termin, kein Weg nach drau&#xDF;en, nichts, was ich jetzt, mit ME/CFS, als anstrengend eingeordnet h&#xE4;tte.</p><p>Und trotzdem ist mein Akku leer.</p><p>Wenn ich dann versuche, den Tag langsam zur&#xFC;ckzuverfolgen, zeigen sich mit der Zeit immer mehr kleine Belastungen: Da ist dieses &#xDC;berlegen am Morgen, was auf den Einkaufszettel f&#xFC;r J&#xFC;rgen muss &#x2013; ein gedankliches Durchgehen von M&#xF6;glichkeiten, ein kurzes Abw&#xE4;gen, ein inneres Sortieren. Es wirkt klein. Ist es f&#xFC;r sich allein genommen auch. Und im Hintergrund l&#xE4;uft das weiter: &#xFC;berlegen, abgleichen, nichts vergessen.</p><p>Sp&#xE4;ter stelle ich meine Medikamente f&#xFC;r die kommende Woche. Nichts Kompliziertes, eigentlich eine Routine. Und doch braucht es Aufmerksamkeit. Ein Nachz&#xE4;hlen. Ein kurzes Innehalten, ob alles stimmt. Kein gro&#xDF;er Kraftaufwand. Aber auch kein Nullpunkt.</p><p>Zwischendurch l&#xE4;uft ein Film. Weite Landschaften, dieses Licht, diese Ruhe, und f&#xFC;r einen Moment passiert etwas, das sich schwer greifen l&#xE4;sst. Eine Sehnsucht taucht auf. Leise, aber deutlich. Und mit ihr ein Wissen. Dass ich da nicht einfach hinfahren kann. Dass mein Radius ein anderer ist. Es ist nur ein Gedanke.</p><p>Und doch bleibt auch er nicht ganz kostenlos.</p><p>Dann ist da diese Nachricht auf dem Handy. Nichts Dringendes. Und trotzdem halte ich kurz inne, bevor ich antworte. Suche nach Worten. Merke, dass sie nicht sofort da sind. Ich schreibe. L&#xF6;sche. Formuliere um. Schreibe neu. Es dauert l&#xE4;nger, als es von au&#xDF;en aussieht. Und w&#xE4;hrenddessen l&#xE4;uft im Hintergrund dieses feine Abw&#xE4;gen: Kann ich noch? Und wenn gleich etwas zur&#xFC;ckkommt? Antworte ich doch lieber sp&#xE4;ter?</p><p>Und so zieht sich das durch den Tag, nicht als Abfolge von Aufgaben, sondern als etwas, das zwischen den Dingen passiert: ein kleines Zusammenzucken bei einem Ger&#xE4;usch, das fr&#xFC;her keine Rolle gespielt h&#xE4;tte. Ein kurzes Anpassen in einem Gespr&#xE4;ch. Dieses leise Dranbleiben. Obwohl der K&#xF6;rper l&#xE4;ngst etwas anderes signalisiert.</p><p>Manches davon sind &#xE4;u&#xDF;ere Reize.</p><p>Licht. Ger&#xE4;usche. Temperatur. Nicht extrem. Aber konstant ein kleines bisschen zu viel. Anderes spielt sich innen ab: Gedanken, die h&#xE4;ngen bleiben, statt einfach weiterzuziehen. Bed&#xFC;rfnisse, die ich wahrnehme, aber nicht sofort beantworten kann. Ein inneres reagieren auf, was gerade ist, auch wenn ich es mir nicht ausgesucht habe. Es ist kein einzelner Moment. Eher ein fortlaufendes Regulieren.</p><p>Und vielleicht ist genau das der Punkt. Nichts davon ist gro&#xDF; genug, um hervorzustechen &#x2013; nichts, was ich als T&#xE4;tigkeit erinnere. Kein Ereignis, kein klarer Ausl&#xF6;ser. Nur viele kleine Mikrobelastungen. Kaum sichtbar. Kaum benennbar.</p><p>Bis ich wieder da liege und denke:</p><p>Ich habe doch gar nichts gemacht.</p><p>Und mein K&#xF6;rper gleichzeitig zeigt, dass das nicht ganz stimmt.</p><p></p><blockquote>Du m&#xF6;chtest den Beitrag kommentieren?<br>Die Kommentarfunktion ist im Mitgliederbereich freigeschaltet.<br><br>&#xDC;ber <strong>&#x201E;Subscribe&#x201C;</strong> kannst Du Dich registrieren und bekommst eine Nachricht bei neuen Posts.<br>Mit <strong>&#x201E;Sign in&#x201C;</strong> meldest Du Dich an, um zu kommentieren oder zu liken. <br><br>Ich freue mich &#xFC;ber Deine Gedanken zum Beitrag.</blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><h3 id></h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/energieverschwendung-oder-seelenfutter/" rel="noreferrer">Energieverschwendung oder Seelenfutter?</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/innere-bilder" rel="noreferrer">Wenn die inneren Bilder verschwinden</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/hell-laut-nah/" rel="noreferrer">Zu hell, zu laut, zu nah &#x2013; mein Erleben von Reiz&#xFC;berflutung bei ME/CFS</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/keine-reise/" rel="noreferrer">Keine Reise.</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/keine-reise-bilanz/" rel="noreferrer">Keine Reise. - Zwischen Termin und Crash</a></p><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Von außen ein Handgriff]]></title><description><![CDATA[Ein kurzer Handgriff kann weniger Kraft kosten als das, was sonst folgt. Eine innere Abwägung bei ME/CFS, die von außen oft unsichtbar bleibt.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/kleiner-handgriff-weniger-energie-mecfs/</link><guid isPermaLink="false">69e70e85dede6f000193fd1a</guid><category><![CDATA[Perspektiven]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja @ Tanjas Pacing Blog]]></dc:creator><pubDate>Tue, 28 Apr 2026 13:44:49 GMT</pubDate><media:content url="https://pacing-mecfs.de/content/images/2026/04/Von-au-en-ein-Handgriff-1.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://pacing-mecfs.de/content/images/2026/04/Von-au-en-ein-Handgriff-1.png" alt="Von au&#xDF;en ein Handgriff"><p>Mein Mann liegt in der Badewanne, sein iPad balanciert auf dem Wannenrand.</p><p>Ich sehe es &#x2013; und bin sofort im Alarmmodus. Nicht wirklich dramatisch, eher ein automatisches, sehr schnelles Erfassen der Situation, dieses Gef&#xFC;hl: Das kippt gleich.</p>
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<p>Noch bevor ich dar&#xFC;ber richtig nachdenken kann, habe ich schon den Hocker in der Hand und stelle ihn neben die Wanne, damit das iPad dort sicher liegen kann. Ein kleiner Handgriff, der von au&#xDF;en kaum der Rede wert ist.</p><p>&#x201E;Du verpulverst gerade Energie&#x201C;, sagt er.</p><p>Der Satz l&#xE4;sst mich kurz innehalten, weil er etwas ber&#xFC;hrt, das sich f&#xFC;r mich ganz anders anf&#xFC;hlt. F&#xFC;r mich ist das kein unn&#xF6;tiger Einsatz von Kraft, sondern der Versuch, etwas zu verhindern, das sich in mir schon als M&#xF6;glichkeit aufgebaut hat.</p><p>Ich sehe nicht nur das iPad auf dem Rand liegen. Ich sehe es im Wasser. Ich sehe den Moment danach &#x2013; seinen Frust, dieses &#x201E;Mir ist gerade alles zu viel&#x201C;, das sich in den Raum stellt und alles schwerer macht.</p><p>Und w&#xE4;hrend ich das denke, sp&#xFC;re ich gleichzeitig, was das mit mir machen w&#xFC;rde: die Unruhe, die Spannung, dieses schwer greifbare Zuviel, das sich nicht einfach absch&#xFC;tteln l&#xE4;sst.</p><p>Es geht nicht nur um den m&#xF6;glichen Aufwand danach, sondern um das Ganze, was sich daraus entwickeln k&#xF6;nnte &#x2013; an Stimmung, an Reizen, an innerer Anspannung. Darin liegt f&#xFC;r mich die eigentliche Abw&#xE4;gung: der kurze Moment jetzt, in dem ich den Hocker verschiebe, oder das, was danach entstehen k&#xF6;nnte und mich viel l&#xE4;nger begleiten w&#xFC;rde.</p><p>Gleichzeitig l&#xE4;uft noch etwas Zweites mit, leiser, aber sp&#xFC;rbar. Er hat mich heute zum Arzt gefahren und tr&#xE4;gt gerade mehr, als ihm eigentlich guttut. Und irgendwo in mir ist der Wunsch, es nicht noch schwerer werden zu lassen &#x2013; zumindest dort, wo ich mit wenig etwas abfedern kann.</p><p>Und da ist auch dieses Gef&#xFC;hl, dass ich es h&#xE4;tte verhindern k&#xF6;nnen, wenn ich nichts tue und es passiert. Nicht laut, eher wie ein leiser Druck im Hintergrund.</p><p>Ich merke, dass ich in solchen Momenten nicht nur meine Energie einteile, sondern auch versuche, Situationen ruhig zu halten, vorhersehbar, sie nicht kippen zu lassen &#x2013; f&#xFC;r ihn und genauso f&#xFC;r mich.</p><p>Weil mich das Danach oft mehr Kraft kostet als das Jetzt.</p><p>Von au&#xDF;en ist es ein Handgriff.<br>Von innen ist es eine Rechnung, in der viel mehr mitl&#xE4;uft, als man sieht.</p><p>Und manchmal ist genau das der Punkt: Dass es energiesparender ist, jetzt etwas zu tun, damit ich nicht in etwas gerate, das mich sp&#xE4;ter viel mehr Kraft kostet.</p><p></p><blockquote>Du m&#xF6;chtest den Beitrag kommentieren?<br>Die Kommentarfunktion ist im Mitgliederbereich freigeschaltet.<br><br>&#xDC;ber <strong>&#x201E;Subscribe&#x201C;</strong> kannst Du Dich registrieren und bekommst eine Nachricht bei neuen Posts.