<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" version="2.0" xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/"><channel><title><![CDATA[Tanjas Pacing Blog]]></title><description><![CDATA[Blog über das Leben mit ME/CFS und Erfahrungen mit Pacing und Coping]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/</link><image><url>https://pacing-mecfs.de/favicon.png</url><title>Tanjas Pacing Blog</title><link>https://pacing-mecfs.de/</link></image><generator>Ghost 5.82</generator><lastBuildDate>Tue, 21 Apr 2026 10:14:52 GMT</lastBuildDate><atom:link href="https://pacing-mecfs.de/rss/" rel="self" type="application/rss+xml"/><ttl>60</ttl><item><title><![CDATA[Alle Emotionen kosten]]></title><description><![CDATA[Auch Freude hat bei ME/CFS ihren Preis. Ein persönlicher Einblick in das, was im Körper dabei geschieht – oft anders, als es von außen wirkt.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/alle-emotionen-kosten-mecfs/</link><guid isPermaLink="false">698f8ab4dede6f000193f4c5</guid><category><![CDATA[Pacing]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja ]]></dc:creator><pubDate>Mon, 20 Apr 2026 06:44:21 GMT</pubDate><media:content url="https://images.unsplash.com/photo-1652514846497-85b7d6acefc9?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDF8fEVtb3Rpb25lbnxlbnwwfHx8fDE3NzEwMTQ4NzR8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://images.unsplash.com/photo-1652514846497-85b7d6acefc9?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDF8fEVtb3Rpb25lbnxlbnwwfHx8fDE3NzEwMTQ4NzR8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" alt="Alle Emotionen kosten"><p>&#x201E;Das habe ich lange nicht verstanden. Daraus solltest Du mal einen Post machen, damit andere Angeh&#xF6;rige es auch verstehen k&#xF6;nnen.&#x201C;</p><p>Als mein Mann das sagte, lag bereits ein langer Weg hinter uns. Viele Gespr&#xE4;che.<br>Viele Versuche, Worte zu finden f&#xFC;r etwas, das sich kaum greifen l&#xE4;sst. Und nicht selten Tr&#xE4;nen. Nicht aus einem einzelnen Anlass heraus, sondern aus dieser eigent&#xFC;mlichen Mischung aus Ersch&#xF6;pfung, Verletzung und dem Gef&#xFC;hl immer wieder aneinander vorbeizureden, obwohl beide verstehen wollen.</p>
<!--kg-card-begin: html-->
<iframe width="100%" height="112" frameborder="0" scrolling="no" style="width: 100%; height: 112px; overflow: hidden;" src="https://cast.pacing-mecfs.de/@tanjas_pacing_blog/episodes/alle-emotionen-kosten/embed"></iframe>
<!--kg-card-end: html-->
<p>Gerade diese Momente haben jene bleierne Ersch&#xF6;pfung hinterlassen &#x2013; weniger vom Sprechen selbst, sondern von dem Versuch, etwas Inneres verst&#xE4;ndlich zu machen, das sich kaum vermitteln l&#xE4;sst. Wir hatten uns immer wieder um &#xE4;hnliche Fragen bewegt. Um Freude. Um Belastung. Um das scheinbare Paradox, dass selbst sch&#xF6;ne Dinge meinen K&#xF6;rper an Grenzen bringen k&#xF6;nnen.</p><p>Ausgerechnet ein Gespr&#xE4;ch &#xFC;ber das Lachen brachte schlie&#xDF;lich diese stille Verschiebung. F&#xFC;r ihn war da Freude dar&#xFC;ber, etwas verstanden zu haben. F&#xFC;r mich vor allem die ruhige Gewissheit, endlich nicht mehr erkl&#xE4;ren zu m&#xFC;ssen. Denn das eigentliche Missverst&#xE4;ndnis liegt tiefer. Es betrifft nicht einzelne Situationen. Nicht das Lachen. Nicht die Freude. Sondern die Art, wie mein K&#xF6;rper auf Emotionen reagiert.</p><p>Emotionen waren f&#xFC;r mich fr&#xFC;her einfach da. Angst, Freude, &#xC4;rger, Traurigkeit. Sie geh&#xF6;rten zum Leben, manchmal intensiv, manchmal fl&#xFC;chtig. Sie konnten bewegen, aufw&#xFC;hlen, erleichtern, aber sie stellten nie grunds&#xE4;tzlich meine verf&#xFC;gbare Kraft infrage.</p><p>Heute f&#xFC;hlt sich das anders an.</p><p>Nicht, weil meine Gef&#xFC;hle verschwunden w&#xE4;ren. Sondern weil jeder innere Ausschlag vom K&#xF6;rper mitgetragen werden muss. Freude ist nicht nur leicht. Traurigkeit ist nicht nur ein innerer Prozess. Lachen ist nicht nur sch&#xF6;n. Jede Regung ver&#xE4;ndert etwas. Jede Regung braucht etwas. Und dieses &#x201E;Etwas&#x201C; ist nicht selbstverst&#xE4;ndlich vorhanden. Das macht sich in meinem Alltag immer deutlicher bemerkbar, je weiter ME/CFS voranschreitet. Es gibt aber auch diese seltenen Momente, in denen ich f&#xFC;r ein paar Momente vergesse, dass ich krank bin.</p><p>Einer davon passiert beim Lachen.</p><p>Eine Comedy-Sendung, ein wirklich lustiger Moment, etwas, das mich ehrlich zum Lachen bringt - eigentlich etwas Leichtes, etwas, das doch guttun m&#xFC;sste. Und f&#xFC;r einen Augenblick tut es das auch. Es ist ja nicht so, dass mir die Freude fehlt. Doch nach wenigen Minuten wird das Lachen anstrengend, die Muskeln in Armen, Beinen und Bauch weich wie Wackelpudding. Ich muss ausschalten. Nicht weil es nicht lustig w&#xE4;re. Sondern weil es zu viel kostet und ich sonst sp&#xE4;ter den Preis daf&#xFC;r bezahlen m&#xFC;sste.</p><p>Dass Trauer ersch&#xF6;pfen kann, versteht jeder. Dass Angst Kraft kostet, ebenso. Dass Wut anstrengend ist, steht au&#xDF;er Frage. Dass aber selbst Freude und Lachen meinem K&#xF6;rper &#xE4;hnlich viel Energie abverlangen k&#xF6;nnen, wirkt f&#xFC;r mich immer noch oft befremdlich. Was von au&#xDF;en wie Kleinigkeiten wirkt, wie ein Hauch von Normalit&#xE4;t, ist f&#xFC;r meinen K&#xF6;rper ein sp&#xFC;rbarer Energieeinsatz. Selbst Freude ist bei ME/CFS kein kostenloser Zustand. Sie braucht Ressourcen, die nur sehr begrenzt vorhanden sind.</p><p>Vielleicht ist das eine der schwersten Perspektiven dieser Erkrankung: Dass mein K&#xF6;rper nicht mehr zwischen angenehmen und belastenden Emotionen unterscheidet, sondern nur noch zwischen inneren Zust&#xE4;nden, die Kraft erfordern - und solchen, die sie nicht erfordern.</p><p>Und dass alle Emotionen ihren Preis haben. Auch jene, die von au&#xDF;en so leicht wirken.</p><p></p><blockquote>Du m&#xF6;chtest den Beitrag kommentieren?<br>Die Kommentarfunktion ist im Mitgliederbereich freigeschaltet.<br><br>&#xDC;ber <strong>&#x201E;Subscribe&#x201C;</strong> kannst Du Dich registrieren und bekommst eine Nachricht bei neuen Posts.<br>Mit <strong>&#x201E;Sign in&#x201C;</strong> meldest Du Dich an, um zu kommentieren oder zu liken. <br><br>Ich freue mich &#xFC;ber Deine Gedanken zum Beitrag.</blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/pacing-me-cfs-fuenf-ebenen/" rel="noreferrer">Die f&#xFC;nf Ebenen des Pacings</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/rolling-pem/" rel="noreferrer">Immer wieder etwas Neues: rollingPEM</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/gefuhle-unter-kontrolle/" rel="noreferrer">Gef&#xFC;hle lieber unter Kontrolle</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/besser-nicht-leicht/" rel="noreferrer">Wenn besser sich nicht leicht anf&#xFC;hlt</a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Verletzlichkeit, mein stiller Begleiter mit ME/CFS]]></title><description><![CDATA[Wie sich Hilflosigkeit mit ME/CFS anfühlt – über Angst, Kontrolle und die Suche nach Sicherheit, wenn der Körper nicht mehr schützt.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/verletzlichkeit-mecfs-sicherheit-alleinsein/</link><guid isPermaLink="false">68fdc59ddede6f000193e588</guid><category><![CDATA[Alltag mit ME/CFS]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja ]]></dc:creator><pubDate>Wed, 15 Apr 2026 10:12:18 GMT</pubDate><media:content url="https://images.unsplash.com/photo-1639399522299-44739fb51a91?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDQ1fHxhbmdzdHxlbnwwfHx8fDE3NjE0NjIyMjJ8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://images.unsplash.com/photo-1639399522299-44739fb51a91?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDQ1fHxhbmdzdHxlbnwwfHx8fDE3NjE0NjIyMjJ8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" alt="Verletzlichkeit, mein stiller Begleiter mit ME/CFS"><p>Ich liege wach und h&#xF6;re auf jedes Ger&#xE4;usch.<br>Jedes Knacken im Fachwerkgeb&#xE4;lk l&#xE4;sst mich zusammenzucken. Ist das wirklich das Holz &#x2013; oder sind das Schritte?</p><p>Ich traue mich nicht, die Ger&#xE4;usche mit den Ohrenst&#xF6;pseln auszusperren. Der Gedanke, erst wach zu werden, wenn jemand neben mir steht, raubt mir den Atem.</p>
<!--kg-card-begin: html-->
<iframe width="100%" height="112" frameborder="0" scrolling="no" style="width: 100%; height: 112px; overflow: hidden;" src="https://cast.pacing-mecfs.de/@tanjas_pacing_blog/episodes/verletzlichkeit-mein-stiller-begleiter-bei-me-cfs/embed"></iframe>
<!--kg-card-end: html-->
<p>In Gedanken gehe ich das Haus durch. Ob ich wirklich die Haust&#xFC;r abgeschlossen habe. Ob unten alle T&#xFC;ren zu sind, die zum Flur und zur Treppe f&#xFC;hren. Neben mir liegt die Schere auf dem Nachttisch, das Licht in J&#xFC;rgens leerem Zimmer brennt.</p><p>Was von au&#xDF;en vielleicht wie Panik wirkt, f&#xFC;hlt sich f&#xFC;r mich eher nach etwas anderem an.</p><p>Nach Hilflosigkeit.</p><p>J&#xFC;rgen ist ein paar Tage gesch&#xE4;ftlich unterwegs und ich bin allein. Was fr&#xFC;her einfach selbstverst&#xE4;ndlich war, bringt mich heute um den Schlaf. Nicht, weil ich mich einsam f&#xFC;hle oder ihm misstraue, sondern weil ich sp&#xFC;re, wie sehr sich etwas ver&#xE4;ndert hat.</p><p>Ich f&#xFC;hle mich verletzlich.</p><p>Fr&#xFC;her h&#xE4;tte ich mich stark genug gef&#xFC;hlt, um zu reagieren, wenn etwas passiert. Ich h&#xE4;tte mir zugetraut, wegzulaufen, mich zu wehren, irgendetwas zu tun.</p><p>Heute wei&#xDF; ich:</p><p>Ich k&#xF6;nnte es nicht.</p><p>Dieses Wissen sitzt tief. Es ist nicht laut, nicht st&#xE4;ndig pr&#xE4;sent, aber es ver&#xE4;ndert etwas Grundlegendes &#x2013; nicht nur k&#xF6;rperlich, sondern auch in dem, wie ich mich in der Welt bewege.</p><p>Als unser Hund Oskar noch bei uns war, kannte ich diese Angst nicht. Seine blo&#xDF;e Anwesenheit hat gereicht, um mir ein Gef&#xFC;hl von Schutz zu geben.</p><p>Nat&#xFC;rlich wei&#xDF; ich, dass ein Einbruch unwahrscheinlich ist.<br>Und trotzdem f&#xFC;hlt sich selbst das Unwahrscheinliche pl&#xF6;tzlich bedrohlich an.</p><p>Die eigene Schw&#xE4;che wird sp&#xFC;rbar &#x2013; nicht nur als Symptom, sondern als Realit&#xE4;t.</p><p>Gedanken kreisen unaufh&#xF6;rlich und lassen mich Stunde f&#xFC;r Stunde wach liegen. Wenn doch mein H&#xF6;rbuch mich wie sonst in den Schlaf begleiten w&#xFC;rde. Stattdessen meldet sich meine Blase &#x2013; immer dann, wenn ich denke, gleich schlafe ich ein.</p><p>Irgendwann kommt der Schlaf. Flach, noch weniger erholsam als sonst. Mein K&#xF6;rper reagiert auf jedes Ger&#xE4;usch, und ich merke, wie ein Kreislauf entsteht: Je weniger Sicherheit, desto mehr Stress. Und je mehr Stress, desto instabiler mein System.</p><p>Mein Kopf wei&#xDF;, dass mir das nicht guttut. Aber ich finde gerade keinen Weg, mir dieses Gef&#xFC;hl von Sicherheit selbst zur&#xFC;ckzugeben.</p><p>Also versuche ich, es an anderer Stelle auszugleichen. Nehme mein Pacing tags&#xFC;ber noch ernster, halte alles m&#xF6;glichst ruhig und &#xFC;berschaubar und z&#xE4;hle die N&#xE4;chte, bis J&#xFC;rgen wieder da ist.</p><p>Dann kann ich wieder schlafen.</p><p>Nicht, weil sich objektiv etwas ver&#xE4;ndert h&#xE4;tte.</p><p>Sondern weil sich etwas in mir beruhigt.</p><p></p><blockquote>Du m&#xF6;chtest den Beitrag kommentieren?<br>Die Kommentarfunktion ist im Mitgliederbereich freigeschaltet.<br><br>&#xDC;ber <strong>&#x201E;Subscribe&#x201C;</strong> kannst Du Dich registrieren und bekommst eine Nachricht bei neuen Posts.<br>Mit <strong>&#x201E;Sign in&#x201C;</strong> meldest Du Dich an, um zu kommentieren oder zu liken.<br><br>Ich freue mich &#xFC;ber Deine Gedanken zum Beitrag.</blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/gemeinsame-traurigkeit/" rel="noreferrer">Gemeinsam trauern aber auch hoffen</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/gefuhle-unter-kontrolle/" rel="noreferrer">Gef&#xFC;hle lieber unter Kontrolle</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/missverstandnis-hoffnung/" rel="noreferrer">Das Missverst&#xE4;ndnis mit der Hoffnung</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/keine-reise-bilanz/" rel="noreferrer">Keine Reise. - Zwischen Termin und Crash</a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Zwischen Blicken und Grenzen]]></title><description><![CDATA[Ich kann laufen – aber nicht immer die Folgen tragen. Ein persönlicher Text über ME/CFS, Rollstuhl als Schutz und innere Zweifel.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/zwischen-blicken-und-grenzen-mecfs/</link><guid isPermaLink="false">69c1051bdede6f000193fa09</guid><category><![CDATA[Alltag mit ME/CFS]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja ]]></dc:creator><pubDate>Sat, 11 Apr 2026 08:40:29 GMT</pubDate><media:content url="https://images.unsplash.com/photo-1593086586362-d83c6bf009b3?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDIyfHx3aGVlbGNoYWlyfGVufDB8fHx8MTc3NDI1ODkxNHww&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://images.unsplash.com/photo-1593086586362-d83c6bf009b3?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDIyfHx3aGVlbGNoYWlyfGVufDB8fHx8MTc3NDI1ODkxNHww&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" alt="Zwischen Blicken und Grenzen"><p>&#x201E;Brauchst Du den Rollstuhl wirklich? Es sind doch nur ein paar Schritte bis zum Eingang.&#x201C;</p><p>Ich &#xFC;berlege.</p>
<!--kg-card-begin: html-->
<iframe width="100%" height="112" frameborder="0" scrolling="no" style="width: 100%; height: 112px; overflow: hidden;" src="https://cast.pacing-mecfs.de/@tanjas_pacing_blog/episodes/zwischen-blicken-und-grenzen/embed"></iframe>
<!--kg-card-end: html-->