<br>Mit <strong>&#x201E;Sign in&#x201C;</strong> meldest Du Dich an, um zu kommentieren oder zu liken. <br><br>Ich freue mich &#xFC;ber Deine Gedanken zum Beitrag.</blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/hilfsfriseur/" rel="noreferrer">Der Mann, der zum Hilfsfriseur wurde</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/me-cfs-lachen/" rel="noreferrer">Darf es bei ME/CFS Lachen geben?</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/keine-reise/" rel="noreferrer">Keine Reise.</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/keine-reise-bilanz/" rel="noreferrer">Keine Reise. - Zwischen Termin und Crash</a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Wenn ein Lachen glaubwürdiger ist als ein Limit]]></title><description><![CDATA[Persönliche Erfahrung mit ME/CFS: Wenn soziale Momente leicht wirken, obwohl der Körper am Limit ist – über unsichtbare Überlastung.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/mecfs-lachen-und-limit/</link><guid isPermaLink="false">697c889edede6f000193f211</guid><category><![CDATA[Perspektiven]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja @ Tanjas Pacing Blog]]></dc:creator><pubDate>Thu, 23 Apr 2026 08:40:39 GMT</pubDate><media:content url="https://images.unsplash.com/photo-1698423955414-fee71b18e0b6?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDcyfHxMJUMzJUE0Y2hlbG4lMjB8ZW58MHx8fHwxNzcwMjE3MzU3fDA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://images.unsplash.com/photo-1698423955414-fee71b18e0b6?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDcyfHxMJUMzJUE0Y2hlbG4lMjB8ZW58MHx8fHwxNzcwMjE3MzU3fDA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" alt="Wenn ein Lachen glaubw&#xFC;rdiger ist als ein Limit"><p>&#x201E;Aber sie hat doch gelacht&#x201C;</p><p>Seit Tagen begleitet mich dieser Satz.</p><p>Ich wei&#xDF;, er war &#x201E;nicht so gemeint&#x201C;. Aber er macht etwas mit mir. Ich f&#xFC;hle mich unverstanden, verletzt. Es sind Gef&#xFC;hle, die ich mir mit ME/CFS eigentlich gar nicht leisten kann. Und trotzdem sind sie da. Obwohl es doch im Grunde nur um unterschiedliche Perspektiven geht.</p>
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<p>Wie kam es dazu?</p><p>Es war ein nettes Gespr&#xE4;ch, ein Kaffee und ein bisschen Lachen. Ein warmer sozialer Augenblick, der von au&#xDF;en wie Normalit&#xE4;t wirkt. Der schon allein durch Lachen leicht aussieht. </p><p>Und es doch nicht ist.</p><p>Wer mit mir am Tisch sitzt, sieht nicht nur meinen Timer, der - je nach Tagesform - auf 15 bis 30 Minuten eingestellt ist. Man sieht anfangs auch meine Zur&#xFC;ckhaltung, denn ich wei&#xDF; ja, wie Emotionen auf mein Nervensystem wirken. Aber schon nach ein paar Minuten ver&#xE4;ndert sich etwas. Ich kann nicht anders, bin pl&#xF6;tzlich mittendrin, reagiere schneller, gestikuliere &#x2013; und mein Gesicht wird immer lebendiger. Von au&#xDF;en sieht das nach Aufbl&#xFC;hen aus. Nach Energie, die sich entfaltet.</p><p>Im gleichen Augenblick beginnt in mir drin etwas anderes.</p><p>W&#xE4;hrend ich spreche, merke ich, wie mein K&#xF6;rper von Minute zu Minute enger wird. Die Worte kommen nicht mehr von selbst. Ich suche nach ihnen - finde sie erst sp&#xE4;t&#xA0;oder gar nicht. Das Sprechen selbst wird anstrengend, wird zur Aufgabe und meine Zunge f&#xFC;hlt sich schwer an. Silben rutschen ineinander, fast wie bei jemandem, der zu viel getrunken hat. F&#xFC;r mich f&#xFC;hlt sich das eindeutiger an, als es von au&#xDF;en sichtbar ist, denn andere sehen vielleicht nur ein kleines Stolpern.</p><p>Der Timer l&#xE4;utet genau im richtigen Moment das notwendige Ende ein.</p><p>F&#xFC;r meinen Besuch aber sieht es so aus, als ob da noch etwas gehen w&#xFC;rde. Aus der &#xE4;u&#xDF;eren Perspektive ist das logisch. Lachen sieht aus wie Kapazit&#xE4;t. Wie Spielraum. Wie ein Zeichen, dass der Moment noch tr&#xE4;gt. Wer gestikuliert und mitgeht, wirkt nicht wie jemand am Limit. Und genau an dieser Stelle entstehen S&#xE4;tze wie: Aber sie hat doch gelacht.</p><p>Diese S&#xE4;tze, die mich treffen und lange besch&#xE4;ftigen - weil in ihnen mitschwingt, dass ich zu fr&#xFC;h aufgeh&#xF6;rt habe.</p><p>Aus meiner Perspektive war dieses Mitgehen kein &#xDC;berschuss. Es war eher ein sozialer Moment, in dem mein System kurzfristig auf Aktivierung geschaltet hat, um mitzuhalten. Aber es lief auf Reserve. Vielleicht auf Adrenalin. Ein kurzer heller Abschnitt, w&#xE4;hrend im Hintergrund l&#xE4;ngst abgebaut wird.</p><p>Es war sch&#xF6;n. Und es war vorbei. Nicht trotz des sch&#xF6;nen Moments, sondern mitten in ihm. Vielleicht ist das die eigentliche Verschiebung: dass jemand von au&#xDF;en lebendig wirkt und innen am Ende ist. Dass beides gleichzeitig wahr sein kann, auch wenn es schwer zusammenzudenken ist.</p><p>Und es ist vielleicht auch die Antwort auf die Momente, in denen dieser Satz wiederkommt. Nicht indem ich ihn wegdiskutiere. Nicht indem ich meine Realit&#xE4;t verschiebe. Sondern indem ich mich daran erinnere, dass mein K&#xF6;rper nicht verhandelt hat.</p><p>Er hat gesprochen.</p><p>Ein Lachen macht mein Limit nicht unwahr. Ein sch&#xF6;ner Moment hebt meine Grenze nicht auf. Und &#xFC;ber diese Grenze hinauszugehen ist kein Spielraum &#x2013; sondern etwas, das ich sp&#xE4;ter tragen muss.</p><p>Selbst wenn andere nur das Lachen sehen &#x2013;
und darunter so vieles im Verborgenen bleibt &#x2013;
bleibe ich in Kontakt mit dem Teil in mir, der meine Ressourcen kennt.</p><p></p><blockquote>Du m&#xF6;chtest den Beitrag kommentieren?<br>Die Kommentarfunktion ist im Mitgliederbereich freigeschaltet.<br><br>&#xDC;ber <strong>&#x201E;Subscribe&#x201C;</strong> kannst Du Dich registrieren und bekommst eine Nachricht bei neuen Posts.<br>Mit <strong>&#x201E;Sign in&#x201C;</strong> meldest Du Dich an, um zu kommentieren oder zu liken. <br><br>Ich freue mich &#xFC;ber Deine Gedanken zum Beitrag.</blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/hilfsfriseur/" rel="noreferrer">Der Mann, der zum Hilfsfriseur wurde</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/bruecke/" rel="noreferrer">Manchmal braucht es eine Br&#xFC;cke um ME/CFS zu verstehen</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/coping-akzeptanz/" rel="noreferrer">Coping und Akzeptanz</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/stille-nach-dem-crash/" rel="noreferrer">Die Stille nach dem Crash</a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Alle Emotionen kosten]]></title><description><![CDATA[Auch Freude hat bei ME/CFS ihren Preis. Ein persönlicher Einblick in das, was im Körper dabei geschieht – oft anders, als es von außen wirkt.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/alle-emotionen-kosten-mecfs/</link><guid isPermaLink="false">698f8ab4dede6f000193f4c5</guid><category><![CDATA[Pacing]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja @ Tanjas Pacing Blog]]></dc:creator><pubDate>Mon, 20 Apr 2026 06:44:21 GMT</pubDate><media:content url="https://images.unsplash.com/photo-1652514846497-85b7d6acefc9?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDF8fEVtb3Rpb25lbnxlbnwwfHx8fDE3NzEwMTQ4NzR8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://images.unsplash.com/photo-1652514846497-85b7d6acefc9?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDF8fEVtb3Rpb25lbnxlbnwwfHx8fDE3NzEwMTQ4NzR8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" alt="Alle Emotionen kosten"><p>&#x201E;Das habe ich lange nicht verstanden. Daraus solltest Du mal einen Post machen, damit andere Angeh&#xF6;rige es auch verstehen k&#xF6;nnen.&#x201C;</p><p>Als mein Mann das sagte, lag bereits ein langer Weg hinter uns. Viele Gespr&#xE4;che.<br>Viele Versuche, Worte zu finden f&#xFC;r etwas, das sich kaum greifen l&#xE4;sst. Und nicht selten Tr&#xE4;nen. Nicht aus einem einzelnen Anlass heraus, sondern aus dieser eigent&#xFC;mlichen Mischung aus Ersch&#xF6;pfung, Verletzung und dem Gef&#xFC;hl immer wieder aneinander vorbeizureden, obwohl beide verstehen wollen.</p>
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<p>Gerade diese Momente haben jene bleierne Ersch&#xF6;pfung hinterlassen &#x2013; weniger vom Sprechen selbst, sondern von dem Versuch, etwas Inneres verst&#xE4;ndlich zu machen, das sich kaum vermitteln l&#xE4;sst. Wir hatten uns immer wieder um &#xE4;hnliche Fragen bewegt. Um Freude. Um Belastung. Um das scheinbare Paradox, dass selbst sch&#xF6;ne Dinge meinen K&#xF6;rper an Grenzen bringen k&#xF6;nnen.</p><p>Ausgerechnet ein Gespr&#xE4;ch &#xFC;ber das Lachen brachte schlie&#xDF;lich diese stille Verschiebung. F&#xFC;r ihn war da Freude dar&#xFC;ber, etwas verstanden zu haben. F&#xFC;r mich vor allem die ruhige Gewissheit, endlich nicht mehr erkl&#xE4;ren zu m&#xFC;ssen. Denn das eigentliche Missverst&#xE4;ndnis liegt tiefer. Es betrifft nicht einzelne Situationen. Nicht das Lachen. Nicht die Freude. Sondern die Art, wie mein K&#xF6;rper auf Emotionen reagiert.</p><p>Emotionen waren f&#xFC;r mich fr&#xFC;her einfach da. Angst, Freude, &#xC4;rger, Traurigkeit. Sie geh&#xF6;rten zum Leben, manchmal intensiv, manchmal fl&#xFC;chtig. Sie konnten bewegen, aufw&#xFC;hlen, erleichtern, aber sie stellten nie grunds&#xE4;tzlich meine verf&#xFC;gbare Kraft infrage.</p><p>Heute f&#xFC;hlt sich das anders an.</p><p>Nicht, weil meine Gef&#xFC;hle verschwunden w&#xE4;ren. Sondern weil jeder innere Ausschlag vom K&#xF6;rper mitgetragen werden muss. Freude ist nicht nur leicht. Traurigkeit ist nicht nur ein innerer Prozess. Lachen ist nicht nur sch&#xF6;n. Jede Regung ver&#xE4;ndert etwas. Jede Regung braucht etwas. Und dieses &#x201E;Etwas&#x201C; ist nicht selbstverst&#xE4;ndlich vorhanden. Das macht sich in meinem Alltag immer deutlicher bemerkbar, je weiter ME/CFS voranschreitet. Es gibt aber auch diese seltenen Momente, in denen ich f&#xFC;r ein paar Momente vergesse, dass ich krank bin.</p><p>Einer davon passiert beim Lachen.</p><p>Eine Comedy-Sendung, ein wirklich lustiger Moment, etwas, das mich ehrlich zum Lachen bringt - eigentlich etwas Leichtes, etwas, das doch guttun m&#xFC;sste. Und f&#xFC;r einen Augenblick tut es das auch. Es ist ja nicht so, dass mir die Freude fehlt. Doch nach wenigen Minuten wird das Lachen anstrengend, die Muskeln in Armen, Beinen und Bauch weich wie Wackelpudding. Ich muss ausschalten. Nicht weil es nicht lustig w&#xE4;re. Sondern weil es zu viel kostet und ich sonst sp&#xE4;ter den Preis daf&#xFC;r bezahlen m&#xFC;sste.</p><p>Dass Trauer ersch&#xF6;pfen kann, versteht jeder. Dass Angst Kraft kostet, ebenso. Dass Wut anstrengend ist, steht au&#xDF;er Frage. Dass aber selbst Freude und Lachen meinem K&#xF6;rper &#xE4;hnlich viel Energie abverlangen k&#xF6;nnen, wirkt f&#xFC;r mich immer noch oft befremdlich. Was von au&#xDF;en wie Kleinigkeiten wirkt, wie ein Hauch von Normalit&#xE4;t, ist f&#xFC;r meinen K&#xF6;rper ein sp&#xFC;rbarer Energieeinsatz. Selbst Freude ist bei ME/CFS kein kostenloser Zustand. Sie braucht Ressourcen, die nur sehr begrenzt vorhanden sind.</p><p>Vielleicht ist das eine der schwersten Perspektiven dieser Erkrankung: Dass mein K&#xF6;rper nicht mehr zwischen angenehmen und belastenden Emotionen unterscheidet, sondern nur noch zwischen inneren Zust&#xE4;nden, die Kraft erfordern - und solchen, die sie nicht erfordern.</p><p>Und dass alle Emotionen ihren Preis haben. Auch jene, die von au&#xDF;en so leicht wirken.</p><p></p><blockquote>Du m&#xF6;chtest den Beitrag kommentieren?<br>Die Kommentarfunktion ist im Mitgliederbereich freigeschaltet.<br><br>&#xDC;ber <strong>&#x201E;Subscribe&#x201C;</strong> kannst Du Dich registrieren und bekommst eine Nachricht bei neuen Posts.<br>Mit <strong>&#x201E;Sign in&#x201C;</strong> meldest Du Dich an, um zu kommentieren oder zu liken. <br><br>Ich freue mich &#xFC;ber Deine Gedanken zum Beitrag.</blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/pacing-me-cfs-fuenf-ebenen/" rel="noreferrer">Die f&#xFC;nf Ebenen des Pacings</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/rolling-pem/" rel="noreferrer">Immer wieder etwas Neues: rollingPEM</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/gefuhle-unter-kontrolle/" rel="noreferrer">Gef&#xFC;hle lieber unter Kontrolle</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/besser-nicht-leicht/" rel="noreferrer">Wenn besser sich nicht leicht anf&#xFC;hlt</a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Verletzlichkeit, mein stiller Begleiter mit ME/CFS]]></title><description><![CDATA[Wie sich Hilflosigkeit mit ME/CFS anfühlt – über Angst, Kontrolle und die Suche nach Sicherheit, wenn der Körper nicht mehr schützt.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/verletzlichkeit-mecfs-sicherheit-alleinsein/</link><guid isPermaLink="false">68fdc59ddede6f000193e588</guid><category><![CDATA[Alltag mit ME/CFS]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja @ Tanjas Pacing Blog]]></dc:creator><pubDate>Wed, 15 Apr 2026 10:12:18 GMT</pubDate><media:content url="https://images.unsplash.com/photo-1639399522299-44739fb51a91?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDQ1fHxhbmdzdHxlbnwwfHx8fDE3NjE0NjIyMjJ8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://images.unsplash.com/photo-1639399522299-44739fb51a91?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDQ1fHxhbmdzdHxlbnwwfHx8fDE3NjE0NjIyMjJ8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" alt="Verletzlichkeit, mein stiller Begleiter mit ME/CFS"><p>Ich liege wach und h&#xF6;re auf jedes Ger&#xE4;usch.<br>Jedes Knacken im Fachwerkgeb&#xE4;lk l&#xE4;sst mich zusammenzucken. Ist das wirklich das Holz &#x2013; oder sind das Schritte?</p><p>Ich traue mich nicht, die Ger&#xE4;usche mit den Ohrenst&#xF6;pseln auszusperren. Der Gedanke, erst wach zu werden, wenn jemand neben mir steht, raubt mir den Atem.</p>
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<p>In Gedanken gehe ich das Haus durch. Ob ich wirklich die Haust&#xFC;r abgeschlossen habe. Ob unten alle T&#xFC;ren zu sind, die zum Flur und zur Treppe f&#xFC;hren. Neben mir liegt die Schere auf dem Nachttisch, das Licht in J&#xFC;rgens leerem Zimmer brennt.</p><p>Was von au&#xDF;en vielleicht wie Panik wirkt, f&#xFC;hlt sich f&#xFC;r mich eher nach etwas anderem an.</p><p>Nach Hilflosigkeit.</p><p>J&#xFC;rgen ist ein paar Tage gesch&#xE4;ftlich unterwegs und ich bin allein. Was fr&#xFC;her einfach selbstverst&#xE4;ndlich war, bringt mich heute um den Schlaf. Nicht, weil ich mich einsam f&#xFC;hle oder ihm misstraue, sondern weil ich sp&#xFC;re, wie sehr sich etwas ver&#xE4;ndert hat.</p><p>Ich f&#xFC;hle mich verletzlich.</p><p>Fr&#xFC;her h&#xE4;tte ich mich stark genug gef&#xFC;hlt, um zu reagieren, wenn etwas passiert. Ich h&#xE4;tte mir zugetraut, wegzulaufen, mich zu wehren, irgendetwas zu tun.</p><p>Heute wei&#xDF; ich:</p><p>Ich k&#xF6;nnte es nicht.</p><p>Dieses Wissen sitzt tief. Es ist nicht laut, nicht st&#xE4;ndig pr&#xE4;sent, aber es ver&#xE4;ndert etwas Grundlegendes &#x2013; nicht nur k&#xF6;rperlich, sondern auch in dem, wie ich mich in der Welt bewege.</p><p>Als unser Hund Oskar noch bei uns war, kannte ich diese Angst nicht. Seine blo&#xDF;e Anwesenheit hat gereicht, um mir ein Gef&#xFC;hl von Schutz zu geben.</p><p>Nat&#xFC;rlich wei&#xDF; ich, dass ein Einbruch unwahrscheinlich ist.<br>Und trotzdem f&#xFC;hlt sich selbst das Unwahrscheinliche pl&#xF6;tzlich bedrohlich an.</p><p>Die eigene Schw&#xE4;che wird sp&#xFC;rbar &#x2013; nicht nur als Symptom, sondern als Realit&#xE4;t.</p><p>Gedanken kreisen unaufh&#xF6;rlich und lassen mich Stunde f&#xFC;r Stunde wach liegen. Wenn doch mein H&#xF6;rbuch mich wie sonst in den Schlaf begleiten w&#xFC;rde. Stattdessen meldet sich meine Blase &#x2013; immer dann, wenn ich denke, gleich schlafe ich ein.</p><p>Irgendwann kommt der Schlaf. Flach, noch weniger erholsam als sonst. Mein K&#xF6;rper reagiert auf jedes Ger&#xE4;usch, und ich merke, wie ein Kreislauf entsteht: Je weniger Sicherheit, desto mehr Stress. Und je mehr Stress, desto instabiler mein System.</p><p>Mein Kopf wei&#xDF;, dass mir das nicht guttut. Aber ich finde gerade keinen Weg, mir dieses Gef&#xFC;hl von Sicherheit selbst zur&#xFC;ckzugeben.</p><p>Also versuche ich, es an anderer Stelle auszugleichen. Nehme mein Pacing tags&#xFC;ber noch ernster, halte alles m&#xF6;glichst ruhig und &#xFC;berschaubar und z&#xE4;hle die N&#xE4;chte, bis J&#xFC;rgen wieder da ist.