<p>Ich kann laufen. Auch mit ME/CFS.<br>Die Strecke w&#xE4;re auch machbar. Zumindest jetzt, vor dem Arzttermin. Ein paar Schritte &#xFC;ber den Parkplatz, durch die T&#xFC;r, vielleicht noch bis zum Empfang. Es ist nicht so, dass sich mein K&#xF6;rper an dieser Stelle verweigern w&#xFC;rde. Er gibt mir diese M&#xF6;glichkeit &#x2013; zumindest f&#xFC;r den Moment.</p><p>Und gleichzeitig rechne ich.</p><p>Weniger Schritte w&#xFC;rden Energie sparen. Ich m&#xFC;sste weder stehen noch aufstehen, wenn ich aufgerufen werde. Vor allem aber ist es im Sitzen deutlich weniger anstrengend, wenn alles lauter, heller und unruhiger wird. Es sind eben nicht nur Bewegungen, die Energie kosten, sondern auch Reize.</p><p>Und ich wei&#xDF;, was passieren kann, w&#xE4;hrend ich &#x2013; von au&#xDF;en betrachtet &#x2013; einfach nur zwischen den anderen Patienten sitze. Dann sp&#xFC;re ich f&#xF6;rmlich, wie die Kraft aus meinen Muskeln herauszuflie&#xDF;en scheint, wie sich in mir langsam etwas zusammenzieht, als w&#xFC;rde jemand einen Schalter dimmen. Meine Gedanken werden langsamer, br&#xFC;chiger, und dieser dumpfe Druck entsteht, der sich sp&#xE4;ter zu Kopfschmerzen entwickeln kann. Jedes Ger&#xE4;usch scheint pl&#xF6;tzlich doppelt und dreifach so laut, das Licht viel heller.</p><p>Nichts davon ist sofort dramatisch.<br>Aber alles davon kostet &#x2013; mit jeder Minute mehr.</p><p>Ich atme tief durch und entscheide mich f&#xFC;r den Rollstuhl. Und im ersten Moment f&#xFC;hlt sich die Entscheidung auch richtig gut an. Doch noch bevor mich mein Mann Richtung Aufzug schiebt, ist er wieder da &#x2013; dieser Gedanke. Erst leise, fast unauff&#xE4;llig, aber doch schon sehr klar. Und je l&#xE4;nger ich im Rollstuhl sitze, desto pr&#xE4;senter wird er.</p><p>&#xDC;bertreibe ich gerade?</p><p>Im Gegensatz zu anderen kann ich doch laufen. Da ist kein klar formulierter Vorwurf, eher ein inneres Infragestellen. So als m&#xFC;sste ich mich schon rechtfertigen, bevor mich jemand &#xFC;berhaupt angeklagt hat. Es f&#xFC;hlt sich ein bisschen an, wie Hochstapelei. &#xA0;</p><p>Denn ich habe gemerkt: Wenn ich im Rollstuhl sitze, verschiebt sich etwas. Ich werde anders gelesen. Das Kranksein ist pl&#xF6;tzlich eindeutiger und weniger erkl&#xE4;rungsbed&#xFC;rftig. Ohne ihn bleibt mehr bei mir: Ich muss viel mehr darum k&#xE4;mpfen, dass mein Zustand als das gesehen wird, was er mit ME/CFS ist.</p><p>Im Wartezimmer sitze ich im Rollstuhl und sp&#xFC;re beides gleichzeitig. Eine gewisse Ruhe, weil ich Energie spare und versuche, den Preis so gering wie m&#xF6;glich zu halten. Und dieses feine Unbehagen, weil ich wei&#xDF;, dass ich aufstehen kann &#x2013; zum Beispiel, wenn ich zur Toilette gehe.</p><p>Und mit den Blicken kommt sofort diese Verschiebung. Als w&#xFC;rde ich mich selbst infrage stellen, in dem Moment, in dem ich mich bewege. Nicht unbedingt, weil jemand etwas sagt, sondern weil etwas in diesen Blicken liegt, das ich zu gut kenne.</p><p>Als w&#xFC;rde ich ertappt. Obwohl ich genau wei&#xDF;, dass ich nichts vort&#xE4;usche.</p><p>Denn ich kann laufen. Aber ich kann mir das Laufen nicht immer leisten.</p><p>Nat&#xFC;rlich gibt es auch diese Tage, an denen ich den Rollstuhl wirklich brauche, weil die Energie von Anfang an fehlt. Aber hier geht es um etwas anderes: um dieses Dazwischen. Um Tage, an denen etwas m&#xF6;glich ist. An denen der Schutz trotzdem notwendig ist, weil ich die Konsequenzen kenne - und versuche, ihnen zuvorzukommen.</p><p>Der Rollstuhl macht diese Zwischenzone sichtbar. Aber er erkl&#xE4;rt sie nicht. Er zeigt eine Entscheidung, die ich getroffen habe - nicht das, was dahinter liegt. Und so bleibt ein Rest Unsicherheit &#x2013; f&#xFC;r andere, aber auch f&#xFC;r mich.</p><p>Manchmal f&#xFC;hlt es sich sogar so an, als w&#xFC;rde ich in eine Rolle schl&#xFC;pfen, sobald ich mich hineinsetze. Nicht, weil sie falsch ist, sondern weil sie klarer und eindeutiger wirkt als das, was ich in diesem Moment innerlich erlebe.</p><p>Im Rollstuhl bin ich eindeutig krank.<br>Au&#xDF;erhalb davon bin ich angreifbarer &#x2013; auch f&#xFC;r meine eigenen Zweifel.</p><p>Vielleicht ist genau das der schwierigste Punkt:<br>Dass sich richtige Entscheidungen nicht immer richtig anf&#xFC;hlen. Dass Schutz sich wie &#xDC;bertreibung anf&#xFC;hlen kann und nach au&#xDF;en anders wirkt, als er sich innen anf&#xFC;hlt.</p><p>Ich entscheide mich nicht, weil ich nicht kann.<br>Ich entscheide mich, weil ich wei&#xDF;, was es kostet.</p><p>Und weil ich die Blicke der anderen nicht &#xFC;ber meinen Schutz stelle &#x2013;<br>auch dann nicht, wenn ein Teil von mir noch fragt, ob ich &#xFC;bertreibe.</p><p></p><blockquote>Du m&#xF6;chtest den Beitrag kommentieren?<br>Die Kommentarfunktion ist im Mitgliederbereich freigeschaltet.<br><br>&#xDC;ber <strong>&#x201E;Subscribe&#x201C;</strong> kannst Du Dich registrieren und bekommst eine Nachricht bei neuen Posts.<br>Mit <strong>&#x201E;Sign in&#x201C;</strong> meldest Du Dich an, um zu kommentieren oder zu liken.<br><br>Ich freue mich &#xFC;ber Deine Gedanken zum Beitrag.</blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/dankbarkeit-scham/" rel="noreferrer">Wenn Dankbarkeit leise macht</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/innere-bilder" rel="noreferrer">Wenn die inneren Bilder verschwinden</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/bruecke/" rel="noreferrer">Manchmal braucht es eine Br&#xFC;cke um ME/CFS zu verstehen</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/coping-akzeptanz/" rel="noreferrer">Coping und Akzeptanz</a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Off-Label bei ME/CFS: Vier Medikamente – und was sie über diese Erkrankung sagen]]></title><description><![CDATA[Die neue Off-Label-Liste für ME/CFS und Long Covid ist da. Vier Medikamente – und viele offene Fragen zu Versorgung, Zugang und Kosten.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/off-label-mecfs-long-covid-medikamente-fragen/</link><guid isPermaLink="false">69d37529dede6f000193fb63</guid><category><![CDATA[Position]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja ]]></dc:creator><pubDate>Tue, 07 Apr 2026 12:04:25 GMT</pubDate><media:content url="https://images.unsplash.com/photo-1631980838946-755ba8443ab7?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDIxfHxNZWRpa2FtZW50ZXxlbnwwfHx8fDE3NzU0Nzc2MjR8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://images.unsplash.com/photo-1631980838946-755ba8443ab7?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDIxfHxNZWRpa2FtZW50ZXxlbnwwfHx8fDE3NzU0Nzc2MjR8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" alt="Off-Label bei ME/CFS: Vier Medikamente &#x2013; und was sie &#xFC;ber diese Erkrankung sagen"><p>Endlich ist sie da.</p><p>Gespannt &#xF6;ffne ich den Artikel mit den Off-Label-Medikamenten f&#xFC;r Long Covid und ME/CFS &#x2013; also Medikamenten, die au&#xDF;erhalb ihrer eigentlichen Zulassung eingesetzt werden.</p>
<!--kg-card-begin: html-->
<iframe width="100%" height="112" frameborder="0" scrolling="no" style="width: 100%; height: 112px; overflow: hidden;" src="https://cast.pacing-mecfs.de/@tanjas_pacing_blog/episodes/off-label-bei-me-cfs-vier-medikamente-und-was-sie-uber-diese-erkrankung-sagen/embed"></iframe>
<!--kg-card-end: html-->
<p>Ich kann nicht fassen, was ich da lese. Ich sch&#xFC;ttele den Kopf und sp&#xFC;re, wie Wut in mir aufsteigt. Wie mir ma&#xDF;lose Entt&#xE4;uschung Tr&#xE4;nen in die Augen treibt.</p><p>Und dann dieser Impuls zu schreien.</p><p>Doch ich darf nicht.</p><p>Auch wenn es in mir noch so sehr brodelt &#x2013; es w&#xFC;rde zu viel kosten. Ich muss warten, bis sich meine Emotionen ein wenig beruhigt haben, bevor ich mich weiter mit dem Thema besch&#xE4;ftige.</p><p><strong>Wieder Entt&#xE4;uschung </strong></p><p>F&#xFC;nf Jahre ist es her, dass durch Long Covid auch ME/CFS st&#xE4;rker in den Fokus ger&#xFC;ckt ist. Vor 30 Monaten wurde eine Off-Label-Liste angek&#xFC;ndigt, die nun endlich vorliegt. Und Berlin kommuniziert das als wichtigen Schritt. Bei mir l&#xF6;st das aber kein Gef&#xFC;hl der Erleichterung aus. Stattdessen Entt&#xE4;uschung. Wieder einmal.</p><p>W&#xE4;hrend &#xD6;sterreich es schafft, innerhalb von nur drei Monaten 21 Medikamente/Wirkstoffe auf die Liste zu setzen, haben es in Deutschland nach aktuellem Stand gerade einmal vier geschafft.</p><p>Zwei davon aus der Gruppe der Antidepressiva.</p><p>Warum gerade Medikamente aus dieser Gruppe?</p><p>Weil sie f&#xFC;r einen vertrauten Weg stehen &#x2013; f&#xFC;r die Behandlung dessen, was messbar und bekannt ist? Ja &#x2013; sie k&#xF6;nnen sinnvoll sein, etwa zur Linderung von Schmerzen oder zur Stabilisierung einzelner Symptome. Aber was bedeutet das f&#xFC;r die Einordnung dieser Erkrankung?</p><p><strong>Nur auf dem Papier</strong></p><p>Seit vielen Jahren ringen wir darum, dass ME/CFS als das anerkannt wird, was es ist: eine schwere, oft lebensver&#xE4;ndernde k&#xF6;rperliche Erkrankung &#x2013; bereits 1969 von der WHO als neurologische Erkrankung klassifiziert. Doch noch immer h&#xE4;lt sich &#x2013; entgegen neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen &#x2013; die &#xDC;berzeugung, dass eine psychische Ursache vorliegt. Und dann wird genau diese &#xDC;berzeugung durch eine solche Liste weiter gen&#xE4;hrt.</p><p>W&#xE4;hrend das, was diese Erkrankung in ihrem Kern ausmacht, in der Versorgung weiterhin fast unber&#xFC;hrt bleibt.</p><p>Auf dem Papier ist damit etwas passiert.</p><p>Nun kann niemand mehr sagen, wir werden ignoriert. Nationale Dekade, Off-Label-Liste. Auf den ersten Blick ein Schritt nach vorne.</p><p>Doch was bleibt davon, wenn man genauer hinschaut?</p><p><strong>&#xC4;ndert sich etwas?</strong></p><p>Die Medikamente, die f&#xFC;r mich und viele andere einen Unterschied machen, haben es nicht auf die Liste geschafft. Die m&#xFC;ssen wir nach wie vor aus eigener Tasche bezahlen. Weil es keine valide Studienlage dazu gibt.</p><p>Ja, nat&#xFC;rlich gibt es diese Studien nicht.</p><p>Weil &#xFC;ber Jahrzehnte kaum geforscht wurde.</p><p>Und selbst jetzt wird ein Teil der dringend notwendigen Medikamentenstudien nicht aus der Regelversorgung heraus finanziert, sondern von Initiativen und Stiftungen getragen.</p><p>Gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass konkrete Behandlungsans&#xE4;tze weiterhin nur z&#xF6;gerlich vorangetrieben werden.</p><p>Doch was passiert mit uns? Sollen wir weiter leiden? Weiter an Grenzen geraten, die f&#xFC;r manche unertr&#xE4;glich werden?</p><p>Ich habe nicht das Gef&#xFC;hl, dass sich in der Versorgung etwas ver&#xE4;ndert.</p><p>Ich habe Zugang zu Off-Label-Medikamenten. Aber selbstverst&#xE4;ndlich ist das nicht. Und gleichzeitig sehe ich, wie viele diesen Zugang nicht haben &#x2013; weil ihnen das Geld fehlt, ein informierter Arzt oder schlicht die Kraft, sich durch dieses System zu k&#xE4;mpfen.</p><p>Zugang entsteht so nicht aus Bedarf.</p><p>Sondern aus M&#xF6;glichkeiten.</p><p>Und genau hier beginnt die eigentliche Frage.</p><p>Wenn Versorgung nicht am Bedarf ausgerichtet ist &#x2013; woran dann?</p><p><strong>Geht es um Kosten?</strong></p><p>Je l&#xE4;nger ich mich mit dieser Liste besch&#xE4;ftige, desto mehr dr&#xE4;ngt sich eine andere &#xDC;berlegung auf: Geht es hier wirklich nur um fehlende Evidenz &#x2013; oder auch um die Kosten, die entstehen w&#xFC;rden, wenn man diese Erkrankung konsequent versorgen w&#xFC;rde?</p><p>Ich denke, es sind nicht die einzelnen Medikamente, die f&#xFC;r sich genommen vergleichsweise g&#xFC;nstig erscheinen. Es ist vielmehr die Kombinationen, die viele von uns ben&#xF6;tigen &#x2013; individuell abgestimmt und dauerhaft. Und wir sind nicht wenige. Sch&#xE4;tzungen gehen inzwischen von weit mehr als 1,5 Millionen Betroffenen in Deutschland aus, wenn man ME/CFS und Long Covid zusammen betrachtet.</p><p>Damit wird aus einer medizinischen Frage zwangsl&#xE4;ufig auch eine wirtschaftliche.</p><p>Und ich frage mich:</p><p>Wie viel Einfluss hat diese Dimension auf die Entscheidungen, die getroffen werden?</p><p>Aus Betroffenenperspektive entsteht ein Eindruck, der schwer auszuhalten ist. Dass Zur&#xFC;ckhaltung dort besonders gro&#xDF; ist, wo Versorgung nicht nur komplex, sondern auch kostentr&#xE4;chtig werden k&#xF6;nnte. Und dass die Stimmen derer, die mit dieser Erkrankung leben, dabei oft leiser bleiben als die Logik eines Systems, das vor allem eines sein muss: berechenbar.</p><p>Wir haben in den letzten Jahren erlebt, dass Systeme schnell handeln k&#xF6;nnen, wenn etwas Priorit&#xE4;t hat. Dass Verfahren beschleunigt werden k&#xF6;nnen und Entscheidungen nicht unbedingt Jahrzehnte brauchen.</p><p>Und gleichzeitig erleben wir bei ME/CFS auch weiterhin das Gegenteil: Zur&#xFC;ckhaltung, Verz&#xF6;gerung und minimale Schritte. Das ist f&#xFC;r viele Betroffene keine theoretische Frage, sondern seit Jahren Alltag. F&#xFC;r manche schon seit Jahrzehnten.</p><p><strong>Was bleibt</strong></p><p>Und so bleibt f&#xFC;r mich am Ende ein Eindruck, der sich schwer absch&#xFC;tteln l&#xE4;sst:</p><p>Dass es nicht am Wissen fehlt. Sondern am Willen, dieses Wissen auch in Versorgung zu &#xFC;bersetzen.</p><p>Dass wir l&#xE4;ngst wissen, wie gro&#xDF; diese Patientengruppe ist. Und dass wir ahnen, was es bedeuten w&#xFC;rde, sie wirklich zu versorgen.</p><p>Und dass genau darin vielleicht ein Teil der Antwort liegt.</p><p>Ich kann heute nicht mehr sagen, dass nichts f&#xFC;r uns getan wird. Aber ich kann auch nicht sagen, dass sich f&#xFC;r uns wirklich etwas ver&#xE4;ndert.</p><p>Und das ist manchmal noch schwerer auszuhalten.</p><p></p><blockquote>Du m&#xF6;chtest den Beitrag kommentieren?<br>Die Kommentarfunktion ist im Mitgliederbereich freigeschaltet.<br><br>&#xDC;ber <strong>&#x201E;Subscribe&#x201C;</strong> kannst Du Dich registrieren und bekommst eine Nachricht bei neuen Posts.<br>Mit <strong>&#x201E;Sign in&#x201C;</strong> meldest Du Dich an, um zu kommentieren oder zu liken. <br><br>Ich freue mich &#xFC;ber Deine Gedanken zum Beitrag.</blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/dekade/" rel="noreferrer">Nationale Dekade gegen postinfekti&#xF6;se Erkrankungen &#x2013; Gro&#xDF;e Worte, aber gro&#xDF;e Fragen bleiben offen</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/63-milliarden-schaden/" rel="noreferrer">63 Milliarden Schaden, null Lobby: Warum ME/CFS weiter ignoriert wird</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/wie-sage-ich-es/" rel="noreferrer">Wie sage ich anderen, wie es mir geht?</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/nachgefragt-3/" rel="noreferrer">Nachgefragt # 3: Warum ducken sich die &#xC4;rzte weg, wenn es um ME/CFS geht?</a></p><p></p><p>Quellen:</p><figure class="kg-card kg-bookmark-card"><a class="kg-bookmark-container" href="https://www.g-ba.de/presse/pressemitteilungen-meldungen/1322?ref=pacing-mecfs.de"><div class="kg-bookmark-content"><div class="kg-bookmark-title">Long/Post-COVID: Vier Wirkstoffe werden im Off-Label-Use verordnungsf&#xE4;hig</div><div class="kg-bookmark-description">Pressemitteilungen und Meldungen des Gemeinsamen Bundesausschusses</div><div class="kg-bookmark-metadata"><img class="kg-bookmark-icon" src="https://www.g-ba.de/assets-version-1774852625/favicon.ico" alt="Off-Label bei ME/CFS: Vier Medikamente &#x2013; und was sie &#xFC;ber diese Erkrankung sagen"><span class="kg-bookmark-author">Gemeinsamer Bundesausschuss</span></div></div><div class="kg-bookmark-thumbnail"><img src="https://www.g-ba.de/assets-version-1774852625/bundles/gbadesignsystem/img/og-image-default.jpg" alt="Off-Label bei ME/CFS: Vier Medikamente &#x2013; und was sie &#xFC;ber diese Erkrankung sagen"></div></a></figure><figure class="kg-card kg-bookmark-card"><a class="kg-bookmark-container" href="https://www.tara24.at/forschung-wissenschaft/neue-off-label-medikamentenliste-bei-post-covid-und-me-cfs/?ref=pacing-mecfs.de"><div class="kg-bookmark-content"><div class="kg-bookmark-title">Neue Off-Label-Medikamentenliste bei Post Covid und ME/CFS</div><div class="kg-bookmark-description">Auch f&#xFC;nf Jahre nach Start der Corona-Pandemie k&#xF6;nnen postvirale Erkrankungen wie Post Covid nur symptomlindernd behandelt werden. Neben einer Stabilisierung der Patienten kann mit einer solchen&#x2026;</div><div class="kg-bookmark-metadata"><img class="kg-bookmark-icon" src="https://www.tara24.at/wp-content/uploads/2023/08/cropped-favicon-270x270.jpg" alt="Off-Label bei ME/CFS: Vier Medikamente &#x2013; und was sie &#xFC;ber diese Erkrankung sagen"><span class="kg-bookmark-author">TARA24</span><span class="kg-bookmark-publisher">Redaktion</span></div></div><div class="kg-bookmark-thumbnail"><img src="https://www.tara24.at/wp-content/uploads/2025/02/AdobeStock_450410240-scaled.jpeg" alt="Off-Label bei ME/CFS: Vier Medikamente &#x2013; und was sie &#xFC;ber diese Erkrankung sagen"></div></a></figure>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Nachtgedanken]]></title><description><![CDATA[Was bedeutet Überleben, wenn es kein Danach gibt? Ein persönlicher Text über ME/CFS, das Dazwischen und ein leises ‚Hang in there‘.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/nachtgedanken-mit-mecfs/</link><guid isPermaLink="false">69cfa605dede6f000193fb0b</guid><category><![CDATA[Innensichten]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja ]]></dc:creator><pubDate>Sat, 04 Apr 2026 07:49:19 GMT</pubDate><media:content url="https://images.unsplash.com/photo-1479267658415-ff274a213280?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDE3fHxuaWdodHxlbnwwfHx8fDE3NzUyMzk4MDl8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://images.unsplash.com/photo-1479267658415-ff274a213280?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDE3fHxuaWdodHxlbnwwfHx8fDE3NzUyMzk4MDl8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" alt="Nachtgedanken"><p><em>&#x201E;I&#x2019;m a Survivor.&#x201C;</em></p><p>Es ist 4:18 Uhr. Ich liege wach und seit einer Weile l&#xE4;uft unaufh&#xF6;rlich dieses Lied in meinem Kopf. Noch halb im Schlaf hatte es schon etwas Dr&#xE4;ngendes, als wollte es mir unbedingt etwas sagen.</p><p>Immer wieder die Melodie, der Refrain <em>&#x201E;I&#x2019;m a Survivor.&#x201C;</em></p>