</p><p>Dann kann ich wieder schlafen.</p><p>Nicht, weil sich objektiv etwas ver&#xE4;ndert h&#xE4;tte.</p><p>Sondern weil sich etwas in mir beruhigt.</p><p></p><blockquote>Du m&#xF6;chtest den Beitrag kommentieren?<br>Die Kommentarfunktion ist im Mitgliederbereich freigeschaltet.<br><br>&#xDC;ber <strong>&#x201E;Subscribe&#x201C;</strong> kannst Du Dich registrieren und bekommst eine Nachricht bei neuen Posts.<br>Mit <strong>&#x201E;Sign in&#x201C;</strong> meldest Du Dich an, um zu kommentieren oder zu liken.<br><br>Ich freue mich &#xFC;ber Deine Gedanken zum Beitrag.</blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/gemeinsame-traurigkeit/" rel="noreferrer">Gemeinsam trauern aber auch hoffen</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/gefuhle-unter-kontrolle/" rel="noreferrer">Gef&#xFC;hle lieber unter Kontrolle</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/missverstandnis-hoffnung/" rel="noreferrer">Das Missverst&#xE4;ndnis mit der Hoffnung</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/keine-reise-bilanz/" rel="noreferrer">Keine Reise. - Zwischen Termin und Crash</a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Zwischen Blicken und Grenzen]]></title><description><![CDATA[Ich kann laufen – aber nicht immer die Folgen tragen. Ein persönlicher Text über ME/CFS, Rollstuhl als Schutz und innere Zweifel.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/zwischen-blicken-und-grenzen-mecfs/</link><guid isPermaLink="false">69c1051bdede6f000193fa09</guid><category><![CDATA[Alltag mit ME/CFS]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja @ Tanjas Pacing Blog]]></dc:creator><pubDate>Sat, 11 Apr 2026 08:40:29 GMT</pubDate><media:content url="https://images.unsplash.com/photo-1593086586362-d83c6bf009b3?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDIyfHx3aGVlbGNoYWlyfGVufDB8fHx8MTc3NDI1ODkxNHww&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://images.unsplash.com/photo-1593086586362-d83c6bf009b3?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDIyfHx3aGVlbGNoYWlyfGVufDB8fHx8MTc3NDI1ODkxNHww&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" alt="Zwischen Blicken und Grenzen"><p>&#x201E;Brauchst Du den Rollstuhl wirklich? Es sind doch nur ein paar Schritte bis zum Eingang.&#x201C;</p><p>Ich &#xFC;berlege.</p>
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<p>Ich kann laufen. Auch mit ME/CFS.<br>Die Strecke w&#xE4;re auch machbar. Zumindest jetzt, vor dem Arzttermin. Ein paar Schritte &#xFC;ber den Parkplatz, durch die T&#xFC;r, vielleicht noch bis zum Empfang. Es ist nicht so, dass sich mein K&#xF6;rper an dieser Stelle verweigern w&#xFC;rde. Er gibt mir diese M&#xF6;glichkeit &#x2013; zumindest f&#xFC;r den Moment.</p><p>Und gleichzeitig rechne ich.</p><p>Weniger Schritte w&#xFC;rden Energie sparen. Ich m&#xFC;sste weder stehen noch aufstehen, wenn ich aufgerufen werde. Vor allem aber ist es im Sitzen deutlich weniger anstrengend, wenn alles lauter, heller und unruhiger wird. Es sind eben nicht nur Bewegungen, die Energie kosten, sondern auch Reize.</p><p>Und ich wei&#xDF;, was passieren kann, w&#xE4;hrend ich &#x2013; von au&#xDF;en betrachtet &#x2013; einfach nur zwischen den anderen Patienten sitze. Dann sp&#xFC;re ich f&#xF6;rmlich, wie die Kraft aus meinen Muskeln herauszuflie&#xDF;en scheint, wie sich in mir langsam etwas zusammenzieht, als w&#xFC;rde jemand einen Schalter dimmen. Meine Gedanken werden langsamer, br&#xFC;chiger, und dieser dumpfe Druck entsteht, der sich sp&#xE4;ter zu Kopfschmerzen entwickeln kann. Jedes Ger&#xE4;usch scheint pl&#xF6;tzlich doppelt und dreifach so laut, das Licht viel heller.</p><p>Nichts davon ist sofort dramatisch.<br>Aber alles davon kostet &#x2013; mit jeder Minute mehr.</p><p>Ich atme tief durch und entscheide mich f&#xFC;r den Rollstuhl. Und im ersten Moment f&#xFC;hlt sich die Entscheidung auch richtig gut an. Doch noch bevor mich mein Mann Richtung Aufzug schiebt, ist er wieder da &#x2013; dieser Gedanke. Erst leise, fast unauff&#xE4;llig, aber doch schon sehr klar. Und je l&#xE4;nger ich im Rollstuhl sitze, desto pr&#xE4;senter wird er.</p><p>&#xDC;bertreibe ich gerade?</p><p>Im Gegensatz zu anderen kann ich doch laufen. Da ist kein klar formulierter Vorwurf, eher ein inneres Infragestellen. So als m&#xFC;sste ich mich schon rechtfertigen, bevor mich jemand &#xFC;berhaupt angeklagt hat. Es f&#xFC;hlt sich ein bisschen an, wie Hochstapelei. &#xA0;</p><p>Denn ich habe gemerkt: Wenn ich im Rollstuhl sitze, verschiebt sich etwas. Ich werde anders gelesen. Das Kranksein ist pl&#xF6;tzlich eindeutiger und weniger erkl&#xE4;rungsbed&#xFC;rftig. Ohne ihn bleibt mehr bei mir: Ich muss viel mehr darum k&#xE4;mpfen, dass mein Zustand als das gesehen wird, was er mit ME/CFS ist.</p><p>Im Wartezimmer sitze ich im Rollstuhl und sp&#xFC;re beides gleichzeitig. Eine gewisse Ruhe, weil ich Energie spare und versuche, den Preis so gering wie m&#xF6;glich zu halten. Und dieses feine Unbehagen, weil ich wei&#xDF;, dass ich aufstehen kann &#x2013; zum Beispiel, wenn ich zur Toilette gehe.</p><p>Und mit den Blicken kommt sofort diese Verschiebung. Als w&#xFC;rde ich mich selbst infrage stellen, in dem Moment, in dem ich mich bewege. Nicht unbedingt, weil jemand etwas sagt, sondern weil etwas in diesen Blicken liegt, das ich zu gut kenne.</p><p>Als w&#xFC;rde ich ertappt. Obwohl ich genau wei&#xDF;, dass ich nichts vort&#xE4;usche.</p><p>Denn ich kann laufen. Aber ich kann mir das Laufen nicht immer leisten.</p><p>Nat&#xFC;rlich gibt es auch diese Tage, an denen ich den Rollstuhl wirklich brauche, weil die Energie von Anfang an fehlt. Aber hier geht es um etwas anderes: um dieses Dazwischen. Um Tage, an denen etwas m&#xF6;glich ist. An denen der Schutz trotzdem notwendig ist, weil ich die Konsequenzen kenne - und versuche, ihnen zuvorzukommen.</p><p>Der Rollstuhl macht diese Zwischenzone sichtbar. Aber er erkl&#xE4;rt sie nicht. Er zeigt eine Entscheidung, die ich getroffen habe - nicht das, was dahinter liegt. Und so bleibt ein Rest Unsicherheit &#x2013; f&#xFC;r andere, aber auch f&#xFC;r mich.</p><p>Manchmal f&#xFC;hlt es sich sogar so an, als w&#xFC;rde ich in eine Rolle schl&#xFC;pfen, sobald ich mich hineinsetze. Nicht, weil sie falsch ist, sondern weil sie klarer und eindeutiger wirkt als das, was ich in diesem Moment innerlich erlebe.</p><p>Im Rollstuhl bin ich eindeutig krank.<br>Au&#xDF;erhalb davon bin ich angreifbarer &#x2013; auch f&#xFC;r meine eigenen Zweifel.</p><p>Vielleicht ist genau das der schwierigste Punkt:<br>Dass sich richtige Entscheidungen nicht immer richtig anf&#xFC;hlen. Dass Schutz sich wie &#xDC;bertreibung anf&#xFC;hlen kann und nach au&#xDF;en anders wirkt, als er sich innen anf&#xFC;hlt.</p><p>Ich entscheide mich nicht, weil ich nicht kann.<br>Ich entscheide mich, weil ich wei&#xDF;, was es kostet.</p><p>Und weil ich die Blicke der anderen nicht &#xFC;ber meinen Schutz stelle &#x2013;<br>auch dann nicht, wenn ein Teil von mir noch fragt, ob ich &#xFC;bertreibe.</p><p></p><blockquote>Du m&#xF6;chtest den Beitrag kommentieren?<br>Die Kommentarfunktion ist im Mitgliederbereich freigeschaltet.<br><br>&#xDC;ber <strong>&#x201E;Subscribe&#x201C;</strong> kannst Du Dich registrieren und bekommst eine Nachricht bei neuen Posts.<br>Mit <strong>&#x201E;Sign in&#x201C;</strong> meldest Du Dich an, um zu kommentieren oder zu liken.<br><br>Ich freue mich &#xFC;ber Deine Gedanken zum Beitrag.</blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/dankbarkeit-scham/" rel="noreferrer">Wenn Dankbarkeit leise macht</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/innere-bilder" rel="noreferrer">Wenn die inneren Bilder verschwinden</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/bruecke/" rel="noreferrer">Manchmal braucht es eine Br&#xFC;cke um ME/CFS zu verstehen</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/coping-akzeptanz/" rel="noreferrer">Coping und Akzeptanz</a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Off-Label bei ME/CFS: Vier Medikamente – und was sie über diese Erkrankung sagen]]></title><description><![CDATA[Die neue Off-Label-Liste für ME/CFS und Long Covid ist da. Vier Medikamente – und viele offene Fragen zu Versorgung, Zugang und Kosten.