<!--kg-card-begin: html-->
<iframe width="100%" height="112" frameborder="0" scrolling="no" style="width: 100%; height: 112px; overflow: hidden;" src="https://cast.pacing-mecfs.de/@tanjas_pacing_blog/episodes/nachtgedanken/embed"></iframe>
<!--kg-card-end: html-->
<p>Ja &#x2013; das w&#xFC;rde ich gerne &#xFC;ber mich sagen. Ich w&#xE4;re so gerne die, die sagen kann: Ich habe es &#xFC;berlebt. </p><p>Eine &#xDC;berlebende. Wie sich das anh&#xF6;rt.</p><p>Von einer Krankheit, die nicht auf den ersten Blick t&#xF6;dlich ist &#x2013; und doch Leben verhindert. Die jeden Tag ein bisschen mehr zum Gef&#xE4;ngnis wird und an manchen Tagen etwas von Folter hat. Die Menschen an Grenzen bringt, die kaum auszuhalten sind.<br><br>Und die auch dort lebensbedrohlich werden kann, wo man es von au&#xDF;en nicht sieht: Wenn der K&#xF6;rper keine Nahrung mehr vertr&#xE4;gt. Wenn selbst Schlucken zu viel Kraft kostet. Wenn Unterst&#xFC;tzung fehlt, die eigentlich selbstverst&#xE4;ndlich sein sollte.<br><br>Auch das geh&#xF6;rt zu ME/CFS. <br>Und es ist ein Teil der Realit&#xE4;t, der selten benannt wird.</p><p>W&#xE4;hrend ich das denke, merke ich, wie nah diese beiden M&#xF6;glichkeiten nebeneinander liegen: die, die sagen kann, ich habe &#xFC;berlebt &#x2013; und die, die es nicht schafft.<br>Beides ist m&#xF6;glich.</p><p>Heute Nacht sp&#xFC;re ich beides. Die Sehnsucht nach der einen Seite. Und die Angst vor der anderen.</p><p>Ich bin nicht danach. Ich bin mittendrin. Vielleicht ist es genau das, was es so schwer macht &#x2013; dass es keinen klaren Punkt gibt, an dem etwas entschieden ist.</p><p>Und w&#xE4;hrend ich dar&#xFC;ber nachdenke, l&#xE4;uft dieses Lied weiter.<br><em>I&#x2019;m a Survivor.</em><br>Und ich frage mich, ob das f&#xFC;r mich stimmt.</p><p>Wenn ich zur&#xFC;ckblicke, wirkt vieles wie aus einem anderen Leben. 2022 konnte ich noch reisen, 2024 sogar noch einmal nach Malaga. Heute ist das kaum vorstellbar. </p><p>Ich denke an das Bild, das mir J&#xFC;rgen vorhin geschickt hat. Drei gl&#xFC;ckliche Gesichter am spanischen Strand. Tr&#xE4;nen steigen in meine Augen. Wie gerne w&#xE4;re ich dabei gewesen. H&#xE4;tte diesen Augenblick so gerne mit ihnen zusammen erlebt. Die Meeresluft eingeatmet, den Wind in meinen Haaren gesp&#xFC;rt und den Wellen zugesehen.</p><p>Werde ich das Meer noch einmal sehen k&#xF6;nnen? </p><p>Mit dem Flugzeug zw&#xF6;lf Stunden von T&#xFC;r zu T&#xFC;r, mit dem Auto mindestens 15 und eine Zwischen&#xFC;bernachtung. Und ich frage mich, ob es aushaltbar w&#xE4;re. Wahrscheinlich w&#xFC;rde ich es &#xFC;berstehen. Aber zu welchem Preis? Was w&#xE4;re danach noch &#xFC;brig?</p><p>Diese Frage ist geblieben. Und sie ist gr&#xF6;&#xDF;er geworden.</p><p>Mein Leben ist enger geworden, Schritt f&#xFC;r Schritt. Ich merke, wie sich mein Spielraum verkleinert, wie die bin, die inzwischen fast nur zu Hause bleibt. Und ich m&#xF6;chte das nicht sein. Ich m&#xF6;chte nicht diejenige sein, die zur&#xFC;ckbleibt, w&#xE4;hrend das Leben der anderen weitergeht.</p><p>Gerade jetzt, allein zu Hause, merke ich, wie viel mir J&#xFC;rgen abgenommen hat. Kleine G&#xE4;nge, Mahlzeiten. &#xA0;Ich komme klar &#x2013; wenn ich mich auf das allern&#xF6;tigste beschr&#xE4;nke. Mahlzeiten, ein bisschen Hygiene und ein oder zwei kurze Telefonate mit J&#xFC;rgen &#x2013; mehr ist nicht drin.</p><p>Manche Dinge verschieben sich so weit, dass sie fast nebens&#xE4;chlich wirken und gleichzeitig so viel Raum einnehmen. Haare waschen zum Beispiel. Im Moment geht es nicht. Also warte ich &#x2013; bis J&#xFC;rgen wieder da ist.</p><p>So sieht es gerade aus. <br>Und w&#xE4;hrend ich hier liege und das alles denke, l&#xE4;uft dieses Lied weiter.</p><p><em>I&#x2019;m a Survivor.</em></p><p>Ich wei&#xDF; nicht, ob ich das irgendwann einmal sagen kann. Noch nicht.</p><p>Im Moment kann ich nur sagen: Ich bin noch da.<br>Und vielleicht ist genau das gerade mein &#xDC;berleben.</p><p>Vielleicht ist es das, was dieses Lied mir sagen wollte.<br>Kein gro&#xDF;es &#x201E;I&#x2019;m a Survivor&#x201C;.</p><p>Sondern einfach nur:<br><em>Hang in there.</em></p><p></p><blockquote>Du m&#xF6;chtest den Beitrag kommentieren?<br>Die Kommentarfunktion ist im Mitgliederbereich freigeschaltet.<br><br>&#xDC;ber <strong>&#x201E;Subscribe&#x201C;</strong> kannst Du Dich registrieren und bekommst eine Nachricht bei neuen Posts.<br>Mit <strong>&#x201E;Sign in&#x201C;</strong> meldest Du Dich an, um zu kommentieren oder zu liken.<br><br>Ich freue mich &#xFC;ber Deine Gedanken zum Beitrag.</blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/missverstandnis-hoffnung/" rel="noreferrer">Das Missverst&#xE4;ndnis mit der Hoffnung</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/bruecke/" rel="noreferrer">Manchmal braucht es eine Br&#xFC;cke um ME/CFS zu verstehen</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/me-cfs-lachen/" rel="noreferrer">Darf es bei ME/CFS Lachen geben?</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/nein-und-vielleicht/" rel="noreferrer">Zwischen gar nicht und ein bisschen</a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Die fünf Ebenen des Pacings – und warum es weit mehr ist als körperliche Schonung]]></title><description><![CDATA[Warum Pacing bei ME/CFS weit über körperliche Schonung hinausgeht: fünf Ebenen von Belastung – und wie sie sich im Alltag überlagern.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/pacing-me-cfs-fuenf-ebenen/</link><guid isPermaLink="false">699348dadede6f000193f535</guid><category><![CDATA[Pacing]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja ]]></dc:creator><pubDate>Wed, 01 Apr 2026 06:13:36 GMT</pubDate><media:content url="https://images.unsplash.com/photo-1636837955417-2d8a4e49368f?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDIyfHxzb2Z0JTIwb3ZlcmxhcHBpbmclMjBnZW9tZXRyaWMlMjBzaGFwZXMlMjBiZWlnZSUyMGdyZXklMjB3aGl0ZXxlbnwwfHx8fDE3NzEyNjAwOTl8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://images.unsplash.com/photo-1636837955417-2d8a4e49368f?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDIyfHxzb2Z0JTIwb3ZlcmxhcHBpbmclMjBnZW9tZXRyaWMlMjBzaGFwZXMlMjBiZWlnZSUyMGdyZXklMjB3aGl0ZXxlbnwwfHx8fDE3NzEyNjAwOTl8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" alt="Die f&#xFC;nf Ebenen des Pacings &#x2013; und warum es weit mehr ist als k&#xF6;rperliche Schonung"><p>Als ich die Diagnose ME/CFS erhielt, war Pacing f&#xFC;r mich ein Fremdwort. Und selbst als ich begann, mich damit zu besch&#xE4;ftigen, schien es etwas recht Einfaches zu sein: nicht zu viel tun, sich k&#xF6;rperlich schonen, Kr&#xE4;fte einteilen. Eine Vorstellung, die nicht nur ich hatte. Auch viele Menschen in meinem Umfeld verbanden Pacing verst&#xE4;ndlicherweise vor allem mit Bewegung, Aktivit&#xE4;t, sichtbarer Anstrengung. Weniger gehen, weniger machen, mehr ruhen.</p>
<!--kg-card-begin: html-->
<iframe width="100%" height="112" frameborder="0" scrolling="no" style="width: 100%; height: 112px; overflow: hidden;" src="https://cast.pacing-mecfs.de/@tanjas_pacing_blog/episodes/die-funf-ebenen-des-pacings-und-warum-es-weit-mehr-ist-als-korperliche-schonung/embed"></iframe>
<!--kg-card-end: html-->
<p>Und doch f&#xFC;hlte sich meine Realit&#xE4;t anders an. Ich crashte. Immer wieder.</p><p><strong>&#xDC;berlastung zeigt sich auf unterschiedlichen Ebenen</strong></p><p>Es passte einfach nicht zusammen. Ich bewegte mich kaum, war vorsichtig, zur&#xFC;ckhaltend &#x2013; und stie&#xDF; dennoch st&#xE4;ndig an Grenzen, die sich weder sehen noch logisch erkl&#xE4;ren lie&#xDF;en. Erst sehr viel sp&#xE4;ter begann ich zu begreifen, dass &#xDC;berlastung auf ganz unterschiedlichen Ebenen entstehen kann. Dass sich Belastung nicht nur im K&#xF6;rper zeigt, sondern auch im Denken, im F&#xFC;hlen, in Reizen, selbst in der K&#xF6;rperhaltung.</p><p>Seitdem hat sich mein Verst&#xE4;ndnis von Pacing grundlegend ver&#xE4;ndert. </p><p><strong>K&#xF6;rperliche Ebene</strong><br><br>Nat&#xFC;rlich spielt das K&#xF6;rperliche eine Rolle. Zu viel Bewegung, zu langes Stehen, zu viele Wege &#x2013; das sind die offensichtlichen Dinge. Und doch musste ich selbst hier vieles neu verstehen. Einer der pr&#xE4;gendsten Momente f&#xFC;r mich war die Erkenntnis, dass auch Sprechen Anstrengung ist. Atmung, Muskulatur, Stimme &#x2013; ein Gespr&#xE4;ch kann den K&#xF6;rper sp&#xFC;rbar fordern.</p><p>Grenzen zeigen sich dabei selten klar. Eher wie ein leises Verschieben. Ein bisschen zu viel. Ein bisschen zu lange. Und manchmal reicht genau dieses &#x201E;bisschen&#x201C;, um alles ins Wanken zu bringen.</p><p>Genauso ungewohnt war die kognitive Seite. </p><p><strong>Kognitive Ebene</strong><br><br>Denken f&#xFC;hlte sich fr&#xFC;her selbstverst&#xE4;ndlich an, fast grenzenlos verf&#xFC;gbar. Erst mit ME/CFS wurde sp&#xFC;rbar, dass auch Konzentration, Zuh&#xF6;ren und Verarbeiten Energie verbrauchen.</p><p>Nicht pl&#xF6;tzlich, nicht laut &#x2013; eher schleichend. Gedanken werden klebrig, Gelesenes verliert seinen Sinn, der Kopf f&#xFC;hlt sich wattig und schwer an. Solche Momente haben etwas zutiefst Verunsicherndes. Vertrautes wird br&#xFC;chig, Selbstverst&#xE4;ndliches fragil. Ich habe gelernt, diese Signale nicht mehr als Scheitern zu lesen, sondern als leise Hinweise meines K&#xF6;rpers.</p><p>Noch schwerer greifbar ist die emotionale Ebene.</p><p><strong>Emotionale Ebene</strong></p><p>Dass Trauer, Angst oder Wut Kraft kosten, leuchtet ein. Was mich viel mehr irritiert hat: Auch sch&#xF6;ne Gef&#xFC;hle k&#xF6;nnen ersch&#xF6;pfen. Freude, Aufregung, Verbundenheit &#x2013; selbst das, was sich innerlich gut und richtig anf&#xFC;hlt, kann das Nervensystem stark aktivieren. Der K&#xF6;rper unterscheidet nicht zwischen gut und schlecht. Er reagiert auf Intensit&#xE4;t. Auch das anzunehmen, war ein Prozess.</p><p>Und dann gibt es diese sehr stille, oft &#xFC;bersehene Form der Anstrengung: aufrecht sein.</p><p><strong>K&#xF6;rperposition</strong></p><p>Stehen oder Sitzen wirken von au&#xDF;en banal. F&#xFC;r meinen K&#xF6;rper k&#xF6;nnen sie sich jedoch &#xFC;berraschend schwer anf&#xFC;hlen. Schwindel, innere Unruhe, dieses diffuse Gef&#xFC;hl von &#xDC;berforderung ohne erkennbare Ursache. Besonders deutlich wurde mir das in einem unscheinbaren Moment: mitten in einem Gespr&#xE4;ch mit meinem Mann.</p><p>Ich sp&#xFC;rte pl&#xF6;tzlich diesen fast k&#xF6;rperlichen Drang, den Sessel in die Liegeposition zu bringen. Und mit dem Zur&#xFC;cklehnen kam eine unerwartete Erleichterung. Denken und Sprechen fielen sp&#xFC;rbar leichter. Ein kleiner Moment &#x2013; und doch eine gro&#xDF;e Erkenntnis. Seitdem flie&#xDF;t auch die K&#xF6;rperhaltung in meine Entscheidungen ein. Nicht als starre Regel, sondern als achtsames Abw&#xE4;gen.</p><p>Schlie&#xDF;lich gab es noch etwas, das sich lange meiner Aufmerksamkeit entzog: Reize.</p><p><strong>Reize</strong></p><p>Es gibt Tage, an denen scheinbar nichts passiert &#x2013; und dennoch f&#xFC;hlt sich mein System &#xFC;berlastet an. Licht, Ger&#xE4;usche, Stimmen, visuelle Eindr&#xFC;cke, Ger&#xFC;che. Dinge, die fr&#xFC;her Hintergrund waren, k&#xF6;nnen pl&#xF6;tzlich zu viel werden. Manchmal begreife ich das erst im Nachhinein. Wie an dem Tag, als in der Nachbarschaft eine R&#xFC;ttelplatte stundenlang vibrierte. Keine Aktivit&#xE4;t, keine Anstrengung &#x2013; und dennoch dieses abrupte Gef&#xFC;hl innerer Leere, als h&#xE4;tte jemand einfach den Stecker gezogen.</p><p>Im Zusammensein mit meinen Enkeln wird mir besonders bewusst, wie sehr die verschiedenen Ebenen ineinandergreifen.</p><p><strong>Alle Ebenen bilden ein komplexes Ganzes</strong></p><p>Wenn sie da sind, ist da eine ganz eigene F&#xFC;lle. Stimmen, Bewegung, Lachen, Fragen, N&#xE4;he. Ich h&#xF6;re zu, versuche zu verstehen, was sie mir erz&#xE4;hlen, lasse mich von ihrer Welt mitnehmen. Und zugleich ist da eine tiefe Freude und Liebe zu ihnen. W&#xE4;hrend all das geschieht, ist auch mein K&#xF6;rper st&#xE4;ndig beteiligt. Ich gehe mit ihnen, wenn sie mir etwas zeigen wollen, beuge mich zu ihnen hinunter, hebe sie hoch. Kleine Gesten der N&#xE4;he, Bewegungen, die sich vertraut und selbstverst&#xE4;ndlich anf&#xFC;hlen &#x2013; und doch nicht einfach nur nebenbei passieren. Dazu kommt das Aufrechtsein, die Haltung, die Pr&#xE4;senz im Raum. Die Ger&#xE4;usche, die Dynamik, die Ger&#xFC;che und das fortw&#xE4;hrende Wechseln von Eindr&#xFC;cken.</p><p>Nichts davon steht f&#xFC;r sich allein. Alles geschieht gleichzeitig.</p><p>Gerade in solchen Momenten wird f&#xFC;r mich sp&#xFC;rbar, dass sich die Ebenen des Pacings nicht sauber voneinander trennen lassen. Sie &#xFC;berlagern sich, greifen ineinander, bilden ein einziges, komplexes Ganzes.</p><p>All das hat mein Verst&#xE4;ndnis von Pacing leise, aber tiefgreifend ver&#xE4;ndert.</p><p><strong>Neues Verst&#xE4;ndnis von Pacing</strong></p><p>Pacing ist l&#xE4;ngst kein Fremdwort mehr. Es ist ein t&#xE4;glicher Balanceakt zwischen Wahrnehmen, Anpassen und Akzeptieren. Kein starres Konzept, sondern etwas Lebendiges. Manchmal klar, manchmal widerspr&#xFC;chlich, oft herausfordernd. Und immer sehr individuell.</p><p>Was sich jedoch durchzieht, ist ein Gef&#xFC;hl von mehr Stabilit&#xE4;t, wenn nicht nur einzelne Aspekte, sondern ihr Zusammenspiel Beachtung finden.</p><p>Nicht perfekt, nicht immer verl&#xE4;sslich &#x2013; aber sp&#xFC;rbar.</p><p>Mit der Zeit begann ich zu verstehen, dass sich Belastung auf verschiedenen Ebenen zeigen kann: k&#xF6;rperlich, kognitiv, emotional, in der K&#xF6;rperhaltung und durch Reize.</p><p></p><blockquote>Du m&#xF6;chtest den Beitrag kommentieren?<br>Die Kommentarfunktion ist im Mitgliederbereich freigeschaltet.<br><br>&#xDC;ber <strong>&#x201E;Subscribe&#x201C;</strong> kannst Du Dich registrieren und bekommst eine Nachricht bei neuen Posts.<br>Mit <strong>&#x201E;Sign in&#x201C;</strong> meldest Du Dich an, um zu kommentieren oder zu liken. <br><br>Ich freue mich &#xFC;ber Deine Gedanken zum Beitrag.</blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/fake-energie-mecfs/" rel="noreferrer">Fake-Energie und ich: Wie die Adrenalinfalle versucht meinen K&#xF6;rper zu &#xFC;berlisten</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/pacing-statt-get-mecfs/" rel="noreferrer">Pacing statt GET &#x2013; warum sanftes Energiemanagement bei ME/CFS sinnvoller ist</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/stille-nach-dem-crash/" rel="noreferrer">Die Stille nach dem Crash</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/mama-hase/" rel="noreferrer">Was ist mit Mama Hase los?</a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Nur kurz vorbeikommen? Warum Besuche für Menschen mit ME/CFS zu viel sein können]]></title><description><![CDATA[Warum selbst ein kurzer Besuch für Menschen mit ME/CFS zu viel sein kann – und warum mein Körper darüber nicht mehr verhandelt.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/nur-kurz-besuch-mecfs/</link><guid isPermaLink="false">69ad14ccdede6f000193f82c</guid><category><![CDATA[Symptome & Reizüberflutung]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja ]]></dc:creator><pubDate>Sat, 28 Mar 2026 10:48:04 GMT</pubDate><media:content url="https://images.unsplash.com/photo-1527529482837-4698179dc6ce?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDR8fEZlaWVybnxlbnwwfHx8fDE3NzI5NTA4OTB8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://images.unsplash.com/photo-1527529482837-4698179dc6ce?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDR8fEZlaWVybnxlbnwwfHx8fDE3NzI5NTA4OTB8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" alt="Nur kurz vorbeikommen? Warum Besuche f&#xFC;r Menschen mit ME/CFS zu viel sein k&#xF6;nnen"><p>&#x201E;Komm doch wenigstens kurz vorbei.&#x201C;</p><p>Ich wei&#xDF;, der Satz ist freundlich gemeint. Manchmal f&#xE4;llt er am Telefon, manchmal in einer Nachricht und manchmal im pers&#xF6;nlichen Gespr&#xE4;ch. Und jedes Mal merke ich, wie in mir sofort etwas ins Stocken ger&#xE4;t. Es geht um Geburtstage. Familienfeiern. Hochzeiten im Freundeskreis.</p>
<!--kg-card-begin: html-->
<iframe width="100%" height="112" frameborder="0" scrolling="no" style="width: 100%; height: 112px; overflow: hidden;" src="https://cast.pacing-mecfs.de/@tanjas_pacing_blog/episodes/nur-kurz-vorbeikommen/embed"></iframe>
<!--kg-card-end: html-->
<p>&#x201E;Wir feiern nicht gro&#xDF;. Nur 50 Personen.&#x201C;</p><p>Oder: &#x201E;Nur ein bisschen zusammensitzen.&#x201C;</p><p>Und dann kommt fast immer noch der Satz: &#x201E;Du musst ja nicht lange bleiben.&#x201C; Nur kurz.</p><p>Fr&#xFC;her habe ich lange dar&#xFC;ber nachgedacht. Habe versucht abzuw&#xE4;gen, ob ich es vielleicht schaffen k&#xF6;nnte. Auch wenn es von au&#xDF;en oft anders aussieht: Ich w&#xFC;rde gerne kommen. Heute ist meine Antwort einfacher geworden. Ich sage Einladungen grunds&#xE4;tzlich ab.</p><p>Weil mein K&#xF6;rper solche Situationen nicht mehr aushalten kann.</p><p>Schon mehrere Menschen in einem Raum reichen aus, damit mein Nervensystem &#xFC;berfordert ist. Ihre Stimmen, ihre Bewegungen, ihre Gesten, ihre Ger&#xFC;che. Dazu Geschirr, das klappert, Musik im Hintergrund, der Klang von Gl&#xE4;sern beim Ansto&#xDF;en.</p><p>All das prasselt gleichzeitig auf mich ein.</p><p>Dann f&#xFC;hlt es sich an, als w&#xFC;rde eine Welle &#xFC;ber mir zusammenschlagen. Wenn auch noch Menschen dabei sind, die ich nicht gut kenne, wird es noch intensiver. Mein K&#xF6;rper reagiert sofort. Mir wird schwindelig. Ich habe das Gef&#xFC;hl, keine Luft zu bekommen. Und innerlich gibt es nur noch einen einzigen Impuls: Ich will weg. Sofort.</p><p>Das passiert nicht erst nach einer Stunde. Manchmal merke ich es schon nach wenigen Minuten.</p><p>Mehr als zwei Menschen gleichzeitig kann ich kaum noch ertragen. Mit meinen Enkeln vielleicht vier &#x2013; und auch das nur f&#xFC;r begrenzte Zeit. F&#xFC;r Au&#xDF;enstehende ist das schwer zu verstehen. Sie sehen nur eine Feier. F&#xFC;r mich ist es eine Situation, in der mein Nervensystem mit Eindr&#xFC;cken &#xFC;berflutet wird.</p><p><strong>Den Preis zahle ich sp&#xE4;ter</strong></p><p>Und selbst wenn ich fr&#xFC;her versucht habe, kurz zu bleiben, kam der eigentliche Preis oft erst sp&#xE4;ter. Wenn ich wieder zu Hause war. Wenn die Eindr&#xFC;cke nachwirkten. Wenn die Kopfschmerzen einsetzten, Gelenke pl&#xF6;tzlich schmerzten und die Muskeln ihren Dienst versagten. Wenn mein K&#xF6;rper unaufhaltsam in den Crash rutschte.</p><p>Dann wurde aus einem kurzen Besuch ein tagelanger R&#xFC;ckzug in Dunkelheit und Stille. Ein Zustand, in dem selbst einfache Dinge wieder zu viel waren.</p><p>Heute wei&#xDF; ich: Dieser Preis ist zu hoch. Deshalb gibt es f&#xFC;r mich dieses &#x201E;nur kurz vorbeikommen&#x201C; inzwischen nicht mehr. Nicht, weil mir die Menschen egal sind. <br><br>Sondern weil mein K&#xF6;rper mir Grenzen setzt, die ich nicht mehr verhandeln kann.</p><p></p><blockquote>Du m&#xF6;chtest den Beitrag kommentieren?<br>Die Kommentarfunktion ist im Mitgliederbereich freigeschaltet.<br><br>&#xDC;ber <strong>&#x201E;Subscribe&#x201C;</strong> kannst Du Dich registrieren und bekommst eine Nachricht bei neuen Posts.<br>Mit <strong>&#x201E;Sign in&#x201C;</strong> meldest Du Dich an, um zu kommentieren oder zu liken. <br><br>Ich freue mich &#xFC;ber Deine Gedanken zum Beitrag.</blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge?</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/hell-laut-nah/" rel="noreferrer">Zu hell, zu laut, zu nah &#x2013; mein Erleben von Reiz&#xFC;berflutung bei ME/CFS</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/unsichtbarer-laerm/" rel="noreferrer">Verpackungen, der unsichtbare L&#xE4;rm</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/prinzessin-auf-der-erbse/" rel="noreferrer">Prinzessin auf der Erbse? Wohl kaum!</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/konventionen/" rel="noreferrer">Konventionen vs Selbstf&#xFC;rsorge</a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Als Angehöriger schuld am Crash?]]></title><description><![CDATA[Ein Angehöriger beschreibt einen Moment, der starke Schuldgefühle auslöst – und wie schwer es ist, damit umzugehen.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/mecfs-angehoerige-schuld-crash/</link><guid isPermaLink="false">69c391fedede6f000193fa2c</guid><category><![CDATA[Crash & Überlastung]]></category><category><![CDATA[Angehörige]]></category><dc:creator><![CDATA[Jürgen]]></dc:creator><pubDate>Wed, 25 Mar 2026 08:49:23 GMT</pubDate><media:content url="https://images.unsplash.com/photo-1606103836293-0a063ee20566?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDE2fHxTYWR8ZW58MHx8fHwxNzc0NDI2NzQ0fDA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<h3 id="ein-pers%C3%B6nlicher-blick-auf-einen-moment-in-dem-vieles-zusammenkam"><br>Ein pers&#xF6;nlicher Blick auf einen Moment, in dem vieles zusammenkam</h3><img src="https://images.unsplash.com/photo-1606103836293-0a063ee20566?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDE2fHxTYWR8ZW58MHx8fHwxNzc0NDI2NzQ0fDA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" alt="Als Angeh&#xF6;riger schuld am Crash?"><p>Es ist ein Abend, an dem ich mich komplett schlecht und schuldig f&#xFC;hle. Tanja ist aufgrund eines Crashes bereits im Bett. Sie hatte den ganzen Tag gro&#xDF;e Schmerzen, den Wunsch, nur im Sessel zu sitzen und niemanden zu sehen oder zu h&#xF6;ren.&#xA0;</p><p>Um keinen unn&#xF6;tigen L&#xE4;rm zu machen, habe ich mich nach meiner R&#xFC;ckkehr sofort in mein Zimmer zur&#xFC;ckgezogen und aufs Bett gelegt. Hier denke ich nur mit Traurigkeit, aber auch mit m&#xE4;chtigen Selbstvorw&#xFC;rfen &#xFC;ber die Ereignisse nach, die zu dieser Situation, vor allem den Folgen gef&#xFC;hrt haben.&#xA0;</p><p>Was ist passiert? Um es kurz sagen: Ich habe mich gestern emotional nicht im Griff gehabt und vieles von meinen pers&#xF6;nlichen Problemen bei meiner Frau abgeladen. Da war ein Hacker-Angriff auf meinen Rechner, die augenblicklich gro&#xDF;en Sorgen als Medien schaffender Selbstst&#xE4;ndiger, die Sorge um sie. Hinzu kam die Furcht, mit den vielen neuen Anforderungen der Digitalisierung nicht mehr klarzukommen. Kurzum: Mich hatte eine Attacke der Angst, vielleicht auch der Panik erfasst und ich wusste nicht damit umzugehen. Tanja wollte mir helfen und &#xFC;bernahm sich dadurch auf der ganzen Linie.&#xA0;</p><p>Normalerweise schaffe ich es ganz gut, die vielen mich und uns umgebenden Probleme zu verarbeiten und Tanja m&#xF6;glichst wenig davon zu erz&#xE4;hlen. Der beste Weg ist f&#xFC;r mich dabei das Tagebuch und die damit verbundene, schriftliche Verarbeitung. Sehr h&#xE4;ufig helfen mir auch ein Gebet und/oder das Abtauchen in Musik.&#xA0;</p><p>Mit anderen Menschen &#xFC;ber meine emotionale Situation als Angeh&#xF6;riger zu sprechen, habe ich dagegen nahezu komplett aufgegeben. Ursache hierf&#xFC;r war unter anderem eine sehr schlimme Episode im beruflichen Umfeld. Als ich vor gut zwei Jahren einem Kunden von Tanjas Krankheit und der damit verbundenen Realit&#xE4;t erz&#xE4;hlte, sagte er mir mit harten Worten ins Gesicht: &#x201E;Wenn Sie Zuhause so angespannt und eingebunden sind, dann fehlt Ihnen ja komplett die Leistungsf&#xE4;higkeit. Wir werden wohl die Zusammenarbeit beenden m&#xFC;ssen.&#x201C;</p><p>Auch bei staatlichen und den meisten kirchlichen Stellen bin ich heute still. Gleiches gilt f&#xFC;r Psychologen. Die Erfahrung, die bei diesen machte, ist genauso pr&#xE4;gend, wie die zuvor beschriebene Erfahrung im gesch&#xE4;ftlichen Umfeld. Weil der Fachmann nicht wirklich wusste, was er mir sagen sollte, verwies er auf die Kindheit und meinte, durch mein in dieser Zeit erworbenes Helfersyndrom m&#xFC;sste ich mich nicht wundern.</p><p>Was lerne ich aus der heutigen Erfahrung? Vor allem, dass ich noch mehr die Selbstkontrolle &#xFC;ben muss, noch mehr abw&#xE4;gen muss, was still bleiben muss und was laut sein kann. Aus Liebe zu meiner Frau &#xFC;be ich jeden Tag weiter an mir.</p><p></p><blockquote>Du m&#xF6;chtest den Beitrag kommentieren?<br>Die Kommentarfunktion ist im Mitgliederbereich freigeschaltet.<br><br>&#xDC;ber <strong>&#x201E;Subscribe&#x201C;</strong> kannst Du Dich registrieren und bekommst eine Nachricht bei neuen Posts.<br>Mit <strong>&#x201E;Sign in&#x201C;</strong> meldest Du Dich an, um zu kommentieren oder zu liken.<br><br>Ich freue mich &#xFC;ber Deine Gedanken zum Beitrag.<br></blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/badeaufsicht/" rel="noreferrer">Denken und Handeln wie eine Badeaufsicht</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/hilfsfriseur/" rel="noreferrer">Der Mann, der zum Hilfsfriseur wurde</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/wieviel-kraft-bleibt-fur-gesprache/" rel="noreferrer">Wieviel Kraft bleibt f&#xFC;r Gespr&#xE4;che?</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/gefuhle-angehorige/" rel="noreferrer">Was Angeh&#xF6;rigen oft f&#xFC;hlen und nicht sagen</a></p><p></p><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Wenn Vorbereitung ins Leere läuft]]></title><description><![CDATA[Gut vorbereitet – und trotzdem ohne Ergebnis. Warum bei ME/CFS nicht nur Wissen zählt, sondern ob es im Praxisalltag auch umgesetzt wird.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/mecfs-wenn-vorbereitung-nicht-reicht/</link><guid isPermaLink="false">69be6cb2dede6f000193f98b</guid><category><![CDATA[Umgang Umfeld & Ärzte]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja ]]></dc:creator><pubDate>Sun, 22 Mar 2026 08:38:43 GMT</pubDate><media:content url="https://images.unsplash.com/photo-1517664946321-87d2e16ebaa6?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDh8fEZydXN0cmF0aW9uJTIwfGVufDB8fHx8MTc3NDE2NDM0NHww&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://images.unsplash.com/photo-1517664946321-87d2e16ebaa6?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDh8fEZydXN0cmF0aW9uJTIwfGVufDB8fHx8MTc3NDE2NDM0NHww&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" alt="Wenn Vorbereitung ins Leere l&#xE4;uft"><p>&#x201E;Wir m&#xFC;ssen einen neuen Termin machen.&#x201C;</p><p>Der Satz des Neurologen f&#xE4;llt leise. Fl&#xFC;sternd.</p><p>Ich schaue ihn fassungslos an. Merke, wie sich in mir alles zusammenzieht. Meine Augen f&#xFC;llen sich mit Tr&#xE4;nen.</p><p>Gleichzeitig steigt Wut auf.</p>
<!--kg-card-begin: html-->
<iframe width="100%" height="112" frameborder="0" scrolling="no" style="width: 100%; height: 112px; overflow: hidden;" src="https://cast.pacing-mecfs.de/@tanjas_pacing_blog/episodes/wenn-vorbereitung-ins-leere-lauft/embed"></iframe>
<!--kg-card-end: html-->
<p>Still, aber eindeutig. Nicht, weil etwas Unvorhergesehenes passiert ist. Sondern weil ich merke, wie viel vorbereitet war &#x2013; und wie wenig davon hier tr&#xE4;gt. Eine Wut, die ich sofort wieder d&#xE4;mpfe. Weil ich sie mir k&#xF6;rperlich nicht leisten kann. Und in diesem Moment ist schon klar: Ich werde diesen Raum ganz bestimmt nicht noch einmal betreten.</p><p><strong>Eine geschlossen T&#xFC;r hei&#xDF;t nicht Ruhe</strong></p><p>Wir sitzen seit einer halben Stunde in einem abgedunkelten Raum, der nach Fitnessstudio aussieht. Trainingsger&#xE4;te, ein Boxsack, Hocker, Spiegel.</p><p>Vor der T&#xFC;r ist ein Wartebereich. Es laufen Videos, laut genug, dass jedes Wort durchdringt. Stimmen, mal lauter, mal leiser. Nebenan ist die Toilette mit diesem durchdringenden Ger&#xE4;usch vom H&#xE4;ndetrockner. Schrill, immer wieder. Wie ein Staubsauger, der nicht aufh&#xF6;rt.</p><p>Ein Raum mit geschlossener T&#xFC;r. Mitten im L&#xE4;rm.</p><p>Ich habe Kopfh&#xF6;rer auf.<br>Darunter Ohrst&#xF6;psel.<br>Sonnenbrille. Maske.</p><p>Und trotzdem kommt alles an.</p><p><strong>Den Preis kenne ich</strong></p><p>Der Arzt steht nur kurz im Raum.</p><p>Er sagt, er habe nicht gewusst, wie schwer ich betroffen bin. Dabei habe ich genau das vorher angegeben. Habe meine Situation mit ME/CFS und Bell 30 beschrieben. Anamneseb&#xF6;gen ausgef&#xFC;llt, Mails geschrieben, telefoniert.</p><p>Er sagt, es habe Notf&#xE4;lle gegeben. Es w&#xFC;rde noch etwa eine Stunde dauern, bis ich &#xFC;berhaupt drankomme. Danach k&#xF6;nnte er sich Zeit nehmen. Besser w&#xE4;re ein neuer Termin.</p><p>Ich rechne nicht lange.</p><p>Noch eine Stunde hier.<br>Dann Gespr&#xE4;ch.<br>Dann R&#xFC;ckweg.</p><p>Ich wei&#xDF;, was mich das kostet. </p><p>Wir gehen. Wortlos.<br>Der Arzt ist da schon wieder verschwunden.</p><p><strong>Umsonst</strong></p><p>Es ist nicht dieser eine Satz. Es ist alles, was davor liegt. Die Vorbereitung. Das genaue Planen. Die Zeit, die mein Mann aufbringt, um mich die 80 Kilometer hierher zu fahren. Mein Pacing in den Tagen vorher, damit dieser Termin &#xFC;berhaupt m&#xF6;glich ist. Die Mail mit den Hinweisen: keine lange Wartezeit, ein ruhiger Raum, wenig Reize. Das Telefonat, in dem alles noch einmal durchgegangen wird. Der Eindruck: Es ist angekommen. Sie kennen sich aus.</p><p>Und dann sitze ich hier.</p><p>In einem Raum, der formal ruhig ist &#x2013; und es doch nicht ist. In einem Ablauf, der meine Grenzen vielleicht kennt, aber nicht tr&#xE4;gt.</p><p><strong>Wird ME/CFS verstanden?</strong></p><p>Was hier nicht funktioniert, ist schwer zu greifen, wenn man nur auf einzelne Elemente schaut: Die Praxis kennt ME/CFS. Es gibt Frageb&#xF6;gen. Es gibt Absprachen.</p><p>Aber nach diesem Termin bleibt eine Frage.
Was bedeutet dieses Wissen eigentlich im Alltag?
Ob die Schwere wirklich gesehen wird.