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/off-label-mecfs-long-covid-medikamente-fragen/</link><guid isPermaLink="false">69d37529dede6f000193fb63</guid><category><![CDATA[Position]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja @ Tanjas Pacing Blog]]></dc:creator><pubDate>Tue, 07 Apr 2026 12:04:25 GMT</pubDate><media:content url="https://images.unsplash.com/photo-1631980838946-755ba8443ab7?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDIxfHxNZWRpa2FtZW50ZXxlbnwwfHx8fDE3NzU0Nzc2MjR8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://images.unsplash.com/photo-1631980838946-755ba8443ab7?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDIxfHxNZWRpa2FtZW50ZXxlbnwwfHx8fDE3NzU0Nzc2MjR8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" alt="Off-Label bei ME/CFS: Vier Medikamente &#x2013; und was sie &#xFC;ber diese Erkrankung sagen"><p>Endlich ist sie da.</p><p>Gespannt &#xF6;ffne ich den Artikel mit den Off-Label-Medikamenten f&#xFC;r Long Covid und ME/CFS &#x2013; also Medikamenten, die au&#xDF;erhalb ihrer eigentlichen Zulassung eingesetzt werden.</p>
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<iframe width="100%" height="112" frameborder="0" scrolling="no" style="width: 100%; height: 112px; overflow: hidden;" src="https://cast.pacing-mecfs.de/@tanjas_pacing_blog/episodes/off-label-bei-me-cfs-vier-medikamente-und-was-sie-uber-diese-erkrankung-sagen/embed"></iframe>
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<p>Ich kann nicht fassen, was ich da lese. Ich sch&#xFC;ttele den Kopf und sp&#xFC;re, wie Wut in mir aufsteigt. Wie mir ma&#xDF;lose Entt&#xE4;uschung Tr&#xE4;nen in die Augen treibt.</p><p>Und dann dieser Impuls zu schreien.</p><p>Doch ich darf nicht.</p><p>Auch wenn es in mir noch so sehr brodelt &#x2013; es w&#xFC;rde zu viel kosten. Ich muss warten, bis sich meine Emotionen ein wenig beruhigt haben, bevor ich mich weiter mit dem Thema besch&#xE4;ftige.</p><p><strong>Wieder Entt&#xE4;uschung </strong></p><p>F&#xFC;nf Jahre ist es her, dass durch Long Covid auch ME/CFS st&#xE4;rker in den Fokus ger&#xFC;ckt ist. Vor 30 Monaten wurde eine Off-Label-Liste angek&#xFC;ndigt, die nun endlich vorliegt. Und Berlin kommuniziert das als wichtigen Schritt. Bei mir l&#xF6;st das aber kein Gef&#xFC;hl der Erleichterung aus. Stattdessen Entt&#xE4;uschung. Wieder einmal.</p><p>W&#xE4;hrend &#xD6;sterreich es schafft, innerhalb von nur drei Monaten 21 Medikamente/Wirkstoffe auf die Liste zu setzen, haben es in Deutschland nach aktuellem Stand gerade einmal vier geschafft.</p><p>Zwei davon aus der Gruppe der Antidepressiva.</p><p>Warum gerade Medikamente aus dieser Gruppe?</p><p>Weil sie f&#xFC;r einen vertrauten Weg stehen &#x2013; f&#xFC;r die Behandlung dessen, was messbar und bekannt ist? Ja &#x2013; sie k&#xF6;nnen sinnvoll sein, etwa zur Linderung von Schmerzen oder zur Stabilisierung einzelner Symptome. Aber was bedeutet das f&#xFC;r die Einordnung dieser Erkrankung?</p><p><strong>Nur auf dem Papier</strong></p><p>Seit vielen Jahren ringen wir darum, dass ME/CFS als das anerkannt wird, was es ist: eine schwere, oft lebensver&#xE4;ndernde k&#xF6;rperliche Erkrankung &#x2013; bereits 1969 von der WHO als neurologische Erkrankung klassifiziert. Doch noch immer h&#xE4;lt sich &#x2013; entgegen neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen &#x2013; die &#xDC;berzeugung, dass eine psychische Ursache vorliegt. Und dann wird genau diese &#xDC;berzeugung durch eine solche Liste weiter gen&#xE4;hrt.</p><p>W&#xE4;hrend das, was diese Erkrankung in ihrem Kern ausmacht, in der Versorgung weiterhin fast unber&#xFC;hrt bleibt.</p><p>Auf dem Papier ist damit etwas passiert.</p><p>Nun kann niemand mehr sagen, wir werden ignoriert. Nationale Dekade, Off-Label-Liste. Auf den ersten Blick ein Schritt nach vorne.</p><p>Doch was bleibt davon, wenn man genauer hinschaut?</p><p><strong>&#xC4;ndert sich etwas?</strong></p><p>Die Medikamente, die f&#xFC;r mich und viele andere einen Unterschied machen, haben es nicht auf die Liste geschafft. Die m&#xFC;ssen wir nach wie vor aus eigener Tasche bezahlen. Weil es keine valide Studienlage dazu gibt.</p><p>Ja, nat&#xFC;rlich gibt es diese Studien nicht.</p><p>Weil &#xFC;ber Jahrzehnte kaum geforscht wurde.</p><p>Und selbst jetzt wird ein Teil der dringend notwendigen Medikamentenstudien nicht aus der Regelversorgung heraus finanziert, sondern von Initiativen und Stiftungen getragen.</p><p>Gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass konkrete Behandlungsans&#xE4;tze weiterhin nur z&#xF6;gerlich vorangetrieben werden.</p><p>Doch was passiert mit uns? Sollen wir weiter leiden? Weiter an Grenzen geraten, die f&#xFC;r manche unertr&#xE4;glich werden?</p><p>Ich habe nicht das Gef&#xFC;hl, dass sich in der Versorgung etwas ver&#xE4;ndert.</p><p>Ich habe Zugang zu Off-Label-Medikamenten. Aber selbstverst&#xE4;ndlich ist das nicht. Und gleichzeitig sehe ich, wie viele diesen Zugang nicht haben &#x2013; weil ihnen das Geld fehlt, ein informierter Arzt oder schlicht die Kraft, sich durch dieses System zu k&#xE4;mpfen.</p><p>Zugang entsteht so nicht aus Bedarf.</p><p>Sondern aus M&#xF6;glichkeiten.</p><p>Und genau hier beginnt die eigentliche Frage.</p><p>Wenn Versorgung nicht am Bedarf ausgerichtet ist &#x2013; woran dann?</p><p><strong>Geht es um Kosten?</strong></p><p>Je l&#xE4;nger ich mich mit dieser Liste besch&#xE4;ftige, desto mehr dr&#xE4;ngt sich eine andere &#xDC;berlegung auf: Geht es hier wirklich nur um fehlende Evidenz &#x2013; oder auch um die Kosten, die entstehen w&#xFC;rden, wenn man diese Erkrankung konsequent versorgen w&#xFC;rde?</p><p>Ich denke, es sind nicht die einzelnen Medikamente, die f&#xFC;r sich genommen vergleichsweise g&#xFC;nstig erscheinen. Es ist vielmehr die Kombinationen, die viele von uns ben&#xF6;tigen &#x2013; individuell abgestimmt und dauerhaft. Und wir sind nicht wenige. Sch&#xE4;tzungen gehen inzwischen von weit mehr als 1,5 Millionen Betroffenen in Deutschland aus, wenn man ME/CFS und Long Covid zusammen betrachtet.</p><p>Damit wird aus einer medizinischen Frage zwangsl&#xE4;ufig auch eine wirtschaftliche.</p><p>Und ich frage mich:</p><p>Wie viel Einfluss hat diese Dimension auf die Entscheidungen, die getroffen werden?</p><p>Aus Betroffenenperspektive entsteht ein Eindruck, der schwer auszuhalten ist. Dass Zur&#xFC;ckhaltung dort besonders gro&#xDF; ist, wo Versorgung nicht nur komplex, sondern auch kostentr&#xE4;chtig werden k&#xF6;nnte. Und dass die Stimmen derer, die mit dieser Erkrankung leben, dabei oft leiser bleiben als die Logik eines Systems, das vor allem eines sein muss: berechenbar.</p><p>Wir haben in den letzten Jahren erlebt, dass Systeme schnell handeln k&#xF6;nnen, wenn etwas Priorit&#xE4;t hat. Dass Verfahren beschleunigt werden k&#xF6;nnen und Entscheidungen nicht unbedingt Jahrzehnte brauchen.</p><p>Und gleichzeitig erleben wir bei ME/CFS auch weiterhin das Gegenteil: Zur&#xFC;ckhaltung, Verz&#xF6;gerung und minimale Schritte. Das ist f&#xFC;r viele Betroffene keine theoretische Frage, sondern seit Jahren Alltag. F&#xFC;r manche schon seit Jahrzehnten.</p><p><strong>Was bleibt</strong></p><p>Und so bleibt f&#xFC;r mich am Ende ein Eindruck, der sich schwer absch&#xFC;tteln l&#xE4;sst:</p><p>Dass es nicht am Wissen fehlt. Sondern am Willen, dieses Wissen auch in Versorgung zu &#xFC;bersetzen.</p><p>Dass wir l&#xE4;ngst wissen, wie gro&#xDF; diese Patientengruppe ist. Und dass wir ahnen, was es bedeuten w&#xFC;rde, sie wirklich zu versorgen.</p><p>Und dass genau darin vielleicht ein Teil der Antwort liegt.</p><p>Ich kann heute nicht mehr sagen, dass nichts f&#xFC;r uns getan wird. Aber ich kann auch nicht sagen, dass sich f&#xFC;r uns wirklich etwas ver&#xE4;ndert.</p><p>Und das ist manchmal noch schwerer auszuhalten.</p><p></p><blockquote>Du m&#xF6;chtest den Beitrag kommentieren?