Oder ob sie bekannt ist &#x2013; und trotzdem nicht den Ablauf ver&#xE4;ndert.</p><p>Die Wege sind zu lang.<br>Die Reize zu viel.<br>Die Wartezeit zu unklar.</p><p><strong>Es hat nicht gereicht</strong></p><p>Am Ende bleibt nicht nur die Entt&#xE4;uschung &#xFC;ber diesen einen Termin. Es ist auch die bittere Erkenntnis, dass ich den Preis zahle. Auch ohne Ergebnis. Dass Vorbereitung alleine nicht tr&#xE4;gt. Dass ich alles tun kann, was in meiner Kontrolle liegt &#x2013; und es trotzdem nicht reicht, wenn die Struktur nicht mitgeht.</p><p>Als wir wieder im Auto sitzen, ist es nicht so still, wie es sein sollte.</p><p>Ich rede.<br>Mehr, als gut ist. Ich wei&#xDF;, dass in diesem Moment das Adrenalin anspringt.<br>Aber es muss raus. Sonst platze ich.</p><p>Erst zu Hause kann ich langsam runterfahren. Verbringe die n&#xE4;chsten Stunden still im Sessel. Und hoffe, dass der Preis nicht zu hoch sein wird.</p><p>Es geht nicht nur darum, einen Arzt zu finden, der sich auskennt. Sondern darum, ob die Strukturen &#xFC;berhaupt so sind, dass dieses Wissen zug&#xE4;nglich wird. Denn wenn Anfahrt, Wartezeit und Umgebung nicht angepasst sind, scheitert es oft schon vorher.</p><p>Manchmal reicht Vorbereitung eben nicht.<br>Nicht, weil sie ungenau war.<br>Sondern weil sie ins Leere l&#xE4;uft, wenn die Struktur sie nicht tr&#xE4;gt.</p><p></p><blockquote>Du m&#xF6;chtest den Beitrag kommentieren?<br>Die Kommentarfunktion ist im Mitgliederbereich freigeschaltet.<br><br>&#xDC;ber <strong>&#x201E;Subscribe&#x201C;</strong> kannst Du Dich registrieren und bekommst eine Nachricht bei neuen Posts.<br>Mit <strong>&#x201E;Sign in&#x201C;</strong> meldest Du Dich an, um zu kommentieren oder zu liken.<br><br>Ich freue mich &#xFC;ber Deine Gedanken zum Beitrag.</blockquote><p>&#xA0;</p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/bin-ich-krank-noch-etwas-wert/" rel="noreferrer">Bin ich krank noch etwas wert?</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/gastbeitrag-uta/" rel="noreferrer">Gastbeitrag Uta: Sportallergie oder Crash?</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/nachgefragt-1/" rel="noreferrer">Nachgefragt #1: F&#xFC;r ME/CFS-Patienten ungeeignet</a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Fake-Energie und ich: Wie die Adrenalinfalle versucht meinen Körper zu überlisten]]></title><description><![CDATA[Bei ME/CFS fühlt sich ein Adrenalinschub oft wie echte Energie an – bis der Crash folgt. Wie sich diese „Fake-Energie“ anfühlt und wie ich gelernt habe, sie früher zu erkennen.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/fake-energie-mecfs/</link><guid isPermaLink="false">6931620fdede6f000193ebdd</guid><category><![CDATA[Pacing]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja ]]></dc:creator><pubDate>Thu, 19 Mar 2026 07:34:13 GMT</pubDate><media:content url="https://images.unsplash.com/photo-1648195699350-fa0ed4a263e7?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDJ8fGZha2V8ZW58MHx8fHwxNzY0ODQ0MDgzfDA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://images.unsplash.com/photo-1648195699350-fa0ed4a263e7?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDJ8fGZha2V8ZW58MHx8fHwxNzY0ODQ0MDgzfDA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" alt="Fake-Energie und ich: Wie die Adrenalinfalle versucht meinen K&#xF6;rper zu &#xFC;berlisten"><p>Es war einer dieser seltenen Momente auf den ich mich so gefreut hatte. F&#xFC;r den ich tagelanges striktes Pacing in Kauf genommen hatte. Wir sitzen mit einem befreundeten Ehepaar am Tisch. Reden, Lachen, Scherzen. Und viel zu schnell geht mir durch den Kopf: &#x201E;Puh, Sprechen f&#xE4;llt heute schwerer als gehofft&#x201C;. Doch es ist so sch&#xF6;n, dass ich trotz dieses leisen Warnsignals noch nicht stoppen will. Nur ein bisschen noch. Schlie&#xDF;lich hat der Timer noch nicht geklingelt. </p>
<!--kg-card-begin: html-->
<iframe width="100%" height="112" frameborder="0" scrolling="no" style="width: 100%; height: 112px; overflow: hidden;" src="https://cast.pacing-mecfs.de/@tanjas_pacing_blog/episodes/fake-energie-und-ich-wie-die-adrenalinfalle-versucht-meinen-korper-zu-uberlisten/embed"></iframe>
<!--kg-card-end: html-->
<p><br>Ganz tief im Inneren wei&#xDF; ich eigentlich, dass es ab jetzt definitiv in die falsche Richtung geht. Aber gerade in Momenten, in denen sich mein Leben wieder ein bisschen wie &#x201E;normal&#x201C; anf&#xFC;hlt, ist es so verf&#xFC;hrerisch, diese Signale auszublenden, sie einfach zu ignorieren.</p><p><strong>Wie sich Fake-Energie anf&#xFC;hlt</strong></p><p>Und genau dann passiert etwas, das das Ignorieren meiner Grenzen noch viel leichter macht: Pl&#xF6;tzlich setzt dieses t&#xFC;ckische Gef&#xFC;hl ein, das alles Anstrengende, alles Schwere wegwischt. Wie von Zauberhand f&#xFC;hlt sich alles nach &#x201E;gesunder Tanja&#x201C; an. Ich bin mittendrin, laufe zu alter Form auf und denke: &#x201E;Ach, geht doch.&#x201C;</p><p>Diese Fake-Energie, die ich dann sp&#xFC;re, ist schwer zu beschreiben, wenn man sie nicht kennt. Im ersten Moment ist alles wie fr&#xFC;her: stabil, klar. Das T&#xFC;ckische ist aber, dass das schnell umschl&#xE4;gt. Denn es ist eben keine &#x201E;echte&#x201C; Energie, weil der K&#xF6;rper Adrenalin aussch&#xFC;ttet und damit Energie vort&#xE4;uscht, die gar nicht da ist. Und nur wenn ich ganz genau hinsehe, merke ich, dass es nach kurzer Zeit kein echtes Kraftgef&#xFC;hl mehr ist. Dass ich mich eher atemlos, gepusht, getrieben f&#xFC;hle. Wie in einem Rausch. Und das Merkw&#xFC;rdigste: Trotz der Belastung sp&#xFC;re ich keine Ersch&#xF6;pfung, keine Schmerzen. Und ich kann mich hinterher oft an kaum etwas genau erinnern.</p><p>Das gr&#xF6;&#xDF;te Risiko, in diese Fake-Energie zu rutschen, bergen die Situationen, in denen ich funktionieren muss: Arzttermine, Krisensituationen oder unser Umzug letztes Jahr. In solchen Momenten gibt es kein echtes Abw&#xE4;gen mehr. Dann geht es nur noch darum, so gut wie m&#xF6;glich durchzukommen. Und ein Crash ist dann fast immer vorprogrammiert. Der K&#xF6;rper h&#xE4;lt noch kurz durch, aber sp&#xE4;ter zahlt er den Preis.</p><p><strong>Kommt es zum Crash oder bleibt es beim Warnschuss?</strong></p><p>In Alltagssituationen - also dort, wo ich nicht funktionieren <em>muss</em> - h&#xE4;ngt es tats&#xE4;chlich davon ab, ob ich fr&#xFC;h genug stoppe, bevor die Fake-Energie mich mitrei&#xDF;t. Inzwischen sind aber die Tage h&#xE4;ufiger, an denen ich diesen Adrenalinkick bemerke, ihn ernst nehme, mich hinsetze, atme und die Reize reduziere. Dann bleibt es manchmal bei einer Warnung und es kommt nicht zum kompletten Zusammenbruch. Ich merke dann richtig, wie mein K&#xF6;rper aufatmet, wenn ich fr&#xFC;h genug dran bin. Es f&#xFC;hlt sich jedes Mal an wie ein kleiner Sieg &#xFC;ber eine Mechanik, die sich im ersten Moment zwar toll anf&#xFC;hlt, mir aber sonst das Ruder aus der Hand nehmen w&#xFC;rde.</p><p>Weil mir dieser Adrenalinkick so oft eine Falle gestellt hat, habe ich mir irgendwann einen Timer gekauft. Einen mit einer Klingel, die man ganz leise einstellen kann. Nicht st&#xF6;rend, nicht unangenehm, einfach nur ein kleines, sanftes &#x201E;Stopp, Tanja&#x201C;. Gerade beim Schreiben, f&#xFC;r Telefonate oder den seltenen Besuch nutze ich ihn konsequent. Ich habe lange gedacht, ich m&#xFC;sste das alleine schaffen. Heute gestehe ich mir ein, dass ein leises Klingeln oft kl&#xFC;ger ist als mein eigener Wille, der sich so leicht &#xFC;berreden l&#xE4;sst.</p><p>Und noch etwas hat sich bew&#xE4;hrt: Ich baue mir Puffer ein. Wenn zum Beispiel ein Arzttermin oder Besuch ansteht, reduziere ich mindestens zwei Tage vorher alles, was Energie kostet. Statt Dusche gibt es dann nur Katzenw&#xE4;sche. Und die Zeit f&#xFC;r Social Media oder Fernsehen schrumpft auf ein Minimum. Je anstrengender ich eine bevorstehende Situation einsch&#xE4;tze, desto l&#xE4;nger senke ich vorher und nachher mein Aktivit&#xE4;tsniveau ab.</p><p>Das Wichtigste aber ist: Stoppen, sobald Warnsignale auftauchen. Egal ob der Timer schon geklingelt hat oder nicht.</p><p><strong>Fake-Energie ist tr&#xFC;gerisch aber erkennbar</strong></p><p>Ich bin noch nicht perfekt darin, die Adrenalinfalle zu vermeiden. Aber ich habe gelernt, dass Fake-Energie zwar tr&#xFC;gerisch aber doch erkennbar ist. Sie zeigt sich bei mir durch dieses leichte innere Aufdrehen, durch die Mischung aus Klarheit, Atemlosigkeit und Unruhe, die genau dann kommt, wenn ich kurz zuvor noch gesp&#xFC;rt habe, wie leer mein Akku ist. Fr&#xFC;her habe ich das als &#x201E;endlich funktioniert mein K&#xF6;rper mal&#x201C; verstanden. Heute wei&#xDF; ich, dass dieser Energieschub eher ein Warnruf ist. Echte Energie ist leise. Stabil. Ruhig. Sie zeigt sich unspektakul&#xE4;r, oft nur als Moment, in dem nichts dr&#xE4;ngt. Und genau deshalb ist sie verl&#xE4;sslicher als jeder Adrenalinkick.<br><br>Und diese leise Energie &#x2013; die ist es, auf die ich inzwischen mehr und mehr h&#xF6;re.</p><p></p><blockquote>Du m&#xF6;chtest den Beitrag kommentieren?<br>Die Kommentarfunktion ist im Mitgliederbereich freigeschaltet.<br><br>&#xDC;ber <strong>&#x201E;Subscribe&#x201C;</strong> kannst Du Dich registrieren und bekommst eine Nachricht bei neuen Posts.<br>Mit <strong>&#x201E;Sign in&#x201C;</strong> meldest Du Dich an, um zu kommentieren oder zu liken. <br><br>Ich freue mich &#xFC;ber Deine Gedanken zum Beitrag.</blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/pacing-me-cfs-fuenf-ebenen/" rel="noreferrer">Die f&#xFC;nf Ebenen des Pacings - und warum es weit mehr ist als k&#xF6;rperliche Schonung</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/rolling-pem/" rel="noreferrer">Wieder etwas Neues: rollingPEM</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/pacing-statt-get-mecfs/" rel="noreferrer">Pacing statt GET &#x2013; warum sanftes Energiemanagement bei ME/CFS sinnvoller ist</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/stille-nach-dem-crash/" rel="noreferrer">Die Stille nach dem Crash</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/hell-laut-nah/" rel="noreferrer">Zu hell, zu laut, zu nah &#x2013; mein Erleben von Reiz&#xFC;berflutung bei ME/CFS</a></p><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Wüstenblüten]]></title><description><![CDATA[Ein persönlicher Text über Nähe, Ehrlichkeit und die kleinen „Wüstenblüten“, die selbst unter schwierigen Bedingungen entstehen können.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/wuestenblueten-mecfs-dankbarkeit-krankheit/</link><guid isPermaLink="false">69a85f3edede6f000193f7a1</guid><category><![CDATA[Innensichten]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja ]]></dc:creator><pubDate>Sat, 14 Mar 2026 16:50:23 GMT</pubDate><media:content url="https://pacing-mecfs.de/content/images/2026/03/AF71EA5A-DAD4-4063-A3AB-05011E5EED31.jpeg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://pacing-mecfs.de/content/images/2026/03/AF71EA5A-DAD4-4063-A3AB-05011E5EED31.jpeg" alt="W&#xFC;stenbl&#xFC;ten"><p><strong>&#xDC;ber das, was selbst in einer W&#xFC;ste bl&#xFC;hen kann.</strong><br><br>Wir sitzen noch eine Weile auf dem Sofa. Eng aneinander gekuschelt. Das Gespr&#xE4;ch ist l&#xE4;ngst vorbei, aber keiner von uns hat es eilig aufzustehen. Wir sagen nichts mehr. Sp&#xFC;ren einfach nur die W&#xE4;rme des anderen.</p>
<!--kg-card-begin: html-->
<iframe width="100%" height="112" frameborder="0" scrolling="no" style="width: 100%; height: 112px; overflow: hidden;" src="https://cast.pacing-mecfs.de/@tanjas_pacing_blog/episodes/wustenbluten/embed"></iframe>
<!--kg-card-end: html-->
<p>Das war eines der ehrlichsten und tiefsten Gespr&#xE4;che, das ich je mit J&#xFC;rgen gef&#xFC;hrt habe. Fr&#xFC;her hatte ich nicht den Mut dazu. Ich wollte immer stark sein. Gef&#xFC;hle zu zeigen h&#xE4;tte mich verletzlich gemacht. <br>Vieles von dem, was wir vorhin ausgesprochen haben, h&#xE4;tte ich fr&#xFC;her wahrscheinlich f&#xFC;r mich behalten.</p><p>Nicht, weil diese Momente nicht existiert h&#xE4;tten. Sondern weil mein Leben voll, schnell und laut war. Vieles lief einfach nebenbei.</p><p>Dann kam ME/CFS.</p><p>Eine Krankheit, die mir mehr genommen hat, als ich je f&#xFC;r m&#xF6;glich gehalten h&#xE4;tte. Energie. Selbstverst&#xE4;ndlichkeit. Bewegungsfreiheit, Pl&#xE4;ne, mehr und mehr Eigenst&#xE4;ndigkeit. Wenn ich k&#xF6;nnte, w&#xFC;rde ich sie lieber heute als morgen wieder aus meinem Leben streichen.</p><p>Und trotzdem hat sich in all dem auch etwas ver&#xE4;ndert. Ich habe mich ver&#xE4;ndert.</p><p>Die Gespr&#xE4;che sind ehrlicher geworden. Vielleicht, weil das Leben pl&#xF6;tzlich verletzlicher ist. Vielleicht auch, weil es mir heute viel wichtiger ist, dass mein Mann mich und meine Gedanken versteht.</p><p>Ich h&#xE4;tte fr&#xFC;her nie so um Hilfe bitten k&#xF6;nnen. Heute muss ich es immer &#xF6;fter. Und ich erlebe, dass mein Mann einfach da ist. Dass er bleibt. Dass wir gemeinsam durch diese Landschaft gehen, auch wenn sie verdammt rau geworden ist.</p><p>Daf&#xFC;r bin ich unendlich dankbar.</p><p>Wir sind seit 26 Jahren ein Paar. Und ich finde es etwas sehr Besonderes, dass unsere Gespr&#xE4;che durch die Krankheit nicht verstummt, sondern tiefer geworden sind. Vielleicht, weil ME/CFS jenseits von allem ist, was man sich wirklich vorstellen kann.</p><p>Dass wir trotzdem Worte daf&#xFC;r finden. Dass wir uns darin begegnen k&#xF6;nnen. Und dass er bleibt &#x2013; auch dann, wenn &#x201E;dableiben&#x201C; manchmal ganz w&#xF6;rtlich bedeutet zu helfen, zu tragen, zu pflegen.</p><p>Auch mein K&#xF6;rper ist mir fremd geworden &#x2013; und gleichzeitig vertrauter.<br>Fr&#xFC;her hat er einfach funktioniert. Ich habe ihn kaum beachtet &#x2013; geschweige denn gelobt. Heute spricht er mit mir. Oft leise, manchmal sehr deutlich.<br>Ich sp&#xFC;re seine Signale fr&#xFC;her, seine Grenzen, seine kleinen Warnzeichen.</p><p>Vielleicht ist das eine andere Form von genauem Hinsehen.</p><p>Und auch in meinem Freundeskreis hat sich manches sortiert. Einige Menschen konnten mit dieser Krankheit nicht umgehen. Andere sind geblieben. Still vielleicht, manchmal unsicher &#x2013; aber sie sind da.</p><p>Nie h&#xE4;tte ich gedacht, dass ich einmal Bloggerin werde. Dass es mir gelingt, ein unsichtbares Leben so in Worte zu fassen, dass es drau&#xDF;en besser verstanden wird. Dass mir eine Krankheit in all ihrer Brutalit&#xE4;t auch ein St&#xFC;ck Selbstwirksamkeit schenken kann.</p><p>Einige dieser Dinge gab es vielleicht schon vorher.</p><p>Aber im schnellen Leben habe ich sie wahrscheinlich &#xFC;bersehen. &#xDC;berh&#xF6;rt. Nicht beachtet. Zwischen all den Terminen, den Pl&#xE4;nen und diesem Gef&#xFC;hl, dass alles selbstverst&#xE4;ndlich ist.</p><p><strong>Die kleinen Dinge in der W&#xFC;ste</strong></p><p>Wenn ich jetzt dar&#xFC;ber nachdenke, kommen mir diese Pflanzen in den Sinn, die irgendwo in der W&#xFC;ste wachsen. Lange sieht man nur ein paar gr&#xFC;ne St&#xE4;ngel im weiten Sand. Unspektakul&#xE4;r, leicht zu &#xFC;bersehen.</p><p>Und irgendwann, fast unbemerkt, eine Bl&#xFC;te.</p><p>Nicht, weil die W&#xFC;ste pl&#xF6;tzlich ein freundlicher Ort geworden w&#xE4;re. Sondern weil Leben manchmal auch dort Wege findet.</p><p>Ich w&#xFC;rde diese Krankheit jederzeit zur&#xFC;ckgeben, wenn ich k&#xF6;nnte. Aber einige Dinge, die sie sichtbar gemacht hat, m&#xF6;chte ich heute nicht mehr missen.</p><p>Die Gespr&#xE4;che.<br>Die Ehrlichkeit.<br>Das feine Gesp&#xFC;r f&#xFC;r meinen K&#xF6;rper.<br>Mein Schreiben.<br>Und die Menschen, die geblieben sind.</p><p>&#xA0;Vielleicht sind das meine kleinen W&#xFC;stenbl&#xFC;ten.</p><p></p><blockquote>Ihr m&#xF6;chtet den Post kommentieren? Die Kommentarfunktion ist nur im Mitgliederbereich freigeschaltet. &#xDC;ber den Button &#x201E;<strong>Subscribe</strong>&#x201C; k&#xF6;nnt Ihr Euch dort registrieren und bekommt eine Nachricht bei neuen Posts. &#xDC;ber den Button &#x201E;<strong>Sign in</strong>&#x201C; meldet Ihr Euch im Mitgliederbereich an und k&#xF6;nnt kommentieren und liken. Ich freue mich auf Eure Kommentare!</blockquote><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge"><br>Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/bruecke/" rel="noreferrer">Manchmal braucht es eine Br&#xFC;cke um ME/CFS zu verstehen</a><br><br><a href="https://pacing-mecfs.de/gemeinsame-traurigkeit/" rel="noreferrer">Gemeinsam trauern aber auch hoffen</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/innere-bilder" rel="noreferrer">Wenn die inneren Bilder verschwinden</a></p><p>&#xA0;<a href="https://pacing-mecfs.de/schuldgefuhle/" rel="noreferrer">Schuldgef&#xFC;hle, die niemand tragen sollte</a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Verpackungen – der unsichtbare Lärm]]></title><description><![CDATA[Verpackungen sind selten still. Was für viele Hintergrundgeräusche sind, kann für Menschen mit ME/CFS spürbare Folgen haben.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/verpackungen-unsichtbarer-laerm-mecfs/</link><guid isPermaLink="false">690b787edede6f000193e77f</guid><category><![CDATA[Symptome & Reizüberflutung]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja ]]></dc:creator><pubDate>Wed, 11 Mar 2026 09:15:45 GMT</pubDate><media:content url="https://images.unsplash.com/photo-1603847734787-9e8a3f3e9d60?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDl8fHBsYXN0aWt8ZW58MHx8fHwxNzYyMzU5Nzc2fDA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://images.unsplash.com/photo-1603847734787-9e8a3f3e9d60?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDl8fHBsYXN0aWt8ZW58MHx8fHwxNzYyMzU5Nzc2fDA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" alt="Verpackungen &#x2013; der unsichtbare L&#xE4;rm"><p>J&#xFC;rgen holt eine Packung Wiener W&#xFC;rstchen aus dem K&#xFC;hlschrank. Ich stehe mit dem R&#xFC;cken zu ihm, v&#xF6;llig ahnungslos. Ratsch &#x2013; die Deckelfolie wird ge&#xF6;ffnet. Ich zucke innerlich zusammen. Doch der eigentliche Schock kommt erst danach: Das Knisterger&#xE4;usch der restlichen Verpackung, jedes Mal, wenn er sie in der Hand bewegt. Laut, schrill, eindringlich und vor allem - unentrinnbar. </p>
<!--kg-card-begin: html-->
<iframe width="100%" height="112" frameborder="0" scrolling="no" style="width: 100%; height: 112px; overflow: hidden;" src="https://cast.pacing-mecfs.de/@tanjas_pacing_blog/episodes/verpackungen-der-unsichtbare-larm/embed"></iframe>
<!--kg-card-end: html-->
<p>Mein Nervensystem reagiert, als w&#xE4;re Gefahr im Verzug: Ich bin wie erstarrt, halte den Atem an. Gef&#xFC;hlt kann ich mir erst Minuten sp&#xE4;ter die Ohren zuhalten, als er versucht, die knisternde Packung wieder im K&#xFC;hlschrank unterzubringen. Dann l&#xE4;sst die Welle etwas nach.</p><p><strong>Zu viel</strong></p><p>Kurz darauf folgt das n&#xE4;chste Ger&#xE4;uschgewitter: eine Chipst&#xFC;te. Ich ziehe scharf die Luft ein, weil der Schmerz so unmittelbar ist &#x2013; nicht k&#xF6;rperlich im klassischen Sinn, aber dennoch real. Mein ganzer K&#xF6;rper sagt nur noch: Zu viel.</p><p>Meine Muskeln werden pl&#xF6;tzlich zu Wackelpudding, das Herz rast, Licht wird zu hell, selbst die kleinsten Ger&#xE4;usche zu laut. Keine Kraft mehr zum Stehen. Ich will nur noch eines: in mein ruhiges, dunkles Schlafzimmer und in mein Bett. J&#xFC;rgen sieht mich erschrocken an, hilflos. Und ich f&#xFC;hle mich wieder wie diejenige, die &#x201E;zu viel verlangt&#x201C;.</p><p><strong>Gratwanderung</strong></p><p>F&#xFC;r Angeh&#xF6;rige ist es eine st&#xE4;ndige Gratwanderung: Neben all den anderen Herausforderungen, die ME/CFS mit sich bringt, m&#xFC;ssen sie nun beim Einkaufen auch noch abw&#xE4;gen, welche Produkte &#xFC;berhaupt &#x201E;ertr&#xE4;glich&#x201C; sind.</p><p>Es ist dabei fast egal, mit welchem Material sie verpackt sind. Plastik knistert mal leise mal schrill. Papier raschelt, Folien erzeugen ein durchdringendes Ger&#xE4;usch beim Aufrei&#xDF;en. Chipst&#xFC;ten, Wurstverpackungen, Joghurtbecher, Obstt&#xFC;ten aus Papier, Geschenkpapier &#x2013; sie alle haben diese abrupten, trockenen, kaum vorhersehbaren Ger&#xE4;usche. Kein wirklicher L&#xE4;rm, und doch f&#xFC;r meinen K&#xF6;rper kaum auszuhalten.</p><p><strong>Schwer ertr&#xE4;glich </strong></p><p>Ein vermeintlich leises Rascheln kann sich anf&#xFC;hlen wie ein pl&#xF6;tzliches Ereignis. Nicht laut im eigentlichen Sinn, aber eindringlich. Schwer auszublenden, kaum vorhersehbar, oft k&#xF6;rperlich sp&#xFC;rbar. Ger&#xE4;usche von Verpackungen haben neben der Lautst&#xE4;rke auch etwas Sprunghaftes. Sie entstehen ohne Rhythmus, ohne Kontinuit&#xE4;t. Genau das macht sie so schwer ertr&#xE4;glich.</p><p>Auch an meinem Geburtstag wurde mir das wieder schmerzlich bewusst.</p><p>Durch den vorangegangenen Arzttermin war ich schon zwei Tage im Crash. An Besuch, das Lesen von Nachrichten oder Telefonate war nicht zu denken. Gerade deshalb habe ich mich so sehr &#xFC;ber die Geschenke gefreut. &#xDC;ber die Gedanken, die Gesten, die N&#xE4;he. Und gleichzeitig konnte ich die liebevoll verpackten P&#xE4;ckchen nicht selbst auspacken. Das Rascheln des Geschenkpapiers, dieses scheinbar harmlose Ger&#xE4;usch, war trotz Ohrst&#xF6;pseln zu viel.</p><p><strong>Keine Gew&#xF6;hnung </strong></p><p>Also &#xF6;ffnete J&#xFC;rgen die Geschenke im Nebenraum. Und ich konnte nur warten, bis er sie mir wieder brachte. Ein seltsames Gef&#xFC;hl. Einerseits froh &#xFC;ber die Hilfe, andererseits irgendwie um die Spannung beim Auspacken gebracht. Verhaltene, aber dennoch echte Freude &#x2013; und daneben eine Grenze, die sich weder verhandeln noch ignorieren l&#xE4;sst. </p><p>Und dann ist da noch das eigene schlechte Gewissen, weil ein liebevoll gemeinter Moment pl&#xF6;tzlich organisatorisch angepasst werden muss. Verpackungsl&#xE4;rm ist nichts, woran man sich &#x201E;gew&#xF6;hnen&#x201C; kann. Er trifft auf ein Nervensystem, das Reize nicht einfach als Hintergrund verarbeitet.</p><p><strong>Sie sind &#xFC;berall </strong></p><p>Das Schwierige daran ist die Unsichtbarkeit. Verpackungsger&#xE4;usche gelten im &#x201E;normalen&#x201C; Leben nicht als L&#xE4;rm. Sie sind allt&#xE4;glich, sozial akzeptiert. Niemand denkt dar&#xFC;ber nach, wie oft sie auftreten oder wie durchdringend sie sein k&#xF6;nnen, wenn Reizfilter nicht zuverl&#xE4;ssig funktionieren.</p><p>Dabei sind sie &#xFC;berall.</p><p>Im Einkaufskorb, im K&#xFC;hlschrank, im S&#xFC;&#xDF;igkeiten-Regal. Verpackungen sind selten still, und ihre Ger&#xE4;usche sind selten konstant. Sie platzen in den Raum, kurz, scharf, unvorhersehbar. Noch nie wurde mir so deutlich, wie unentrinnbar sie sind &#x2013; und wie selbstverst&#xE4;ndlich sie praktisch &#xFC;berall lauern.</p><p><strong>L&#xE4;rm mit Folgen</strong></p><p>Vielleicht ist genau das der irritierendste Teil dieser Erfahrung: Wie sehr etwas so Banales zu einer echten Belastung werden kann. Nicht weil ich &#xFC;berempfindlich oder anstrengend w&#xE4;re, sondern wegen einer sehr realen k&#xF6;rperlichen Reaktion auf Reize.</p><p>F&#xFC;r viele Menschen sind solche Ger&#xE4;usche kaum der Rede wert. F&#xFC;r mich sind sie Ereignisse. Sie treffen auf ein Nervensystem, das nicht filtern, nicht d&#xE4;mpfen, nicht relativieren kann. </p><p>Verpackungen sch&#xFC;tzen, ordnen, pr&#xE4;sentieren. Und doch sind sie f&#xFC;r mich vor allem eines: L&#xE4;rm mit Folgen. Manchmal helfen dann nur kleine Umwege im Alltag &#x2013; ein anderes Zimmer, ein Hinweis vor dem &#xD6;ffnen, eine Tupperdose statt Folie &#x2013;, damit mein Nervensystem ein kleines bisschen mehr zur Ruhe kommen kann.</p><p></p><blockquote>Ihr m&#xF6;chtet den Post kommentieren? Die Kommentarfunktion ist nur im Mitgliederbereich freigeschaltet. &#xDC;ber den Button &#x201E;<strong>Subscribe</strong>&#x201C; k&#xF6;nnt Ihr Euch dort registrieren und bekommt eine Nachricht bei neuen Posts. &#xDC;ber den Button &#x201E;<strong>Sign in</strong>&#x201C; meldet Ihr Euch im Mitgliederbereich an und k&#xF6;nnt kommentieren und liken. Ich freue mich auf Eure Kommentare!</blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/hell-laut-nah/" rel="noreferrer">Zu hell, zu laut, zu nah &#x2013; mein Erleben von Reiz&#xFC;berflutung bei ME/CFS</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/emotionaler-stress-und-angst-die-spinne-im-schlafzimmer/" rel="noreferrer">Emotionaler Stress und Angst &#x2013; Die Spinne im Schlafzimmer</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/energieverschwendung-oder-seelenfutter/" rel="noreferrer">Energieverschwendung oder Seelenfutter?</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/dankbarkeit-scham/" rel="noreferrer">Wenn Dankbarkeit leise macht</a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Das Missverständnis mit der Hoffnung]]></title><description><![CDATA[Pacing, Rückzug und vorsichtiges Leben bei ME/CFS wirken oft wie Hoffnungslosigkeit. In Wahrheit sind sie eine leise Form von Hoffnung.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/das-missverstaendnis-mit-der-hoffnung/</link><guid isPermaLink="false">697decc5dede6f000193f250</guid><category><![CDATA[Innensichten]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja ]]></dc:creator><pubDate>Sat, 07 Mar 2026 09:52:31 GMT</pubDate><media:content url="https://images.unsplash.com/photo-1707315939218-eca0dda565b6?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDM4fHxIb2ZmbnVuZ3xlbnwwfHx8fDE3Njk4NjE1MzN8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://images.unsplash.com/photo-1707315939218-eca0dda565b6?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDM4fHxIb2ZmbnVuZ3xlbnwwfHx8fDE3Njk4NjE1MzN8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" alt="Das Missverst&#xE4;ndnis mit der Hoffnung"><p>Wir sa&#xDF;en nebeneinander auf dem Sofa, noch halb in dem Film im Fernsehen. Dort fiel irgendwann das Wort Hoffnung. Oder eher ihr Fehlen. Genau das ist auch ein Spannungsfeld zwischen uns. Nicht laut, nicht vordergr&#xFC;ndig. Aber es taucht im Rahmen von ME/CFS immer wieder auf. Und ohne lange dar&#xFC;ber nachdenken zu m&#xFC;ssen, habe ich ihn gefragt:</p><p>&#x201E;Woran genau machst Du eigentlich fest, dass ich keine Hoffnung habe?&#x201C;</p>
<!--kg-card-begin: html-->
<iframe width="100%" height="112" frameborder="0" scrolling="no" style="width: 100%; height: 112px; overflow: hidden;" src="https://cast.pacing-mecfs.de/@tanjas_pacing_blog/episodes/das-missverstandnis-mit-der-hoffnung/embed"></iframe>
<!--kg-card-end: html-->
<p>Die Frage war kein Angriff. Kein Vorwurf. Eher ein vorsichtiges Tasten. Ich wollte seine Gedanken, seine Perspektive verstehen. Die Antwort kam nach l&#xE4;ngerem ringen um die richtigen Worte: &#x201E;Du redest fast nie dar&#xFC;ber, was irgendwann wieder m&#xF6;glich sein k&#xF6;nnte&#x201C;.</p><p>Und in diesem Moment habe ich gemerkt, wie unterschiedlich wir Hoffnung sehen.</p><p>F&#xFC;r ihn ist Hoffnung etwas, &#xFC;ber das man spricht. Pl&#xE4;ne. Reisen. Dinge, die irgendwann wieder gehen k&#xF6;nnten. Ein Blick nach vorne. Und weil ich diese S&#xE4;tze fast nie sage, sieht es f&#xFC;r ihn so aus, als h&#xE4;tte ich mich innerlich schon mit einem schlimmen Ausgang abgefunden.</p><p><strong>Mein Erleben</strong></p><p>F&#xFC;r mich ist mein inneres Erleben genau das Gegenteil von Hoffnungslosigkeit. Und was mir immer schwer fiel in Worte zu fassen, ging pl&#xF6;tzlich ganz leicht, wie von selbst: Ohne Hoffnung w&#xFC;rde ich in dieser Situation komplett anders leben. Ich w&#xFC;rde nicht pacen. Ich w&#xFC;rde all meine Energie jeden Tag bis zum Anschlag ausgeben. Ich w&#xFC;rde crashen, immer wieder, mit Schmerzen, aber ohne Reue. W&#xFC;rde mir sagen: Wenn ich sowieso irgendwann bettl&#xE4;gerig werde, kann ich auch jetzt alles nehmen, was geht. Dann lieber intensiv und kurz als vorsichtig und begrenzt.</p><p>Ich w&#xFC;rde keine anstrengenden Arzttermine machen, die mich Tage oder Wochen kosten. W&#xFC;rde nicht nach kleinen Stellschrauben suchen, um meinen K&#xF6;rper zu unterst&#xFC;tzen. W&#xFC;rde mir nicht jeden Tag diese Disziplin, dieses Limitieren abverlangen, die Pacing bedeutet. All das mache ich nur aus einem Grund: weil ich daran glaube, dass es einen Unterschied machen k&#xF6;nnte.</p><p><strong>Meine Hoffnung</strong></p><p>Meine Hoffnung ist kein Gef&#xFC;hl, das nach au&#xDF;en dr&#xE4;ngt. Sie ist viel mehr eine Entscheidung, die sich im Alltag versteckt. In abgesagten Terminen. In leise gehaltenen Gef&#xFC;hlen. In Pausen und Grenzen. In diesem st&#xE4;ndigen Abw&#xE4;gen zwischen dem, was ich will, und dem, was mein K&#xF6;rper tragen kann. Von au&#xDF;en sieht das leicht aus wie R&#xFC;ckzug. Wie Resignation. Aber f&#xFC;r mich ist es das Gegenteil. Es ist eine Investition in meine Zukunft, auch wenn diese Zukunft im Moment unscharf ist.</p><p>Vielleicht liegt genau hier ein Missverst&#xE4;ndnis, das viele Angeh&#xF6;rige kennen. Hoffnung wird oft mit Optimismus verwechselt. Mit gro&#xDF;en Worten. Mit dem festen Glauben an ein gutes Ende. Aber es gibt auch eine leisere Form von Hoffnung. Eine, die nicht von M&#xF6;glichkeiten spricht, sondern sie jeden Tag bewahrt und sch&#xFC;tzt.</p><p><strong>Kleine Einheiten</strong></p><p>Ich rede selten dar&#xFC;ber, was irgendwann wieder sein k&#xF6;nnte. Kann dem keinen Raum geben. Nicht, weil ich es f&#xFC;r ausgeschlossen halte. Sondern weil mich der Gedanke an das, was ich so gerne machen w&#xFC;rde, zerrei&#xDF;t, mir die Luft nimmt. Und weil mein Alltag im hier und jetzt stattfinden muss. In dem was heute m&#xF6;glich ist. In sehr kleinen Einheiten. In Minuten und Stunden, vielleicht in Tagen - aber nicht in Jahren.</p><p>Meine Hoffnung sitzt nicht in m&#xF6;glichen Zukunftsvisionen. Sie sitzt im heutigen Handeln, darin, dass ich meinen K&#xF6;rper ernst nehme. Dass ich ihn nicht aufgebe, sondern unterst&#xFC;tze. Dass ich jeden Tag meine Energie als etwas Wertvolles behandle.</p><p>Und vielleicht ist genau das meine Art zu sagen: Ich glaube, dass es sich lohnt, dranzubleiben.</p><blockquote>Ihr m&#xF6;chtet den Post kommentieren? Die Kommentarfunktion ist nur im Mitgliederbereich freigeschaltet. &#xDC;ber den Button &#x201E;<strong>Subscribe</strong>&#x201C; k&#xF6;nnt Ihr Euch dort registrieren und bekommt eine Nachricht bei neuen Posts. &#xDC;ber den Button &#x201E;<strong>Sign in</strong>&#x201C; meldet Ihr Euch im Mitgliederbereich an und k&#xF6;nnt kommentieren und liken. Ich freue mich auf Eure Kommentare!</blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/bruecke/" rel="noreferrer">Manchmal braucht es eine Br&#xFC;cke um ME/CFS zu verstehen</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/me-cfs-lachen/" rel="noreferrer">Darf es bei ME/CFS Lachen geben?</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/striktes-pacing-fuhlt-sich-manchmal-ganz-schon-egoistisch-an/" rel="noreferrer">Striktes Pacing f&#xFC;hlt sich manchmal ganz sch&#xF6;n egoistisch an!</a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Warum wir nicht auf den Staat warten können]]></title><description><![CDATA[Interview mit Jörg Heydecke zur ME/CFS Research Foundation: Forschungsschwerpunkte, Transparenz und warum wir nicht nur auf staatliche Programme warten.]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/nicht-auf-staat-warten/</link><guid isPermaLink="false">697c70c8dede6f000193f1c7</guid><category><![CDATA[Im Gespräch]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja ]]></dc:creator><pubDate>Wed, 04 Mar 2026 07:21:26 GMT</pubDate><media:content url="https://pacing-mecfs.de/content/images/2026/03/JH-portrait-MERF_voll.JPG" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://pacing-mecfs.de/content/images/2026/03/JH-portrait-MERF_voll.JPG" alt="Warum wir nicht auf den Staat warten k&#xF6;nnen"><p><strong>...und wie die ME/CFS Research Foundation f&#xFC;r uns arbeitet</strong></p><p>Es ist frustrierend, seit Jahren zu h&#xF6;ren: &#x201E;Es wird geforscht&#x201C; - und doch &#xE4;ndert sich im Alltag so wenig. In einem Interview habe ich mit J&#xF6;rg Heydecke von der ME/CFS Research Foundation dar&#xFC;ber gesprochen, warum private Forschung f&#xFC;r uns Betroffene so wichtig ist und weshalb Spenden keine &#x201E;Almosen&#x201C; sind, sondern eine Investition in unsere eigene Zukunft sein k&#xF6;nnen.</p><p>Wer sich mit dem Interview besch&#xE4;ftigt, wird schnell merken: Es ist ausf&#xFC;hrlich, aber auch sehr inhaltsstark. Um niemanden zu &#xFC;berfordern, gibt es deshalb diesmal drei Fassungen:</p><ul><li><strong>Kurze Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen</strong></li><li><strong>Warum wir nicht auf den Staat warten k&#xF6;nnen &#x2013; und wie die ME/CFS Research Foundation f&#xFC;r uns arbeitet (Zusammenfassung erg&#xE4;nzt mit meinen Gedanken)</strong></li><li><strong>Das gesamte Interview in Textform und als PDF zum Download</strong></li></ul><p>So k&#xF6;nnt Ihr je nach Tagesform entscheiden, welche Version heute die Richtige f&#xFC;r Euch ist und nehmt trotzdem alles Wichtige mit.