<br>Die Kommentarfunktion ist im Mitgliederbereich freigeschaltet.<br><br>&#xDC;ber <strong>&#x201E;Subscribe&#x201C;</strong> kannst Du Dich registrieren und bekommst eine Nachricht bei neuen Posts.<br>Mit <strong>&#x201E;Sign in&#x201C;</strong> meldest Du Dich an, um zu kommentieren oder zu liken. <br><br>Ich freue mich &#xFC;ber Deine Gedanken zum Beitrag.</blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/dekade/" rel="noreferrer">Nationale Dekade gegen postinfekti&#xF6;se Erkrankungen &#x2013; Gro&#xDF;e Worte, aber gro&#xDF;e Fragen bleiben offen</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/63-milliarden-schaden/" rel="noreferrer">63 Milliarden Schaden, null Lobby: Warum ME/CFS weiter ignoriert wird</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/wie-sage-ich-es/" rel="noreferrer">Wie sage ich anderen, wie es mir geht?</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/nachgefragt-3/" rel="noreferrer">Nachgefragt # 3: Warum ducken sich die &#xC4;rzte weg, wenn es um ME/CFS geht?</a></p><p></p><p>Quellen:</p><figure class="kg-card kg-bookmark-card"><a class="kg-bookmark-container" href="https://www.g-ba.de/presse/pressemitteilungen-meldungen/1322?ref=pacing-mecfs.de"><div class="kg-bookmark-content"><div class="kg-bookmark-title">Long/Post-COVID: Vier Wirkstoffe werden im Off-Label-Use verordnungsf&#xE4;hig</div><div class="kg-bookmark-description">Pressemitteilungen und Meldungen des Gemeinsamen Bundesausschusses</div><div class="kg-bookmark-metadata"><img class="kg-bookmark-icon" src="https://www.g-ba.de/assets-version-1774852625/favicon.ico" alt="Off-Label bei ME/CFS: Vier Medikamente &#x2013; und was sie &#xFC;ber diese Erkrankung sagen"><span class="kg-bookmark-author">Gemeinsamer Bundesausschuss</span></div></div><div class="kg-bookmark-thumbnail"><img src="https://www.g-ba.de/assets-version-1774852625/bundles/gbadesignsystem/img/og-image-default.jpg" alt="Off-Label bei ME/CFS: Vier Medikamente &#x2013; und was sie &#xFC;ber diese Erkrankung sagen"></div></a></figure><figure class="kg-card kg-bookmark-card"><a class="kg-bookmark-container" href="https://www.tara24.at/forschung-wissenschaft/neue-off-label-medikamentenliste-bei-post-covid-und-me-cfs/?ref=pacing-mecfs.de"><div class="kg-bookmark-content"><div class="kg-bookmark-title">Neue Off-Label-Medikamentenliste bei Post Covid und ME/CFS</div><div class="kg-bookmark-description">Auch f&#xFC;nf Jahre nach Start der Corona-Pandemie k&#xF6;nnen postvirale Erkrankungen wie Post Covid nur symptomlindernd behandelt werden. Neben einer Stabilisierung der Patienten kann mit einer solchen&#x2026;</div><div class="kg-bookmark-metadata"><img class="kg-bookmark-icon" src="https://www.tara24.at/wp-content/uploads/2023/08/cropped-favicon-270x270.jpg" alt="Off-Label bei ME/CFS: Vier Medikamente &#x2013; und was sie &#xFC;ber diese Erkrankung sagen"><span class="kg-bookmark-author">TARA24</span><span class="kg-bookmark-publisher">Redaktion</span></div></div><div class="kg-bookmark-thumbnail"><img src="https://www.tara24.at/wp-content/uploads/2025/02/AdobeStock_450410240-scaled.jpeg" alt="Off-Label bei ME/CFS: Vier Medikamente &#x2013; und was sie &#xFC;ber diese Erkrankung sagen"></div></a></figure>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Nachtgedanken]]></title><description><![CDATA[Was bedeutet Überleben, wenn es kein Danach gibt? Ein persönlicher Text über ME/CFS, das Dazwischen und ein leises ‚Hang in there‘.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/nachtgedanken-mit-mecfs/</link><guid isPermaLink="false">69cfa605dede6f000193fb0b</guid><category><![CDATA[Innensichten]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja @ Tanjas Pacing Blog]]></dc:creator><pubDate>Sat, 04 Apr 2026 07:49:19 GMT</pubDate><media:content url="https://images.unsplash.com/photo-1479267658415-ff274a213280?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDE3fHxuaWdodHxlbnwwfHx8fDE3NzUyMzk4MDl8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://images.unsplash.com/photo-1479267658415-ff274a213280?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDE3fHxuaWdodHxlbnwwfHx8fDE3NzUyMzk4MDl8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" alt="Nachtgedanken"><p><em>&#x201E;I&#x2019;m a Survivor.&#x201C;</em></p><p>Es ist 4:18 Uhr. Ich liege wach und seit einer Weile l&#xE4;uft unaufh&#xF6;rlich dieses Lied in meinem Kopf. Noch halb im Schlaf hatte es schon etwas Dr&#xE4;ngendes, als wollte es mir unbedingt etwas sagen.</p><p>Immer wieder die Melodie, der Refrain <em>&#x201E;I&#x2019;m a Survivor.&#x201C;</em></p>
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<p>Ja &#x2013; das w&#xFC;rde ich gerne &#xFC;ber mich sagen. Ich w&#xE4;re so gerne die, die sagen kann: Ich habe es &#xFC;berlebt. </p><p>Eine &#xDC;berlebende. Wie sich das anh&#xF6;rt.</p><p>Von einer Krankheit, die nicht auf den ersten Blick t&#xF6;dlich ist &#x2013; und doch Leben verhindert. Die jeden Tag ein bisschen mehr zum Gef&#xE4;ngnis wird und an manchen Tagen etwas von Folter hat. Die Menschen an Grenzen bringt, die kaum auszuhalten sind.<br><br>Und die auch dort lebensbedrohlich werden kann, wo man es von au&#xDF;en nicht sieht: Wenn der K&#xF6;rper keine Nahrung mehr vertr&#xE4;gt. Wenn selbst Schlucken zu viel Kraft kostet. Wenn Unterst&#xFC;tzung fehlt, die eigentlich selbstverst&#xE4;ndlich sein sollte.<br><br>Auch das geh&#xF6;rt zu ME/CFS. <br>Und es ist ein Teil der Realit&#xE4;t, der selten benannt wird.</p><p>W&#xE4;hrend ich das denke, merke ich, wie nah diese beiden M&#xF6;glichkeiten nebeneinander liegen: die, die sagen kann, ich habe &#xFC;berlebt &#x2013; und die, die es nicht schafft.<br>Beides ist m&#xF6;glich.</p><p>Heute Nacht sp&#xFC;re ich beides. Die Sehnsucht nach der einen Seite. Und die Angst vor der anderen.</p><p>Ich bin nicht danach. Ich bin mittendrin. Vielleicht ist es genau das, was es so schwer macht &#x2013; dass es keinen klaren Punkt gibt, an dem etwas entschieden ist.</p><p>Und w&#xE4;hrend ich dar&#xFC;ber nachdenke, l&#xE4;uft dieses Lied weiter.<br><em>I&#x2019;m a Survivor.</em><br>Und ich frage mich, ob das f&#xFC;r mich stimmt.</p><p>Wenn ich zur&#xFC;ckblicke, wirkt vieles wie aus einem anderen Leben. 2022 konnte ich noch reisen, 2024 sogar noch einmal nach Malaga. Heute ist das kaum vorstellbar. </p><p>Ich denke an das Bild, das mir J&#xFC;rgen vorhin geschickt hat. Drei gl&#xFC;ckliche Gesichter am spanischen Strand. Tr&#xE4;nen steigen in meine Augen. Wie gerne w&#xE4;re ich dabei gewesen. H&#xE4;tte diesen Augenblick so gerne mit ihnen zusammen erlebt. Die Meeresluft eingeatmet, den Wind in meinen Haaren gesp&#xFC;rt und den Wellen zugesehen.</p><p>Werde ich das Meer noch einmal sehen k&#xF6;nnen? </p><p>Mit dem Flugzeug zw&#xF6;lf Stunden von T&#xFC;r zu T&#xFC;r, mit dem Auto mindestens 15 und eine Zwischen&#xFC;bernachtung. Und ich frage mich, ob es aushaltbar w&#xE4;re. Wahrscheinlich w&#xFC;rde ich es &#xFC;berstehen. Aber zu welchem Preis? Was w&#xE4;re danach noch &#xFC;brig?</p><p>Diese Frage ist geblieben. Und sie ist gr&#xF6;&#xDF;er geworden.</p><p>Mein Leben ist enger geworden, Schritt f&#xFC;r Schritt. Ich merke, wie sich mein Spielraum verkleinert, wie die bin, die inzwischen fast nur zu Hause bleibt. Und ich m&#xF6;chte das nicht sein. Ich m&#xF6;chte nicht diejenige sein, die zur&#xFC;ckbleibt, w&#xE4;hrend das Leben der anderen weitergeht.</p><p>Gerade jetzt, allein zu Hause, merke ich, wie viel mir J&#xFC;rgen abgenommen hat. Kleine G&#xE4;nge, Mahlzeiten. &#xA0;Ich komme klar &#x2013; wenn ich mich auf das allern&#xF6;tigste beschr&#xE4;nke. Mahlzeiten, ein bisschen Hygiene und ein oder zwei kurze Telefonate mit J&#xFC;rgen &#x2013; mehr ist nicht drin.</p><p>Manche Dinge verschieben sich so weit, dass sie fast nebens&#xE4;chlich wirken und gleichzeitig so viel Raum einnehmen. Haare waschen zum Beispiel. Im Moment geht es nicht. Also warte ich &#x2013; bis J&#xFC;rgen wieder da ist.</p><p>So sieht es gerade aus. <br>Und w&#xE4;hrend ich hier liege und das alles denke, l&#xE4;uft dieses Lied weiter.</p><p><em>I&#x2019;m a Survivor.