</p><hr><h3 id="kurze-zusammenfassung-der-wichtigsten-aussagen"><strong>Kurze Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen</strong></h3><p>Die ME/CFS Research Foundation wurde 2022 von J&#xF6;rg Heydecke gegr&#xFC;ndet. In seiner Familie gibt es seit vielen Jahren einen ME/CFS-Fall. Aus dieser Erfahrung heraus ist die &#xDC;berzeugung entstanden, dass sich an der Situation von Betroffenen langfristig nur dann etwas &#xE4;ndert, wenn biomedizinische Forschung gezielt vorangebracht wird.</p><p>Die Foundation verfolgt das Ziel, Forschung schneller und fokussierter zu erm&#xF6;glichen, als es staatliche Strukturen derzeit oft leisten k&#xF6;nnen. Inhaltlich setzt sie klare Schwerpunkte: auf die Suche nach Biomarkern, die Diagnosen erleichtern und Forschung beschleunigen k&#xF6;nnten, sowie auf klinische Therapiestudien mit bereits zugelassenen Medikamenten. Erg&#xE4;nzend wird auch Grundlagenforschung gef&#xF6;rdert, um das Verst&#xE4;ndnis der Erkrankung zu vertiefen und langfristig neue Ansatzpunkte zu er&#xF6;ffnen. Viele Forschende gehen davon aus, dass ME/CFS und Long COVID grunds&#xE4;tzlich heilbar sind.</p><p>Spenden an die ME/CFS Research Foundation flie&#xDF;en vollst&#xE4;ndig in diese Forschungsprojekte. Die Verwaltungskosten der Stiftung &#xFC;bernimmt J&#xF6;rg Heydecke privat. Zus&#xE4;tzlich gibt es einen international besetzten wissenschaftlichen Beirat sowie eine &#xF6;ffentlich einsehbare F&#xF6;rderstrategie, in der transparent dargestellt wird, welche Projekte unterst&#xFC;tzt werden und aus welchen Gr&#xFC;nden.</p><p>Im Interview formuliert J&#xF6;rg Heydecke drei W&#xFC;nsche an die Community: etwas mehr Zuversicht, auch wenn sie angesichts der individuellen Situation oft schwerf&#xE4;llt; mehr Zusammenarbeit statt vieler einzelner Initiativen; und eine st&#xE4;rkere Beteiligung im Rahmen der eigenen M&#xF6;glichkeiten &#x2013; sei es durch Spenden, Aktionen oder das Weitergeben von Informationen.</p><hr><h3 id="warum-wir-nicht-auf-den-staat-warten-k%C3%B6nnen-%E2%80%93-und-wie-die-mecfs-research-foundation-f%C3%BCr-uns-arbeitet"><strong>Warum wir nicht auf den Staat warten k&#xF6;nnen &#x2013; und wie die ME/CFS Research Foundation f&#xFC;r uns arbeitet</strong></h3><p>Wenn man mit ME/CFS lebt, kennt man die endlose Suche nach einer Diagnose, das Hin und Her zwischen Praxen, die Ratlosigkeit im System. Genau aus dieser Erfahrung heraus hat J&#xF6;rg Heydecke 2022 die ME/CFS Research Foundation gegr&#xFC;ndet. In seiner Familie gibt es seit vielen Jahren einen ME/CFS-Fall, und irgendwann war klar: Ohne gezielte biomedizinische Forschung wird sich an dieser Situation wenig &#xE4;ndern.&#xA0;</p><p>Spannend (und f&#xFC;r uns frustrierend) ist: In Deutschland gab es bis 2021 praktisch keine &#xF6;ffentliche Forschungsf&#xF6;rderung zu ME/CFS. In anderen L&#xE4;ndern wie den USA oder England haben vor allem private, spendenfinanzierte Organisationen daf&#xFC;r gesorgt, dass &#xFC;berhaupt Studien gestartet wurden. Genau dieses Modell versucht die ME/CFS Research Foundation jetzt nach Deutschland zu holen. J&#xF6;rg Heydecke ist &#xFC;berzeugt, dass erg&#xE4;nzende und m&#xF6;glichst starke private Forschungsf&#xF6;rderung wichtig ist. Denn: Niemand kann im Moment sicher sagen, ob die angek&#xFC;ndigten staatlichen F&#xF6;rderprogramme in die richtigen Forschungsprojekte investiert werden.</p><p>Im Interview betont J&#xF6;rg Heydecke, dass viele Forschende davon ausgehen, dass ME/CFS und Long COVID grunds&#xE4;tzlich heilbar sind. Es geht also nicht darum, &#x201E;ein bisschen besser zurechtzukommen&#x201C;, sondern um echte Therapieoptionen. Damit das gelingt, setzt die Stiftung klare Schwerpunkte: auf Biomarker, die die Diagnose vereinfachen und die Forschung beschleunigen. Und auf klinische Therapiestudien mit bereits zugelassenen Medikamenten, die bei positivem Ergebnis vergleichsweise schnell im Alltag ankommen k&#xF6;nnten. Parallel dazu l&#xE4;uft Grundlagenforschung, die das Verst&#xE4;ndnis der Erkrankung vertieft und langfristig neue Wege &#xF6;ffnet.&#xA0;</p><p>Ein Punkt, der f&#xFC;r viele von uns wichtig ist: Spenden an die ME/CFS Research Foundation flie&#xDF;en vollst&#xE4;ndig in diese Forschungsprojekte. Die Verwaltungskosten der Stiftung &#xFC;bernimmt J&#xF6;rg Heydecke privat. Dazu kommen ein internationaler wissenschaftlicher Beirat und eine &#xF6;ffentlich einsehbare <a href="https://mecfs-research.org/fundingstrategy/?ref=pacing-mecfs.de" rel="noreferrer">F&#xF6;rderstrategie</a>. Man kann also nachlesen, <a href="https://mecfs-research.org/research/?ref=pacing-mecfs.de" rel="noreferrer">welche Projekte unterst&#xFC;tzt</a> werden und warum.&#xA0;</p><p>F&#xFC;r mich als Betroffene ist genau das der Kern: Wenn wir spenden (oder Spendenaktionen ansto&#xDF;en), handeln wir nicht &#x201E;f&#xFC;r andere&#x201C;. Wir investieren in die Forschung, die wir selbst dringend brauchen - f&#xFC;r schnellere Diagnosen, f&#xFC;r handfeste Therapieans&#xE4;tze, f&#xFC;r die Chance, dass Krankenkassen wirksame Behandlungen irgendwann &#xFC;bernehmen. &#xD6;ffentliche Programme sind wichtig, aber langsam und oft unberechenbar. Private Forschungsf&#xF6;rderung kann helfen, die Zeit dazwischen zu &#xFC;berbr&#xFC;cken.&#xA0;</p><p>Gleichzeitig wissen wir alle, wie begrenzt die Ressourcen vieler Betroffener sind - finanziell und kr&#xE4;ftem&#xE4;&#xDF;ig. Daher sollte sich niemand verschulden oder an der eigenen Versorgung sparen, um zu spenden. Trotzdem zeigt die Erfahrung der Stiftung, dass auch kleine Betr&#xE4;ge und kreative Wege viel bewegen k&#xF6;nnen: Spendenaktionen zum Geburtstag oder zu Feiertagen, &#x201E;Spenden statt Geschenke&#x201C;, das Einbinden von Freunden, Kollegen oder Vereinen, das Teilen von Infos &#xFC;ber Social Media. Die St&#xE4;rke unserer Community liegt in der Zahl der Menschen, die betroffen sind oder jemanden kennen - aber sie wirkt nur, wenn wir sie nutzen.&#xA0;</p><p>Im Interview formuliert J&#xF6;rg Heydecke drei W&#xFC;nsche an uns als Community: ein bisschen mehr Zuversicht, auch wenn es schwerf&#xE4;llt; mehr Kooperation statt lauter kleiner Inseln; und mehr Beteiligung - egal ob durch Spenden, Aktionen oder einfach dadurch, dass wir Informationen weitergeben. F&#xFC;r mich steckt darin ein Angebot: Wir sind dieser Situation nicht nur ausgeliefert. Wir k&#xF6;nnen sie nicht allein l&#xF6;sen, aber wir k&#xF6;nnen ein St&#xFC;ck mitsteuern, wie schnell sich etwas bewegt.&#xA0;</p><hr><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://pacing-mecfs.de/content/images/2026/03/L2_04730_JPG.jpg" class="kg-image" alt="Warum wir nicht auf den Staat warten k&#xF6;nnen" loading="lazy" width="1600" height="1069" srcset="https://pacing-mecfs.de/content/images/size/w600/2026/03/L2_04730_JPG.jpg 600w, https://pacing-mecfs.de/content/images/size/w1000/2026/03/L2_04730_JPG.jpg 1000w, https://pacing-mecfs.de/content/images/2026/03/L2_04730_JPG.jpg 1600w" sizes="(min-width: 720px) 720px"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">J&#xF6;rg Heydecke, ME/CFS Research Foundation</span></figcaption></figure><h3 id="komplettes-interview-tanjas-pacing-blog-mit-j%C3%B6rg-heydecke-mecfs-research-foundation"><strong>Komplettes Interview Tanjas Pacing Blog mit J&#xF6;rg Heydecke, ME/CFS Research Foundation</strong></h3><p></p><p><strong>Tanjas Pacing Blog: Herr Heydecke, wie sind Sie pers&#xF6;nlich dazu gekommen, die ME/CFS Research Foundation zu gr&#xFC;nden - und was treibt Sie dabei an?</strong></p><p><strong>J&#xF6;rg Heydecke:</strong> Wir haben seit vielen Jahren einen ME/CFS Fall in der Familie und &#x2013; wie die meisten Betroffenen &#x2013; bis zur Diagnose eine jahrelange &quot;Odyssee durch das Gesundheitssystem&quot; erleben m&#xFC;ssen. Nach einigen (erfolglosen) Therapieversuchen wurde mir klar, dass diese katastrophale Situation nur mit mehr biomedizinischer Forschung l&#xF6;sbar sein wird &#x2013; f&#xFC;r alle Betroffenen. Bis 2021 gab es quasi keine &#xF6;ffentliche ME/CFS Forschungsf&#xF6;rderung in Deutschland. In anderen L&#xE4;ndern wie USA oder England waren es auch v.a. private Stiftungen bzw. Organisationen, die spendenfinanziert Forschung initiiert haben. Das wollte ich im gro&#xDF;en Stil auch f&#xFC;r Deutschland versuchen.&#xA0;</p><p>ME/CFS und Long COVID sind grunds&#xE4;tzlich heilbare Krankheiten. Davon sind viele Forschende &#xFC;berzeugt. Ich denke man wird in wenigen Jahren erste konkrete Therapieoptionen identifizieren. Das Stiftungsteam und ich leisten unseren Beitrag, damit das m&#xF6;glichst schnell passiert. Das ist unsere Mission und unser Antrieb.&#xA0;</p><p><strong>Tanjas Pacing Blog: Kommen Sie pers&#xF6;nlich aus dem Medizin-Umfeld?</strong></p><p><strong>J&#xF6;rg Heydecke: </strong>Im fr&#xFC;heren Berufsleben war ich 27 Jahre lang Unternehmensberater f&#xFC;r strategische Management-Themen. Daher war ich &#xFC;berzeugt, man kann die vielen Betroffenen und ihre Familien, Freunde und Netzwerke als Spender aktivieren und auf diesem Weg einiges an Forschung finanzieren. Nach jetzt vier Jahren Stiftungsarbeit sehen wir, das geht tats&#xE4;chlich. Nat&#xFC;rlich ist es eigentlich Aufgabe des Staates, dieses Problem konsequent anzugehen. Aber wie bei anderen Themen auch, hat es f&#xFC;r ME/CFS und Long COVID sehr lange gedauert, bis hier gr&#xF6;&#xDF;ere Initiativen realisiert werden. Selbst heute kann man noch nicht sicher sagen, ob die angek&#xFC;ndigten F&#xF6;rderprogramme auch wirklich in die richtigen Forschungsprojekte investiert werden &#x2013; das wird sich wohl erst gegen Ende 2026 zeigen. Deshalb braucht es nach wie vor eine erg&#xE4;nzende, m&#xF6;glichst starke private Forschungsf&#xF6;rderung.</p><p><strong>Tanjas Pacing Blog: Viele Betroffene sind unsicher, was mit Spendengeldern passiert. Stimmt es, dass Sie die Verwaltungskosten der Stiftung privat &#xFC;bernehmen, damit jede Spende zu 100 % in die Forschung flie&#xDF;t - und warum ist Ihnen das so wichtig?</strong></p><p><strong>J&#xF6;rg Heydecke:</strong> Es gibt hier eigentlich keinen Grund zur Unsicherheit. Denn wir kommunizieren alle 6 Monate transparent, was wir mit den Einnahmen tun in unseren <a href="https://mecfs-research.org/2025summer-report/?ref=pacing-mecfs.de" rel="noreferrer">Halbjahresberichten</a>. Die zuk&#xFC;nftige Planung ver&#xF6;ffentlichen wir in unserer <a href="https://mecfs-research.org/fundingstrategy?ref=pacing-mecfs.de" rel="noreferrer">F&#xF6;rderstrategie</a>.</p><p>Und ja es stimmt, alle Spenden flie&#xDF;en vollst&#xE4;ndig in die Forschungsf&#xF6;rderung. Gl&#xFC;cklicherweise habe ich die M&#xF6;glichkeit, die administrative Stiftungsarbeit finanzieren zu k&#xF6;nnen und auch selbst Zeit in die Stiftung einzubringen. Wir wollen ein gro&#xDF;es Problem l&#xF6;sen und daf&#xFC;r muss man selbst voran gehen, wenn man kann. Das wird jeder Start-up Unternehmer best&#xE4;tigen. Ich m&#xF6;chte &#xA0;mit diesem Engagement allen anderen die M&#xF6;glichkeit geben, sich so einzubringen, wie sie es k&#xF6;nnen &#x2013; also mit Spenden oder ehrenamtlichem Engagement. Denn nur gemeinsam l&#xE4;sst sich viel erreichen.&#xA0;</p><p><strong>Tanjas Pacing Blog: Wie wird entschieden, welche Projekte mit den Spendengeldern gef&#xF6;rdert werden - und wer ist daran beteiligt?</strong></p><p><strong>J&#xF6;rg Heydecke:</strong> Die ersten Projektfinanzierungen sind aus Gespr&#xE4;chen mit Forschenden recht pragmatisch entstanden. 2023 haben wir unsere erste <a href="https://mecfs-research.org/fundingstrategy2023?ref=pacing-mecfs.de" rel="noreferrer">F&#xF6;rderstrategie</a> ver&#xF6;ffentlicht, um zu erkl&#xE4;ren was wir tun und warum. F&#xFC;r 2026 haben wir die <a href="https://mecfs-research.org/fundingstrategy)?ref=pacing-mecfs.de" rel="noreferrer">F&#xF6;rderstrategie gerade aktualisiert</a>. Wir werden den Vergabeprozess f&#xFC;r F&#xF6;rdermittel st&#xE4;rker formalisieren und &#xF6;ffnen, da wir inzwischen wesentlich mehr Mittel zur Verf&#xFC;gung haben. Unsere konkreten F&#xF6;rderkriterien werden wir demn&#xE4;chst ver&#xF6;ffentlichen. Dann k&#xF6;nnen Forschende Antr&#xE4;ge stellen und unser international besetzter wissenschaftlicher Beirat wird aus den Projektvorschl&#xE4;gen im Rahmen unserer Strategie die Projekte ausw&#xE4;hlen, wo wir den meisten Impact erzeugen k&#xF6;nnen.&#xA0;</p><p><strong>Tanjas Pacing Blog: Welche aktuellen Studien oder Forschungsans&#xE4;tze finden Sie gerade besonders spannend - und was k&#xF6;nnten diese Projekte ganz konkret f&#xFC;r uns Patient:innen bedeuten?</strong></p><p><strong>J&#xF6;rg Heydecke:</strong> Wir legen die Priorit&#xE4;t auf die Themen Biomarker und klinische Therapiestudien. Ein diagnostischer Biomarker w&#xFC;rde einerseits die Diagnose sehr viel schneller und einfacher machen und andererseits die Forschung stark beschleunigen. Das war auch bei anderen Krankheiten so (z.B. Multiple Sklerose). Klinische Therapiestudien mit bereits zugelassenen Medikamenten sind spannend, da sie im besten Falle der k&#xFC;rzeste Weg zu einer Therapie sein k&#xF6;nnten. M&#xFC;ssen Medikamente erst neu entwickelt werden, dauert der Prozess bis zur Zulassung ca. 8-10 Jahre. Ein bereits zugelassenes Medikament w&#xE4;re quasi sofort &quot;offlabel&quot; verf&#xFC;gbar und vielleicht 1-2 Jahre sp&#xE4;ter auch mit einer Zulassung f&#xFC;r ME/CFS bzw. Long COVID, d.h. mit einer Chance auf Erstattung durch die Krankenkassen. Deshalb sollte man alle Medikamente mit guter wissenschaftlicher Hypothese testen &#x2013; das w&#xE4;ren aktuell etwa 10 Studien, also gut zeitnah machbar. Mehr dazu steht in unserer aktuellen F&#xF6;rderstrategie.</p><p>Parallel f&#xF6;rdern wir auch die Grundlagenforschung. Das sind meist weniger teure Studien, die eher l&#xE4;ngerfristig verwertbare Erkenntnisse generieren. Aber auch hier kann es durchaus zu &#xFC;berraschenden Durchbr&#xFC;chen kommen.&#xA0;</p><p><strong>Tanjas Pacing Blog: Im Vergleich zu Spenden f&#xFC;r Kinder oder Tiere ist das Volumen f&#xFC;r ME/CFS sehr klein. Warum, glauben Sie, ist die Spendenbereitschaft f&#xFC;r ME/CFS so gering?</strong></p><p><strong>J&#xF6;rg Heydecke:</strong> Die meisten Menschen spenden f&#xFC;r Themen, die ihnen irgendwie &quot;am Herzen liegen&quot;, die sie als relevante Probleme sehen. Kinder oder Tiere in Not sind f&#xFC;r nahezu jeden Menschen ein relevantes Thema. Ich habe selbst fr&#xFC;her unter anderem f&#xFC;r diese Themen gespendet. Deshalb gibt es auch viele Organisationen und Prominente, die sich daf&#xFC;r einsetzen. ME/CFS wurde sehr lange nicht als gro&#xDF;es gesellschaftliches Problem gesehen. Es war in der &#xF6;ffentlichen Wahrnehmung eine unbekannte Erkrankung, die zudem noch f&#xE4;lschlicherweise psychologisiert wurde. Nur wenige Menschen setzen sich mit Themen auseinander, die sie nicht selbst betreffen.&#xA0;</p><p>Die Pandemie bzw. Long COVID haben den Blick auf ME/CFS zum Teil ver&#xE4;ndert. Die Zahl der Betroffenen ist stark gestiegen. Es wurde breiter bekannt, dass postinfekti&#xF6;se Erkrankungen grunds&#xE4;tzlich jeden treffen k&#xF6;nnen und auch die gesellschaftlichen Kosten sind gigantisch (vgl. unsere <a href="https://mecfs-research.org/costreport/?ref=pacing-mecfs.de" rel="noreferrer">Studie zu Pr&#xE4;valenz und Kosten von Long COVID und ME/CFS in Deutschland</a>. Anders gesagt, es wird immer sichtbarer, dass diese Erkrankungen unsere Gesellschaft insgesamt sehr stark belasten und &quot;nicht nur&quot; die Betroffenen.&#xA0;</p><p>Au&#xDF;erdem bringt die Erkrankung viele Betroffene in sozial prek&#xE4;re Situationen &#x2013; dann sind kaum noch Spenden m&#xF6;glich. Wir haben teils Spender, die wenige Euro j&#xE4;hrlich oder monatlich spenden, um sich einzubringen obwohl sie kaum etwas zur Verf&#xFC;gung haben. Das bewundere ich sehr! So ist letztlich auch unsere aktuelle Spendenabonnement-Aktion entstanden, in der wir noch mal auf die gro&#xDF;e Kraft vieler kleiner Beitr&#xE4;ge hinweisen.