</em></p><p>Ich wei&#xDF; nicht, ob ich das irgendwann einmal sagen kann. Noch nicht.</p><p>Im Moment kann ich nur sagen: Ich bin noch da.<br>Und vielleicht ist genau das gerade mein &#xDC;berleben.</p><p>Vielleicht ist es das, was dieses Lied mir sagen wollte.<br>Kein gro&#xDF;es &#x201E;I&#x2019;m a Survivor&#x201C;.</p><p>Sondern einfach nur:<br><em>Hang in there.</em></p><p></p><blockquote>Du m&#xF6;chtest den Beitrag kommentieren?<br>Die Kommentarfunktion ist im Mitgliederbereich freigeschaltet.<br><br>&#xDC;ber <strong>&#x201E;Subscribe&#x201C;</strong> kannst Du Dich registrieren und bekommst eine Nachricht bei neuen Posts.<br>Mit <strong>&#x201E;Sign in&#x201C;</strong> meldest Du Dich an, um zu kommentieren oder zu liken.<br><br>Ich freue mich &#xFC;ber Deine Gedanken zum Beitrag.</blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/missverstandnis-hoffnung/" rel="noreferrer">Das Missverst&#xE4;ndnis mit der Hoffnung</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/bruecke/" rel="noreferrer">Manchmal braucht es eine Br&#xFC;cke um ME/CFS zu verstehen</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/me-cfs-lachen/" rel="noreferrer">Darf es bei ME/CFS Lachen geben?</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/nein-und-vielleicht/" rel="noreferrer">Zwischen gar nicht und ein bisschen</a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Die fünf Ebenen des Pacings – und warum es weit mehr ist als körperliche Schonung]]></title><description><![CDATA[Warum Pacing bei ME/CFS weit über körperliche Schonung hinausgeht: fünf Ebenen von Belastung – und wie sie sich im Alltag überlagern.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/pacing-me-cfs-fuenf-ebenen/</link><guid isPermaLink="false">699348dadede6f000193f535</guid><category><![CDATA[Pacing]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja @ Tanjas Pacing Blog]]></dc:creator><pubDate>Wed, 01 Apr 2026 06:13:36 GMT</pubDate><media:content url="https://images.unsplash.com/photo-1636837955417-2d8a4e49368f?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDIyfHxzb2Z0JTIwb3ZlcmxhcHBpbmclMjBnZW9tZXRyaWMlMjBzaGFwZXMlMjBiZWlnZSUyMGdyZXklMjB3aGl0ZXxlbnwwfHx8fDE3NzEyNjAwOTl8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://images.unsplash.com/photo-1636837955417-2d8a4e49368f?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDIyfHxzb2Z0JTIwb3ZlcmxhcHBpbmclMjBnZW9tZXRyaWMlMjBzaGFwZXMlMjBiZWlnZSUyMGdyZXklMjB3aGl0ZXxlbnwwfHx8fDE3NzEyNjAwOTl8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" alt="Die f&#xFC;nf Ebenen des Pacings &#x2013; und warum es weit mehr ist als k&#xF6;rperliche Schonung"><p>Als ich die Diagnose ME/CFS erhielt, war Pacing f&#xFC;r mich ein Fremdwort. Und selbst als ich begann, mich damit zu besch&#xE4;ftigen, schien es etwas recht Einfaches zu sein: nicht zu viel tun, sich k&#xF6;rperlich schonen, Kr&#xE4;fte einteilen. Eine Vorstellung, die nicht nur ich hatte. Auch viele Menschen in meinem Umfeld verbanden Pacing verst&#xE4;ndlicherweise vor allem mit Bewegung, Aktivit&#xE4;t, sichtbarer Anstrengung. Weniger gehen, weniger machen, mehr ruhen.</p>
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<iframe width="100%" height="112" frameborder="0" scrolling="no" style="width: 100%; height: 112px; overflow: hidden;" src="https://cast.pacing-mecfs.de/@tanjas_pacing_blog/episodes/die-funf-ebenen-des-pacings-und-warum-es-weit-mehr-ist-als-korperliche-schonung/embed"></iframe>
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<p>Und doch f&#xFC;hlte sich meine Realit&#xE4;t anders an. Ich crashte. Immer wieder.</p><p><strong>&#xDC;berlastung zeigt sich auf unterschiedlichen Ebenen</strong></p><p>Es passte einfach nicht zusammen. Ich bewegte mich kaum, war vorsichtig, zur&#xFC;ckhaltend &#x2013; und stie&#xDF; dennoch st&#xE4;ndig an Grenzen, die sich weder sehen noch logisch erkl&#xE4;ren lie&#xDF;en. Erst sehr viel sp&#xE4;ter begann ich zu begreifen, dass &#xDC;berlastung auf ganz unterschiedlichen Ebenen entstehen kann. Dass sich Belastung nicht nur im K&#xF6;rper zeigt, sondern auch im Denken, im F&#xFC;hlen, in Reizen, selbst in der K&#xF6;rperhaltung.</p><p>Seitdem hat sich mein Verst&#xE4;ndnis von Pacing grundlegend ver&#xE4;ndert. </p><p><strong>K&#xF6;rperliche Ebene</strong><br><br>Nat&#xFC;rlich spielt das K&#xF6;rperliche eine Rolle. Zu viel Bewegung, zu langes Stehen, zu viele Wege &#x2013; das sind die offensichtlichen Dinge. Und doch musste ich selbst hier vieles neu verstehen. Einer der pr&#xE4;gendsten Momente f&#xFC;r mich war die Erkenntnis, dass auch Sprechen Anstrengung ist. Atmung, Muskulatur, Stimme &#x2013; ein Gespr&#xE4;ch kann den K&#xF6;rper sp&#xFC;rbar fordern.</p><p>Grenzen zeigen sich dabei selten klar. Eher wie ein leises Verschieben. Ein bisschen zu viel. Ein bisschen zu lange. Und manchmal reicht genau dieses &#x201E;bisschen&#x201C;, um alles ins Wanken zu bringen.</p><p>Genauso ungewohnt war die kognitive Seite. </p><p><strong>Kognitive Ebene</strong><br><br>Denken f&#xFC;hlte sich fr&#xFC;her selbstverst&#xE4;ndlich an, fast grenzenlos verf&#xFC;gbar. Erst mit ME/CFS wurde sp&#xFC;rbar, dass auch Konzentration, Zuh&#xF6;ren und Verarbeiten Energie verbrauchen.</p><p>Nicht pl&#xF6;tzlich, nicht laut &#x2013; eher schleichend. Gedanken werden klebrig, Gelesenes verliert seinen Sinn, der Kopf f&#xFC;hlt sich wattig und schwer an. Solche Momente haben etwas zutiefst Verunsicherndes. Vertrautes wird br&#xFC;chig, Selbstverst&#xE4;ndliches fragil. Ich habe gelernt, diese Signale nicht mehr als Scheitern zu lesen, sondern als leise Hinweise meines K&#xF6;rpers.</p><p>Noch schwerer greifbar ist die emotionale Ebene.</p><p><strong>Emotionale Ebene</strong></p><p>Dass Trauer, Angst oder Wut Kraft kosten, leuchtet ein. Was mich viel mehr irritiert hat: Auch sch&#xF6;ne Gef&#xFC;hle k&#xF6;nnen ersch&#xF6;pfen. Freude, Aufregung, Verbundenheit &#x2013; selbst das, was sich innerlich gut und richtig anf&#xFC;hlt, kann das Nervensystem stark aktivieren. Der K&#xF6;rper unterscheidet nicht zwischen gut und schlecht. Er reagiert auf Intensit&#xE4;t. Auch das anzunehmen, war ein Prozess.</p><p>Und dann gibt es diese sehr stille, oft &#xFC;bersehene Form der Anstrengung: aufrecht sein.</p><p><strong>K&#xF6;rperposition</strong></p><p>Stehen oder Sitzen wirken von au&#xDF;en banal. F&#xFC;r meinen K&#xF6;rper k&#xF6;nnen sie sich jedoch &#xFC;berraschend schwer anf&#xFC;hlen. Schwindel, innere Unruhe, dieses diffuse Gef&#xFC;hl von &#xDC;berforderung ohne erkennbare Ursache. Besonders deutlich wurde mir das in einem unscheinbaren Moment: mitten in einem Gespr&#xE4;ch mit meinem Mann.</p><p>Ich sp&#xFC;rte pl&#xF6;tzlich diesen fast k&#xF6;rperlichen Drang, den Sessel in die Liegeposition zu bringen. Und mit dem Zur&#xFC;cklehnen kam eine unerwartete Erleichterung. Denken und Sprechen fielen sp&#xFC;rbar leichter. Ein kleiner Moment &#x2013; und doch eine gro&#xDF;e Erkenntnis. Seitdem flie&#xDF;t auch die K&#xF6;rperhaltung in meine Entscheidungen ein. Nicht als starre Regel, sondern als achtsames Abw&#xE4;gen.</p><p>Schlie&#xDF;lich gab es noch etwas, das sich lange meiner Aufmerksamkeit entzog: Reize.</p><p><strong>Reize</strong></p><p>Es gibt Tage, an denen scheinbar nichts passiert &#x2013; und dennoch f&#xFC;hlt sich mein System &#xFC;berlastet an. Licht, Ger&#xE4;usche, Stimmen, visuelle Eindr&#xFC;cke, Ger&#xFC;che. Dinge, die fr&#xFC;her Hintergrund waren, k&#xF6;nnen pl&#xF6;tzlich zu viel werden. Manchmal begreife ich das erst im Nachhinein. Wie an dem Tag, als in der Nachbarschaft eine R&#xFC;ttelplatte stundenlang vibrierte. Keine Aktivit&#xE4;t, keine Anstrengung &#x2013; und dennoch dieses abrupte Gef&#xFC;hl innerer Leere, als h&#xE4;tte jemand einfach den Stecker gezogen.</p><p>Im Zusammensein mit meinen Enkeln wird mir besonders bewusst, wie sehr die verschiedenen Ebenen ineinandergreifen.