</p><p><strong>Tanjas Pacing Blog: Viele Betroffene haben selbst kaum Geld. Welche anderen M&#xF6;glichkeiten gibt es, Ihre Stiftung zu unterst&#xFC;tzen - z. B. durch Teilen, &#xD6;ffentlichkeitsarbeit oder Spenden statt Geschenke?</strong></p><p><strong>J&#xF6;rg Heydecke:</strong> Wir sind anfangs teils stark kritisiert worden, dass wir Betroffene &#xFC;berhaupt zu Spenden aufrufen. Dabei haben wir immer betont, private Versorgung hat nat&#xFC;rlich Vorrang. Nur wer kann sollte spenden. &#xDC;ber die Zeit haben wir gelernt, dass teils sogar schwer Betroffene &#xFC;ber Spendenaktionen zum Geburtstag, Feiertagen, und &#xFC;ber Einbindung ihrer Arbeitskollegen, Mitsch&#xFC;ler oder Vereinsfreunde teils erstaunlich hohe Spendensummen generieren k&#xF6;nnen. Wenn Betroffene ihre Netzwerke anregen, sich f&#xFC;r Spenden zu engagieren, ist das einer der gr&#xF6;&#xDF;ten Reichweite-Hebel, die wir erzielen k&#xF6;nnen. Da hei&#xDF;t konkret: Anregen von Spendenaktionen und Teilen unserer News und alles, was unsere Arbeit bekannter macht. Die St&#xE4;rke der &quot;ME/CFS Community&quot; liegt in der Gr&#xF6;&#xDF;e, aber eben auch nur dann, wenn viele sich nach ihren M&#xF6;glichkeiten einbringen.&#xA0;</p><p><strong>Tanjas Pacing Blog: Was w&#xFC;nschen Sie sich von uns als Community - und was w&#xFC;nschen Sie sich von der Gesellschaft insgesamt?</strong></p><p><strong>J&#xF6;rg Heydecke:</strong> Ich w&#xFC;nsche mir von der Community tats&#xE4;chlich drei Dinge: Erstens etwas mehr Optimismus. Ich verstehe, das f&#xE4;llt angesichts teils langer und schwerer eigener Betroffenheit oft extrem schwer. Aber Zuversicht l&#xE4;sst nicht nur konstruktives entstehen, sondern kann auch Trost und Hoffnung f&#xFC;r einen selbst sein. Und es gibt Grund zur Hoffnung auf Heilung, wie oben bereits erw&#xE4;hnt!&#xA0;</p><p>Zweitens w&#xFC;nsche ich mir mehr Kooperation. Es ist erstaunlich, wie viele kleine Gruppen versuchen, sich auf ihre Weise zu engagieren. Doch nur gemeinsam sind wir stark! Um gro&#xDF;es zu bewegen, braucht es Koalitionen - dazu geh&#xF6;ren auch Kompromisse und Fehlertoleranz. Die teils harsche Kommentierung einzelner Aktionen innerhalb der Community erstaunt mich immer wieder. Nicht alles ist perfekt. Doch am Ende haben wir alle das gleiche Ziel.</p><p>Und Drittens w&#xFC;nsche ich mir noch mehr, auch kleine Beitr&#xE4;ge &#x2013; egal ob Spende oder Social Post, Ansprache von Bekannten oder Spendenaktion. Denn noch immer ist nur ein kleiner Teil der vielen hunderttausend Betroffenen hier aktiv, soweit wir das sehen k&#xF6;nnen.&#xA0;</p><p>Von der Gesellschaft w&#xFC;nsche ich mir einerseits noch mehr Einsicht, dass wir hinsichtlich postinfekti&#xF6;ser Erkrankungen alle im gleichen Boot sitzen. Um im Bild zu bleiben: einige von uns wollen aber k&#xF6;nnen leider nicht mehr mitrudern &#x2013; im Job, Schule, Sport, Hobby und privat. Das geht uns alle an! Deshalb ist es f&#xFC;r alle relevant und sollte auch so behandelt werden: ME/CFS muss mehr gesehen und anerkannt werden. Es ist ein l&#xF6;sbares Problem, f&#xFC;r dass es sich zu spenden lohnt! Und auch politisch lohnt es sich in sinnvolle Forschung zu investieren. Was das konkret hei&#xDF;t, versuchen wir den verantwortlichen Politikern zu erl&#xE4;utern (vgl. z.B. unsere <a href="https://www.bmftr.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/11/121125-ME-CFS.html?ref=pacing-mecfs.de" rel="noreferrer">Stellungnahme in der &#xF6;ffentlichen Anh&#xF6;rung zur &quot;Nationale Dekade gegen postinfekti&#xF6;se Erkrankungen&quot;</a> </p><p><strong>Tanjas Pacing Blog: Vielen Dank f&#xFC;r das Interview und Ihre spannenden Antworten.</strong></p><p><strong>J&#xF6;rg Heydecke:</strong> Danke f&#xFC;r das Gespr&#xE4;ch und viel Erfolg mit dem Blog!&#xA0;</p><div class="kg-card kg-file-card"><a class="kg-file-card-container" href="https://pacing-mecfs.de/content/files/2026/01/Interview-Tanjas-Pacing-Blog-mit-MECFS-Research-Foundation-2026-1.pdf" title="Download" download><div class="kg-file-card-contents"><div class="kg-file-card-title">Komplettes Interview mit der MECFS Research Foundation</div><div class="kg-file-card-caption"></div><div class="kg-file-card-metadata"><div class="kg-file-card-filename">Interview Tanjas Pacing Blog mit MECFS Research Foundation 2026.pdf</div><div class="kg-file-card-filesize">191 KB</div></div></div><div class="kg-file-card-icon"><svg viewbox="0 0 24 24"><defs><style>.a{fill:none;stroke:currentColor;stroke-linecap:round;stroke-linejoin:round;stroke-width:1.5px;}</style></defs><title>download-circle</title><polyline class="a" points="8.25 14.25 12 18 15.75 14.25"/><line class="a" x1="12" y1="6.75" x2="12" y2="18"/><circle class="a" cx="12" cy="12" r="11.25"/></svg></div></a></div><p><a href="https://mecfs-research.org/?ref=pacing-mecfs.de" rel="noreferrer">www.mecfs-research.org</a></p><blockquote>Ihr m&#xF6;chtet den Post kommentieren? Die Kommentarfunktion ist nur im Mitgliederbereich freigeschaltet. &#xDC;ber den Button &#x201E;<strong>Subscribe</strong>&#x201C; k&#xF6;nnt Ihr Euch dort registrieren und bekommt eine Nachricht bei neuen Posts. &#xDC;ber den Button &#x201E;<strong>Sign in</strong>&#x201C; meldet Ihr Euch im Mitgliederbereich an und k&#xF6;nnt kommentieren und liken. Ich freue mich auf Eure Kommentare!</blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/pacing-app/" rel="noreferrer">blueME: Neue Pacing App mit gro&#xDF;em Potenzial</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/schule-mecfs/" rel="noreferrer">Natascha Kunert-M&#xF6;ller: Schule darf nicht krank machen</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/sozialhummel/" rel="noreferrer">Sozialhummel: Engagierte und respektvolle Assistenz bei schwerem ME/CFS</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/punktlich-bemuht/" rel="noreferrer">P&#xFC;nktlich und bem&#xFC;ht &#x2013; reicht das f&#xFC;r Post COVID?</a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Keine Reise. - Zwischen Termin und Crash]]></title><description><![CDATA[Ein Termin, viele Reize, ein Crash. Eine persönliche Bilanz über das Erleben danach – und eine unerwartete Unsicherheit mit ME/CFS]]></description><link>https://pacing-mecfs.de/keine-reise-bilanz/</link><guid isPermaLink="false">699ad28edede6f000193f566</guid><category><![CDATA[Innensichten]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja ]]></dc:creator><pubDate>Sat, 28 Feb 2026 09:42:46 GMT</pubDate><media:content url="https://images.unsplash.com/photo-1568571959361-3bffbad07499?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDh8fEtvZmZlcnxlbnwwfHx8fDE3NzE3NTQxNzd8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://images.unsplash.com/photo-1568571959361-3bffbad07499?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDh8fEtvZmZlcnxlbnwwfHx8fDE3NzE3NTQxNzd8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" alt="Keine Reise. - Zwischen Termin und Crash"><p>Es ist kurz nach 6 Uhr. Ein oder zwei Stunden mehr Schlaf w&#xE4;ren f&#xFC;r das, was vor mir liegt, vermutlich hilfreich gewesen - vielleicht sogar entscheidend. Doch auch heute bin ich unruhig. Zu viele Gedanken. Habe ich wirklich an alles gedacht? Fehlt noch etwas? Muss ich noch etwas einpacken? Dieses innere Reise-Kribbeln, das ich von fr&#xFC;her kenne, das sich heute jedoch v&#xF6;llig anders anf&#xFC;hlt.</p>
<!--kg-card-begin: html-->
<iframe width="100%" height="112" frameborder="0" scrolling="no" style="width: 100%; height: 112px; overflow: hidden;" src="https://cast.pacing-mecfs.de/@tanjas_pacing_blog/episodes/keine-reise-zwischen-termin-und-crash/embed"></iframe>
<!--kg-card-end: html-->
<p>Und doch gelingt es mir, noch eine Stunde mit geschlossenen Augen zu d&#xF6;sen. Nachdem um 11 Uhr alle Vorbereitungen abgeschlossen waren, versteht sich. Ein schnelles Mittagessen, dann verstaut J&#xFC;rgen alles im Auto und wir fahren los. </p><p>Zun&#xE4;chst nach Willingen. W&#xE4;hrend er im Hotel seinen Deutschkurs gibt, warte ich im Restaurant. Es ist geschlossen, doch die Musik l&#xE4;uft weiter. Leise. F&#xFC;r Gesunde kaum wahrnehmbar. Und doch nicht leise genug f&#xFC;r mein System. Trotz Ohrenst&#xF6;pseln und zus&#xE4;tzlichen Noise-Canceling-Kopfh&#xF6;rern dringt sie unaufhaltsam durch. Ein Filter, der einfach nicht greift.</p><p><strong>Erste Etappe</strong></p><p>Nach knapp zwei Stunden mit Tee, geschlossenen Augen und H&#xF6;rbuch merke ich, wie die Schw&#xE4;che einsetzt. Meine Muskulatur f&#xFC;hlt sich an wie Wackelpudding. Jeder Schritt unsicher, jede Bewegung m&#xFC;hsam. </p><p>Im Auto versuche ich, so gut es geht, nicht auf die Stra&#xDF;e zu schauen, nicht mitzusteuern, die Augen leer werden zu lassen. Sonnenbrille, Geh&#xF6;rschutz, keine Gespr&#xE4;che. Mein System stabilisiert sich ein wenig, f&#xE4;hrt nicht weiter hoch. Doch dann kippt es wieder. Mit jedem Kilometer wird es herausfordernder. M&#xFC;der. Schwerer.</p><p>Bei der Ankunft im Hotel zeigt sich bereits, wie schmal meine Reserven sind. Der direkte Zugang ist durch Bauarbeiten versperrt. Eine Treppe, ein Weg bergab. F&#xFC;r mich nicht mehr machbar. Ich warte im Auto, J&#xFC;rgen &#xFC;bernimmt den Check-in und bringt mir sp&#xE4;ter die Koffer. Allein das Zimmer zu erreichen f&#xFC;hlt sich, trotz Fahrstuhl, bereits wie eine enorme Anstrengung an.</p><p><strong>Im Hotel</strong></p><p>Wir wussten, dass das Hotel ruhig sein w&#xFC;rde. Und tats&#xE4;chlich: mehrheitlich Ruhe. Vertraute Gegenst&#xE4;nde. Mein Kissen, der Topper, kleine Routinen. Abendessen im Zimmer, mitgebrachtes Brot, etwas Obst. Dann der Versuch, das Nervensystem ein wenig herunterzufahren.</p><p>Die Nacht bringt wenig Erholung. Kopfschmerzen, Schmerzen in Knien und Oberschenkeln, st&#xE4;ndiges Umlagern. Todm&#xFC;de - und doch l&#xE4;sst der Schlaf auf sich warten. Am Morgen f&#xFC;hle ich mich grippig, ersch&#xF6;pft, geschwollen, unendlich schwach. Katzenw&#xE4;sche und Fr&#xFC;hst&#xFC;ck im Zimmer &#x2013; mehr geht gerade nicht. Noch vor dem eigentlichen Termin ist klar: Ich gehe schon &#xFC;berlastet hinein.</p><p><strong>Der Termin</strong></p><p>Das letzte St&#xFC;ck Fahrt d&#xF6;se ich auf dem Beifahrersitz. Der zeitliche Puffer reicht aus, um im Parkhaus vor der Praxis des ZPSE in Bonn eine halbe Stunde mit geschlossenen Augen sitzen zu bleiben. Sonnenbrille, Kopfh&#xF6;rer, Abschirmung. Ein kurzer Versuch, das System zu stabilisieren.</p><p>Die Praxis selbst ist erstaunlich ruhig. Leerer Wartebereich, ged&#xE4;mpftes Licht, eine Atmosph&#xE4;re, die meinem Zustand entgegenkommt. Das Personal freundlich und zugewandt. Das Gespr&#xE4;ch mit der &#xC4;rztin dauert etwa drei&#xDF;ig Minuten. Wortfindungsst&#xF6;rungen begleiten mich, doch meine vorbereiteten Unterlagen tragen das Gespr&#xE4;ch. Alles ist schriftlich festgehalten. Symptome, Verlauf, Beobachtungen. Nichts muss spontan erinnert werden. Und J&#xFC;rgen schreibt auf, was besprochen wird.</p><p>Die k&#xF6;rperliche Untersuchung entf&#xE4;llt. Eine gro&#xDF;e Erleichterung f&#xFC;r mein System. Danach Blutabnahme. Viele R&#xF6;hrchen. Auch hier muss ich nicht aus dem Rollstuhl aufstehen. Dann ist der Termin vorbei. Der so viel bedeutet. In mehr als einer Hinsicht. </p><p>Den Bericht mit Empfehlungen und m&#xF6;glicherweise einem weiteren Termin bekomme ich in zwei bis drei Monaten. Ich bin sehr ersch&#xF6;pft, aber auch froh, all das auf mich genommen zu haben. Verlasse die Praxisr&#xE4;ume mit einem guten Gef&#xFC;hl.</p><p><strong>Nach Hause</strong></p><p>Wir beschlie&#xDF;en, nicht mehr ins Hotel zur&#xFC;ckzukehren. Direkt nach Hause zu fahren. Noch eine Nacht au&#xDF;erhalb h&#xE4;tte vermutlich mehr gekostet als die Heimfahrt selbst. Also fahren wir direkt nach Hause. Wieder die gleiche Routine: Ohrenschutz, Sonnenbrille, keine Gespr&#xE4;che, kein Mitfahren, kein Aufregen &#xFC;ber Staus. Einfach sein. Atmen.</p><p>Zuhause angekommen sinke ich auf meinen Sessel und schlafe sofort ein. Stunden der Reizreduktion. Ein leichtes Abendessen, fr&#xFC;h schlafen gehen. In der Nacht starke Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen. Die Kopfschmerzen treten diesmal in den Hintergrund.</p><p><strong>Crash</strong></p><p>Am n&#xE4;chsten Morgen ist klar: Der Crash ist angekommen. Schmerzen. Extreme Schw&#xE4;che, Lichtempfindlichkeit, kaum Kraft f&#xFC;r wenige Schritte. Liegen wird zur einzigen tolerierbaren Position. Selbst das Zimmer erscheint zu hell. Sonnenbrille und Kopfh&#xF6;rer bleiben auch heute meine st&#xE4;ndigen Begleiter.</p><p>Die folgenden beiden Tage verlaufen ruhig. Viel Liegen, kaum Bewegung, Reize konsequent reduziert. Und dann geschieht etwas, das ich nur vorsichtig registriere: Mein Zustand verschlechtert sich nicht weiter. Zumindest nicht sp&#xFC;rbar.</p><p><strong>Irritation</strong></p><p>Die Lichtempfindlichkeit bleibt, die Schw&#xE4;che ebenso. Doch es kommt nicht zu jener bekannten Eskalation, die fr&#xFC;here Crashs oft begleitet hat. Keine zunehmenden Kopfschmerzen, kein weiteres Abrutschen. Stattdessen eher ein bleiernes, schmerzhaftes Verharren. Und dann, viel fr&#xFC;her als bef&#xFC;rchtet, verblassen die Symptome nach und nach.</p><p>Was mich dabei irritiert:</p><p>Dieser Crash f&#xFC;hlt sich anders an als die bisherigen. Nicht die Kopfschmerzen stehen wie sonst im Vordergrund, sondern Lichtempfindlichkeit und Muskelschmerzen. Und noch etwas bewegt mich: In den letzten Monaten war selbst Duschen kaum m&#xF6;glich. Haarewaschen nur mit Hilfe, in gro&#xDF;en Abst&#xE4;nden. Und dann folgt eine Belastung, die im Verh&#xE4;ltnis zu diesem Alltag nahezu extrem wirkt. </p><p><strong>Unsicherheit</strong></p><p>Vielleicht hat das konsequente Pacing in den Wochen zuvor dazu beigetragen. Aber dass mein K&#xF6;rper diese Tage vergleichsweise glimpflich zu &#xFC;berstehen scheint, erzeugt eine neue, eigenartige Unsicherheit. Ist das bereits die Reaktion? Oder nur eine Phase davor? Kann ich diesem Zustand trauen oder k&#xFC;ndigt sich das eigentliche Ausma&#xDF; zeitverz&#xF6;gert an?</p><p>Ich wei&#xDF; inzwischen, dass ME/CFS selten eindeutige Interpretationen erlaubt, dass nicht jede Reaktion einer erwartbaren Logik folgt. </p><p><strong>Was bleibt</strong></p><p>Und daher bleibt mir nichts, als eine realistische Einsch&#xE4;tzung: Nur weil sich mein Zustand schneller beruhigt hat als bef&#xFC;rchtet, bedeutet das nicht, dass mein K&#xF6;rper diese Tage einfach weggesteckt hat.
Solche Belastungen verschwinden nicht mit dem Termin. Sie bleiben im System. Manchmal leise. Manchmal zeitverz&#xF6;gert.</p><p>
Deshalb werden die kommenden Tage keine vorsichtige R&#xFC;ckkehr in den Alltag sein, sondern eher ein bewusstes Unter-die-eigene-Grenze-Gehen. Noch weniger als sonst. Noch stiller.
Nicht aus Angst. Sondern aus Respekt vor dem, was mein K&#xF6;rper bereits geleistet hat.</p><p>Und trotzdem w&#xFC;rde ich es wieder genauso machen. Denn dieser Termin war wichtig.</p><p>F&#xFC;r mich. F&#xFC;r uns.</p><hr><p><strong><em>Vielleicht kann dieser Einblick helfen, eigene Termine realistischer zu planen &#x2013; nicht als Punkt im Kalender, sondern als Kette von Belastungen.</em></strong></p><hr><p></p><blockquote>Ihr m&#xF6;chtet den Post kommentieren? Die Kommentarfunktion ist nur im Mitgliederbereich freigeschaltet. &#xDC;ber den Button &#x201E;<strong>Subscribe</strong>&#x201C; k&#xF6;nnt Ihr Euch dort registrieren und bekommt eine Nachricht bei neuen Posts. &#xDC;ber den Button &#x201E;<strong>Sign in</strong>&#x201C; meldet Ihr Euch im Mitgliederbereich an und k&#xF6;nnt kommentieren und liken. Ich freue mich auf Eure Kommentare!</blockquote><p></p><h3 id="vielleicht-interessieren-dich-auch-diese-beitr%C3%A4ge">Vielleicht interessieren Dich auch diese Beitr&#xE4;ge:</h3><h3 id></h3><p><a href="https://pacing-mecfs.de/keine-reise/" rel="noreferrer">Keine Reise.</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/mitfahren-genauso-anstrengend/" rel="noreferrer">Mitfahren ist genauso anstrengend</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/rolling-pem/" rel="noreferrer">Immer wieder etwas Neues: rollingPEM</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/bruecke/" rel="noreferrer">Manchmal braucht es eine Br&#xFC;cke um ME/CFS zu verstehen</a></p><p><a href="https://pacing-mecfs.de/wieder-ein-stuck-freiheit-weg/" rel="noreferrer">Wieder ein St&#xFC;ck Freiheit weg</a></p>]]></content:encoded></item></channel></rss>