</p><p><strong>Alle Ebenen bilden ein komplexes Ganzes</strong></p><p>Wenn sie da sind, ist da eine ganz eigene F&#xFC;lle. Stimmen, Bewegung, Lachen, Fragen, N&#xE4;he. Ich h&#xF6;re zu, versuche zu verstehen, was sie mir erz&#xE4;hlen, lasse mich von ihrer Welt mitnehmen. Und zugleich ist da eine tiefe Freude und Liebe zu ihnen. W&#xE4;hrend all das geschieht, ist auch mein K&#xF6;rper st&#xE4;ndig beteiligt. Ich gehe mit ihnen, wenn sie mir etwas zeigen wollen, beuge mich zu ihnen hinunter, hebe sie hoch. Kleine Gesten der N&#xE4;he, Bewegungen, die sich vertraut und selbstverst&#xE4;ndlich anf&#xFC;hlen &#x2013; und doch nicht einfach nur nebenbei passieren. Dazu kommt das Aufrechtsein, die Haltung, die Pr&#xE4;senz im Raum. Die Ger&#xE4;usche, die Dynamik, die Ger&#xFC;che und das fortw&#xE4;hrende Wechseln von Eindr&#xFC;cken.</p><p>Nichts davon steht f&#xFC;r sich allein. Alles geschieht gleichzeitig.</p><p>Gerade in solchen Momenten wird f&#xFC;r mich sp&#xFC;rbar, dass sich die Ebenen des Pacings nicht sauber voneinander trennen lassen. Sie &#xFC;berlagern sich, greifen ineinander, bilden ein einziges, komplexes Ganzes.</p><p>All das hat mein Verst&#xE4;ndnis von Pacing leise, aber tiefgreifend ver&#xE4;ndert.</p><p><strong>Neues Verst&#xE4;ndnis von Pacing</strong></p><p>Pacing ist l&#xE4;ngst kein Fremdwort mehr. Es ist ein t&#xE4;glicher Balanceakt zwischen Wahrnehmen, Anpassen und Akzeptieren. Kein starres Konzept, sondern etwas Lebendiges. Manchmal klar, manchmal widerspr&#xFC;chlich, oft herausfordernd. Und immer sehr individuell.</p><p>Was sich jedoch durchzieht, ist ein Gef&#xFC;hl von mehr Stabilit&#xE4;t, wenn nicht nur einzelne Aspekte, sondern ihr Zusammenspiel Beachtung finden.</p><p>Nicht perfekt, nicht immer verl&#xE4;sslich &#x2013; aber sp&#xFC;rbar.</p><p>Mit der Zeit begann ich zu verstehen, dass sich Belastung auf verschiedenen Ebenen zeigen kann: k&#xF6;rperlich, kognitiv, emotional, in der K&#xF6;rperhaltung und durch Reize.</p><p></p><blockquote>Du m&#xF6;chtest den Beitrag kommentieren?<br>Die Kommentarfunktion ist im Mitgliederbereich freigeschaltet.<br><br>&#xDC;ber <strong>&#x201E;Subscribe&#x201C;</strong> kannst Du Dich registrieren und bekommst eine Nachricht bei neuen Posts.<br>Mit <strong>&#x201E;Sign in&#x201C;</strong> meldest Du Dich an, um zu kommentieren oder zu liken. <br><br>Ich freue mich &#xFC;ber Deine Gedanken zum Beitrag.</blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/fake-energie-mecfs/" rel="noreferrer">Fake-Energie und ich: Wie die Adrenalinfalle versucht meinen K&#xF6;rper zu &#xFC;berlisten</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/pacing-statt-get-mecfs/" rel="noreferrer">Pacing statt GET &#x2013; warum sanftes Energiemanagement bei ME/CFS sinnvoller ist</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/pacing-mecfs-drei-modi/" rel="noreferrer">Mein Pacing hat drei Modi: Alltag, Flare, Crash</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/stille-nach-dem-crash/" rel="noreferrer">Die Stille nach dem Crash</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/mama-hase/" rel="noreferrer">Was ist mit Mama Hase los?</a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Nur kurz vorbeikommen? Warum Besuche für Menschen mit ME/CFS zu viel sein können]]></title><description><![CDATA[Warum selbst ein kurzer Besuch für Menschen mit ME/CFS zu viel sein kann – und warum mein Körper darüber nicht mehr verhandelt.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/nur-kurz-besuch-mecfs/</link><guid isPermaLink="false">69ad14ccdede6f000193f82c</guid><category><![CDATA[Symptome & Reizüberflutung]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja @ Tanjas Pacing Blog]]></dc:creator><pubDate>Sat, 28 Mar 2026 10:48:04 GMT</pubDate><media:content url="https://images.unsplash.com/photo-1527529482837-4698179dc6ce?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDR8fEZlaWVybnxlbnwwfHx8fDE3NzI5NTA4OTB8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://images.unsplash.com/photo-1527529482837-4698179dc6ce?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDR8fEZlaWVybnxlbnwwfHx8fDE3NzI5NTA4OTB8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" alt="Nur kurz vorbeikommen? Warum Besuche f&#xFC;r Menschen mit ME/CFS zu viel sein k&#xF6;nnen"><p>&#x201E;Komm doch wenigstens kurz vorbei.&#x201C;</p><p>Ich wei&#xDF;, der Satz ist freundlich gemeint. Manchmal f&#xE4;llt er am Telefon, manchmal in einer Nachricht und manchmal im pers&#xF6;nlichen Gespr&#xE4;ch. Und jedes Mal merke ich, wie in mir sofort etwas ins Stocken ger&#xE4;t. Es geht um Geburtstage. Familienfeiern. Hochzeiten im Freundeskreis.</p>
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<p>&#x201E;Wir feiern nicht gro&#xDF;. Nur 50 Personen.&#x201C;</p><p>Oder: &#x201E;Nur ein bisschen zusammensitzen.&#x201C;</p><p>Und dann kommt fast immer noch der Satz: &#x201E;Du musst ja nicht lange bleiben.&#x201C; Nur kurz.</p><p>Fr&#xFC;her habe ich lange dar&#xFC;ber nachgedacht. Habe versucht abzuw&#xE4;gen, ob ich es vielleicht schaffen k&#xF6;nnte. Auch wenn es von au&#xDF;en oft anders aussieht: Ich w&#xFC;rde gerne kommen. Heute ist meine Antwort einfacher geworden. Ich sage Einladungen grunds&#xE4;tzlich ab.</p><p>Weil mein K&#xF6;rper solche Situationen nicht mehr aushalten kann.</p><p>Schon mehrere Menschen in einem Raum reichen aus, damit mein Nervensystem &#xFC;berfordert ist. Ihre Stimmen, ihre Bewegungen, ihre Gesten, ihre Ger&#xFC;che. Dazu Geschirr, das klappert, Musik im Hintergrund, der Klang von Gl&#xE4;sern beim Ansto&#xDF;en.</p><p>All das prasselt gleichzeitig auf mich ein.</p><p>Dann f&#xFC;hlt es sich an, als w&#xFC;rde eine Welle &#xFC;ber mir zusammenschlagen. Wenn auch noch Menschen dabei sind, die ich nicht gut kenne, wird es noch intensiver. Mein K&#xF6;rper reagiert sofort. Mir wird schwindelig. Ich habe das Gef&#xFC;hl, keine Luft zu bekommen. Und innerlich gibt es nur noch einen einzigen Impuls: Ich will weg. Sofort.</p><p>Das passiert nicht erst nach einer Stunde. Manchmal merke ich es schon nach wenigen Minuten.</p><p>Mehr als zwei Menschen gleichzeitig kann ich kaum noch ertragen. Mit meinen Enkeln vielleicht vier &#x2013; und auch das nur f&#xFC;r begrenzte Zeit. F&#xFC;r Au&#xDF;enstehende ist das schwer zu verstehen. Sie sehen nur eine Feier. F&#xFC;r mich ist es eine Situation, in der mein Nervensystem mit Eindr&#xFC;cken &#xFC;berflutet wird.</p><p><strong>Den Preis zahle ich sp&#xE4;ter</strong></p><p>Und selbst wenn ich fr&#xFC;her versucht habe, kurz zu bleiben, kam der eigentliche Preis oft erst sp&#xE4;ter. Wenn ich wieder zu Hause war. Wenn die Eindr&#xFC;cke nachwirkten. Wenn die Kopfschmerzen einsetzten, Gelenke pl&#xF6;tzlich schmerzten und die Muskeln ihren Dienst versagten. Wenn mein K&#xF6;rper unaufhaltsam in den Crash rutschte.</p><p>Dann wurde aus einem kurzen Besuch ein tagelanger R&#xFC;ckzug in Dunkelheit und Stille. Ein Zustand, in dem selbst einfache Dinge wieder zu viel waren.</p><p>Heute wei&#xDF; ich: Dieser Preis ist zu hoch. Deshalb gibt es f&#xFC;r mich dieses &#x201E;nur kurz vorbeikommen&#x201C; inzwischen nicht mehr. Nicht, weil mir die Menschen egal sind. <br><br>Sondern weil mein K&#xF6;rper mir Grenzen setzt, die ich nicht mehr verhandeln kann.</p><p></p><blockquote>Du m&#xF6;chtest den Beitrag kommentieren?<br>Die Kommentarfunktion ist im Mitgliederbereich freigeschaltet.<br><br>&#xDC;ber <strong>&#x201E;Subscribe&#x201C;</strong> kannst Du Dich registrieren und bekommst eine Nachricht bei neuen Posts.<br>Mit <strong>&#x201E;Sign in&#x201C;</strong> meldest Du Dich an, um zu kommentieren oder zu liken. <br><br>Ich freue mich &#xFC;ber Deine Gedanken zum Beitrag.</blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge?</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/hell-laut-nah/" rel="noreferrer">Zu hell, zu laut, zu nah &#x2013; mein Erleben von Reiz&#xFC;berflutung bei ME/CFS</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/unsichtbarer-laerm/" rel="noreferrer">Verpackungen, der unsichtbare L&#xE4;rm</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/prinzessin-auf-der-erbse/" rel="noreferrer">Prinzessin auf der Erbse? Wohl kaum!</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/konventionen/" rel="noreferrer">Konventionen vs Selbstf&#xFC;rsorge</a></p>]]></content:encoded></item></channel></rss>